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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 19.11.2020

Corona-Spots der BundesregierungWie werden wir gewesen sein?

Von Christine Watty und Johannes Nichelmann

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Ein Screenshot vom Corona-Video der Bundesregierung unter dem Titel #besonderehelden- Zusammen gegen Corona - zeigt einen jungen Mann der zwischen zwei Computer-Monitoren an einem Schreibtisch im Unterhemd sitzt und mutmaßlich ein Computerspiel zockt. (Screenshot / Bundesregierung)
Wird er ein Held gewesen sein? Zumindest die Bundesregierung sieht das so. (Screenshot / Bundesregierung)

Werbespots der Bundesregierung stellen junge Menschen, die während der Pandemie zu Hause bleiben, als Helden der Zukunft dar. Wie werden wir eines Tages zurückschauen? Ein Gespräch mit dem Soziologen Harald Welzer.

Ein Thema der letzten Tage: die Diskussion um die satirischen Werbespots der Bundesregierung für die Anti-Corona-Maßnahmen. Gezeigt wird darin unter anderem ein älterer Herr, der aus einer unbestimmten Zukunft heraus auf die heutige Zeit zurückblickt. Eine Zeit, als er noch jung war.

"Wir taten, was damals von uns erwartet wurden: Nichts", schmunzelt der Mann, der auf diese Weise - wie seine Zeitgenossen auch - zu einem "besonderen" Helden wurde. Der Spot richte sich an eine zu enge Zielgruppe, so die Kritikerinnen und Kritiker, und das Verhalten der jungen Leute im Clip, die unter anderem Chips essen und Fernsehen gucken, sei gerade eben nicht heldenhaft.

Denken aus der Zukunftsperspektive

Dass ausgerechnet die deutsche Bundesregierung humorvoll an junge Menschen appelliert, bitte wirklich zu Hause zu bleiben, bekam dagegen international viel freundliches Feedback. Nicht zuletzt der kanadische Premier Justin Trudeau empfahl den inzwischen längst mit englischen Untertiteln versehenen Spot.

Das alles ist aber nur die Vorgeschichte. Wir lassen in unserem Kulturpodcast die Diskussionen um den Spot schnell außen vor, und wenden uns der Zukunftsperspektive zu, die der Spot einnimmt: Wie werden wir denn nun gewesen sein?

Gemeinsame Pandemie – vereinte Menschheit?

Dass die Pandemie weltweit alle in dem Wunsch vereint, die weitere Ausbreitung schnell zu beenden und alles gesund zu überstehen, führt noch längst nicht zu einer gemeinsamen Realität: Je nach Lebenssituation - von ökonomischen Bedingungen bis zum sozialen Umfeld – trennt die Menschheit das, was jeder und jede Einzelne gerade erlebt.

Eigentlich ist diesbezüglich also alles wie immer, nur wird es jetzt ganz klar sichtbar.

Aus der Gegenwart wird Vergangenheit

Alles, was jetzt passiert, wird aber im besten Fall auch irgendwann von irgendwem aus der Zukunft erzählt: Wer war denn wirklich heldenhaft? Hat sich die immer wieder abwägende Vorgehensweise mancher Regierungen bewährt? Wer hat überhaupt abgewogen und wer einfach alles Mögliche verpennt – und wer übertrieben?

Haben wir "Verantwortung" hingekriegt? Waren wir gute Menschen? Werden wir was gelernt haben? Wir wagen mit Harald Welzer den Blick in diese unbekannte Zukunft. Was sollte man aktuell beachten, wenn wir sie freundlich mitgestalten wollen? Und: Wer ist überhaupt dieses Wir – oder sollten wir das Wir vielleicht auch direkt streichen?

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