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Studio 9 | Beitrag vom 23.05.2020

Corona weltweit: VenezuelaGanz genau 20 Minuten Wasser am Tag

Von Burkhard Birke

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Menschen füllen Wasserkanister in Naguanagua, Venezuela. (picture allaince / Zuma Wire / Juan Carlos Hernandez)
Das Wasser ist knapp, besonders während der Coronakrise in Venezuela. (picture allaince / Zuma Wire / Juan Carlos Hernandez)

In Venezuela ist der tägliche Überlebenskampf durch Corona und die Ausgangssperre noch härter geworden. Gleichzeitig scheint die Maduro-Regierung von der Situation zu profitieren. Vom Alltag in der Hauptstadt Caracas erzählt der Journalist Oscar Schlenker.

Ich heiße Oscar Schlenker.
Ich bin ein Journalist. Ich bin Venezolaner. Seit 2011 arbeite ich als Korrespondent in Caracas für die Deutsche Welle.

Die Quarantäne, oder dass ich nicht aus meinem Haus gehen kann, ist nicht so schlimm. Recherche - da mache ich viel übers Internet - wenn es Internet gibt, denn manchmal gibt es kein Internet. Dann mache ich Anrufe, etwa bei Experten.

Aber es ist schwierig in der Situation, in der wir hier in Venezuela leben. Viele Sachen machen meine Arbeit als Journalist schwierig. Da gibt es die Angst, dass die Regierung einen ins Gefängnis steckt. Das andere große Problem ist der Strom, den es eben einfach oft nicht gibt. Und das passiert immer öfter, vielleicht für eine Stunde, vielleicht für zwei. Das ist schwer.

Ein Auto? - Ja, aber selten gibt es Benzin.

Endlich! Wir haben Wasser. Doch nur für 20 Minuten. Und ich muss das Geschirr spülen und sauber machen, meinen Einkauf erledigen – ich muss mich beeilen, denn es ist nicht so viel Zeit, in der wir nun Wasser haben.

Ich versuche auch, mein Auto zu nutzen, aber ich habe kein Benzin. Darum ist es ein Risiko, jetzt zum Markt zu fahren, denn mein Tank ist komplett leer. Ich will nicht auf der Straße liegen bleiben.

Alle zwei, drei Tage mache ich das Auto an, denn wenn man das Auto einfach stehen lässt so lange, kriegt es Probleme. Ich will, dass das Auto nicht kaputt geht. Aber zum Markt? - Das geht jetzt nicht. Es ist jetzt komplett leer, komplett. Kein Benzin.

Der Mangel macht Prävention schwer

Ich habe gesehen, dass viele Leute Masken tragen. Wer keine hat, muss sie sich selber herstellen. Die Regierung hat es zur Regel gemacht, dass, wenn man die Metro oder die Transportsysteme nutzt, man Maske trägt. Und so ist es bei manchen einfach nur ein T-Shirt über dem Gesicht. Wir haben auch gesehen, dass viele Leute Masken verkaufen, die sie selbst gemacht haben. Es ist jetzt ein Geschäft, Masken herzustellen.

Aber natürlich ist es schwer, alle Tipps für Prävention auch einzuhalten. Etwa, wenn es hier kein Wasser gibt, um die Hände zu waschen. Auch Chlorox ist ganz schwer zu finden jetzt, denn viele Leute haben es gekauft. Und selbst Alkohol. Viele Sachen gibt es jetzt nicht mehr. Und Sachen, bei denen es vorher schon einen Mangel gab, sieht man jetzt noch viel weniger.

Corona macht es der Regierung leichter, Protest zu verhindern

Wir haben hier nicht so viele Leute, die krank sind wegen des Coronavirus - nicht so wie in Brasilien oder in Kolumbien oder in anderen Nachbarländern.

Wir haben hier nicht so große Probleme mit den Friedhöfen oder mit Krankenhäusern. Einige Experten sagen, dass dies so ist, weil in Venezuela nicht so viele Leute aus Europa oder China kamen - denn schon vorher gab es hier die ökonomische Krise und die politische.

Viele von uns glauben, dass es nun für die Regierung einfacher ist zu begründen, dass man zu Hause bleiben muss - wegen Corona. Covid19 ist für die Regierung von Nutzen, denn die Leute sind nicht in den Straßen für ihren Protest gegen den Benzinmangel und den Medizinmangel und den Essensmangel. Da gibt es viele Sachen, die wir im Moment nicht mehr sehen in Venezuela.

Aufgezeichnet von Burkhard Birke

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