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Nachspiel | Beitrag vom 24.05.2020

Corona und WassersportAnsegeln mit ausreichend Abstand

Von Regina Kusch

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Ein Segler bereitet sein Boot vor (imago images / Schleser)
Nun dürfen sie wieder auf das Wasser: Ein Segler bereitet sein Boot vor. (imago images / Schleser)

Wegen der Coronabeschränkungen waren Berlins Seen bisher recht leer: Segeln verboten. Selbst Reparaturarbeiten im Winterlager waren erst nicht erlaubt. Seit einiger Zeit dürfen die Boote wieder aufs Wasser.

Gut sechs Wochen haben die Mitglieder des Tegeler Segelclubs "Freia" auf diesen Moment gewartet. Eigentlich war das Ansegeln bereits für Anfang April geplant, doch wegen der strengen Coronaverordnungen blieb das Gelände geschlossen, die Besitzer durften nicht zu ihren Booten ins Winterlager.

Endlich ist der sehnlichst erwartete Kran gekommen. Die jüngeren Vereinsmitglieder, alle mit Mundschutz und Handschuhen, legen gemeinsam Gurte um ihre Jollenkreuzer und Yachten. Der Kran hebt sie auf einen Slip-Trailer, der auf Schienen ins Wasser rollt.

"Heute haben wir 22 größere Schiffe mit Hilfe eines Slip-Krans ins Wasser gebracht. Die kleineren Schiffe, die wir per Hand ins Wasser bringen können, schwimmen bereits."

Regatten finden nicht statt

Michael Wermke, Vorstandsmitglied des 1924 gegründeten "SC Freia", ist froh, dass die Segelsaison nun doch endlich starten kann, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen:

"Die größten Veränderungen werden schon sein, dass wir unser Vereinsleben nicht führen können, dass wir gar nicht wissen, ob wir im Sommer eine Mitgliederversammlung durchführen können, ob wir uns in größeren Gruppen überhaupt zusammenfinden dürfen. Es werden keine Regatten stattfinden vorläufig. Mit Blick auf die älteren Mitglieder ist die Sache, dass sie zurzeit nicht das Gelände betreten dürfen, eigentlich aus dem Vereinsleben ausgeschlossen sind."

Denn viele langjährige Mitglieder, die nicht mehr aktiv Segelsport betreiben, kommen trotzdem zum Kaffeeklatsch mit Seglerschnack ins Vereinshaus. Doch das bleibt, so bestimmt es die Coronaverordnung des Berliner Senats, aus Sicherheitsgründen erst einmal geschlossen, genauso wie die Umkleiden und die Sanitäranlagen.

Auf dem Boot muss der Abstand eingehalten werden

Gesegelt werden darf nur, wenn auf den Booten ein Sicherheitsabstand von anderthalb Metern eingehalten wird, was auf normalen Zweimann-Jollen kaum möglich ist. Nur Familienangehörige dürfen zusammen auf ein Boot oder Bundesliga-Segler mit Ausnahmegenehmigung.

Nana Rausch genießt das Segeln schon seit sechs Wochen. Ihr gehört eine leichte Einhandjolle, die sie alleine ins Wasser ziehen kann:

"Das Wasser war jetzt auch schon warm, einigermaßen. Es ist natürlich toll, den See so für sich allein zu haben. Das ist herrlich, man hat so viel Raum um einen herum, und es hat auch eine Stille. Es macht einfach total viel Spaß."

Zutrittkontrolle für Bootseigner

Im Rahmen der ersten Coronalockerungen war es bereits Ende April erlaubt, die Boote von einer gewerblichen Firma, die ihre eigenen Helfer mitbrachte, kranen zu lassen. Für diese Lösung hatte sich der Spandauer Yachtclub entschieden.

Vorsitzender Christian Ahrendt und Takelmeister Klaus Westendorff brachten so 60 Boote wieder an die Stege.

"Die Eigner hatten nur Zutritt zu dem Zeitpunkt, wo ihr Boot dran war. Deswegen hatten wir auch eine konsequente Zutrittskontrolle. Der Kassenwart hat dafür gesorgt, dass sich die Leute in die Liste eintragen und den zusätzlichen Obolus für die weiteren Helfer bezahlen."

"Und wir können sagen, dass das absolut reibungslos abgelaufen ist. Wir waren sogar in der Summe eine Stunde schneller, als wenn sehr viele Mitglieder sehr viele Meinungen haben, was dann immer behindert."

Ein kontaktarmer Sport

Von den mehr als 300 Mitgliedern des Spandauer Yachtclubs ist etwa ein Drittel über 60 Jahre alt, gehört also theoretisch der Risikogruppe an.

"Ich glaube, die fühlen sich alle nicht gefährdet, wenn sie auf ihrem Schiff sitzen, am Schiff malern, die Bilge putzen und Dinge machen, die man eigentlich gerne macht, wenn man sein Hobby betreibt. Wir sind hier alle an der frischen Luft. Segeln ist eine kontaktarme Sportart. Die gegenseitige Rücksichtnahme und der bewusste Umgang mit dem Coronavirus, danach verhalten sich bei uns im Verein die Menschen."

Das Sportboottraining, ein Schwerpunktangebot des Vereins, konnte nicht wie geplant im April beginnen. Auch die Trainingslager für Kinder und Jugendliche am Gardasee und in Frankreich mussten abgesagt werden. In einer Woche sollen die Opti-Trainings – "Optimisten" heißen die Anfängerjollen für Kinder und Jugendliche – wieder beginnen, wenn auch unter ungewohnten Bedingungen.

"Die Kinder müssen wirklich umgezogen hierher kommen, holen ihre Schiffe aus der Halle, fahren sie da rüber in die Slipbahn ins Wasser, gehen segeln mit ihrer Trainerin oder ihrem Trainer und müssen dann wieder wegfahren. Die Zeiten, wo sie denn hier auf dem Gelände noch Fußball gespielt haben oder baden gegangen sind, die sind natürlich zurzeit vorbei."

Im August, so hoffen alle, wird die Berliner Jugendmeisterschaft auf dem Großen Müggelsee stattfinden.

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