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Nachspiel | Beitrag vom 27.12.2020

Corona-SchnelltestsWie eine Surfhalle über Wasser gehalten wird

Von Fritz Schütte

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Ein Surfer reitet eine Welle im Wellenwerk Berlin. (Imago / F. Anthea Schaap)
Auf dem Parkplatz vor dem Berliner Wellenwerk werden jetzt Corona-Schnelltests durchgeführt. (Imago / F. Anthea Schaap)

Im Wellenwerk in Berlin kann eigentlich gesurft werden. Doch wegen Corona bleibt die Halle leer. Jetzt werden auf dem Parkplatz Corona-Schnelltests angeboten.

"Das ist unser Restaurant", erklärt Candy Nerlich. "Das haben wir nach dem ersten Lockdown eröffnet." Helles Holz und Panoramafenster mit Blick in die Surfhalle des Wellenwerks in Berlin. "Hier kommen normalerweise die Gäste rein, dann gehen die dort hinten in die Umkleidekabine. Hier wird dann gesurft."

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Sonst ist es hier ziemlich laut, sagt Gesellschafterin Nerlich. Turbinen erzeugen auf 8,5 Meter Breite eine stehende Welle. Jetzt sieht es aus wie ein riesiger friedlicher Swimmingpool. Es riecht nach Chlor.

"Damit das Wasser drinbleiben kann, muss auch Chlor drin sein und andere Chemikalien", erläutert Nerlich. "Ich mach mal ganz kurz die Pumpe an, damit das Wasser bewegt wird. Es darf natürlich nicht stehen."

Arbeit in der Zeit des Lockdowns

Das Wasser könnte man nicht ablassen, so die Gesellschafterin. Das wäre nicht sinnvoll. Denn: "Wir hoffen, am 10. bzw. am 11. Januar wieder zu öffnen."

Für die Zwischenzeit überlegten die Wellenwerker gemeinsam und fand: "Warum nicht das Gelände nutzen und zu einem Testwerk umzufunktionieren?"

Das Geschehen hat sich von drinnen nach draußen verlagert, vom Pool auf den Parkplatz. Die Wellenwerker haben einen Schnelltest-Drive-In eingerichtet.

"Die Tests kann man tatsächlich einfach kaufen", sagt Nerlich. "Wir haben medizinisches Personal, das die Tests nimmt. Für alles andere versuchen wir, unser Personal vom Wellenwerk einzuspannen, dass die auch wieder arbeiten können."

Wellenwerkerin Danielle ist – wie die meisten hier - momentan in Kurzarbeit. Im Schutzanzug mit Kunststoffvisier nimmt sie die Kunden in Empfang.

Ergebnis per E-Mail

"Du darfst vorfahren", sagt Danielle. "Ich fühle mich gut geschützt und ich mache auch hier noch mal einen Test, bevor ich nach Hause fahre. Hallo, einmal die Buchungsnummern bitte."

Ein paar Meter weiter stoppen die Autos das zweite Mal.

"Dort macht man nur das Fenster runter", erklärt Nerlich das Prozedere. "Dann kommt schon das medizinische Personal und nimmt einen Abstrich. Drinnen wird der Test dann ausgewertet und eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde später gibt es eine E-Mail mit dem Ergebnis."

29,90 Euro für den Test

Medizinstudentin Carlotta schiebt der Kundin ein Wattestäbchen bis an die Rachenwand in die Nase. "Das ist ein bisschen unangenehm, das muss ein bisschen in der Nase drin bleiben", sagt Carlotta. "Am besten normal weiter durch den Mund atmen. Am besten weiter nach vorne schauen. Genau."

"Um 12 Uhr fängt es an bis 20 Uhr. Pro Viertelstunde kommen zehn Leute. Aktuell sieht es so aus, als wären wir heute voll", berichtet Gesellschafterin Nerlich. 

29 Euro 90 kostet der Test. Gezahlt wird online. Hier soll alles schnell gehen.

Die Gründe der Menschen, die sich testen lassen, sind unterschiedlich: "Ich bin Reiserückkehrer. Ich brauch den Test beruflich, damit ich aus der Quarantäne wieder rauskomme." / "Ich besuche meine Eltern heute, und deswegen wollte ich auf Nummer sichergehen." / "Wir wollten verreisen und müssen dort einen Schnelltest vorlegen."

Nur symptomfrei zum Test

"Man darf nur symptomfrei zu uns kommen", sagt Nerlich vom Wellenwerk. "Alles andere wäre unseren Mitarbeitern gegenüber unverantwortlich."

Medizinstudentin Carlotta hat eine Einführung bekommen und Probe gearbeitet. Sie findet es gut, "dass man während des Studiums auch ein bisschen was machen und die Situation ein bisschen unterstützen kann."

"Jeder Tag kratzt an unserer Existenz", so Nerlich. "Aber wir sind immer noch optimistisch und hoffen natürlich, dass wir bald wieder aufmachen können, weil wir auch so eine tolle Community haben, die uns unterstützen."

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