Seit 05:05 Uhr Studio 9
Donnerstag, 29.10.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Studio 9 | Beitrag vom 20.05.2020

Corona weltweit: SchottlandWenn der Einkauf ausfällt und Medikamente nicht ankommen

Beitrag hören Podcast abonnieren
Mit einer Rasierer schneidet sich Bibo Keeley ihre Haare radikal ab. (Brian Keeley)
Bibo Keeley hat sich für eine Kunstaktion während Corona die Haare abrasiert. (Brian Keeley)

Das Künstlerpaar Bibo und Brian Keeley lebt in Aberdeen. Und eigentlich konnten sie sich ganz gut mit ihrer Kunst auch zuhause einrichten und dort arbeiten. Doch dann gab es Bankprobleme, die Lebensmittel blieben aus und die Apotheke konnte nicht gleich liefern.

Hallo, ich heiße Bibo Keeley. - Und ich bin Brian Keeley.

Wir sind ein Künstlerehepaar. - Und wir wohnen in Aberdeen im Nordosten Schottlands.

Ich komme ursprünglich aus Deutschland. - Ich nicht.

Wir sind beide Künstler, und wir machen unsere Kunst natürlich weiter, aber zum Teil in einem anderen Format.

Kunstwerk mit gemaltem Regenbogen, unter dem das Konterfei der Queen zu sehen ist. Abgerundet wird die Ansicht mit Reinigungsmittel und Klopapier. (Bibo und Brian Keeley)Die Keeleys ließen sich von Corona für die Kunst inspirieren. (Bibo und Brian Keeley)

Also die öffentlichen Gebäude sind zurzeit hier alle geschlossen. Das heißt, wir haben keinen Zugang zu unseren Ateliers in der Stadtmitte, die wir dort mieten. Aber wir haben, als es sich abzeichnete, dass der Lockdown kommt, noch schnell einige Materialien nach Hause geholt, die man auch hier gut benutzen kann. Und jetzt haben wir also das vordere Zimmer in ein Atelier umgewandelt, komplett mit Folie, um den Teppich abzudecken, Staffelei und so weiter.

Da arbeiten wir jetzt vor allem an kollaborativen Bilder und drückten unsere Erlebnisse künstlerisch aus.

Das ist eine neue Erfahrung für uns und Macht Spaß.

Gemeinsame Gemälde und individuelle Arbeiten

Neben gemeinsamen Gemälden und Collagen arbeiten wir aber auch an unserer individuellen Kunst weiter.

Ich schreibe seit Oktober 2019 eine Doktorarbeit in Film und visueller Kultur und durch die Entwicklung mit der Pandemie gibt es jetzt da eine ganz neue Richtung. Mein Thema ist die kulturelle Repräsentation von Herztransplantation. Und jetzt habe ich angefangen, einen Film zu drehen. Ich dokumentiere meine Erfahrung als Herz-Transplantationsempfänger im Kontext von der Coronavirus-Pandemie. Bibo ist natürlich auch ein wichtiger Teil von dieser Produktion. Vor und hinter der Kamera.

Mein Hausarzt schickt jetzt meine Rezepte direkt an die Apotheke, und die liefern mir die Medikamente nach Hause. Das läuft alle acht Wochen hoffentlich. Aber es gab ein Problem mit der Lieferung von einem besonders wichtigen Medikament. Ohne dieses Medikament - Ciclosporin heißt das - kann ich nicht überleben. Es war nur eine Verspätung von ungefähr einer Woche. Ich hatte zum Glück früh genug bestellt, und das Problem war nicht so dringend.

Die Bank verhindert die Lebensmittelbestellung

Also: An Lebensmittel zu kommen, war am Anfang ein echtes Problem. Wir hatten da bereits einen Online-Shopping-Lieferungstermin, den wir ungefähr drei Wochen im Voraus gebucht hatten. Ich dachte: Na ja, bis dahin kommen wir ja auch aus, also mit Dosen oder Spaghetti oder was wir sonst noch so im Tiefkühlfach hatten. Allerdings war es dann so, dass meine Kreditkarte wegen Datenklau gesperrt worden ist. Visa hat uns leider nicht sofort benachrichtigt. Das heißt, die Zahlung an den Supermarkt, die normalerweise am Tag der Lieferung abgebucht wird, konnte dann nicht bezahlt werden. Und daraufhin hat ASDA, also der Supermarkt, dann einfach unsere ganze Lieferung komplett gecancelt. Und das hat uns wirklich in eine missliche Lage gebracht. Da wussten wir erst mal überhaupt nicht, wie sollen wir denn jetzt überhaupt an Essen kommen.

Zum Glück haben wir ein paar sehr nette Nachbarn, auf die wir dann auch wirklich sehr angewiesen waren. Die sind dann für uns ein paarmal einkaufen gegangen. Bis wir das dann geregelt hatten.

Radikal und aufrüttelnd

Ich habe mich in einer Performance künstlerisch mit Corona auseinandergesetzt, und das war eine ziemlich radikale Aktion, bei der ich mir meine langen blonden Haare abrasiert habe, die seit über 20 Jahren ein Teil von mir sind oder waren.

Das entstandene Kunstwerk ist ein Video mit dem Titel "A new Normal - Performance by Bibo Keeley". Zum einen spiegelt es wider, wie ich selber die Gefahr und die radikalen Maßnahmen erlebe, die getroffen werden, um die Bevölkerung zu schützen. Aber insbesondere will ich auch auf weiterreichende Aspekte hinweisen vor allem die vielen menschlichen Verluste.

Aufgezeichnet von Burkhard Birke

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur