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Interview | Beitrag vom 01.04.2021

Corona-Pandemie Vielstimmigkeit vor Ostern

Gerald Echterhoff im Gespräch mit Liane von BIllerbeck

Menschen genießen die Abendsonne auf der Alsterwiese Schwanenwik in Hamburg. (picture-alliance / dpa / Georg Wendt)
Keine Lust mehr auf Social Distancing? Angesichts des schönen Wetters treibt es viele Menschen hinaus, wie hier an der Alsterwiese in Hamburg. (picture-alliance / dpa / Georg Wendt)

Es gebe ein großes Spektrum widersprüchlicher Reaktionen, beschreibt der Psychologe Gerald Echterhoff die derzeitige Stimmungslage in Bezug auf die Corona-Maßnahmen. Er fordert eine klare und transparente Krisenkommunikation von der Politik.

Die Stimmungslage in der Bevölkerung ist vor Ostern sehr unterschiedlich. Die einen wünschen sich angesichts der steigenden Inzidenzwerte einen strengeren Lockdown, die anderen setzen auf mehr Coronatests und Lockerungen im Alltag.

"Das Infektionsgeschehen und die Pandemie sind ein komplexes und dynamisches Geschehen", sagt der Sozialpsychologe Gerald Echterhoff von der Universität Münster. Die Menschen erlebten, dass die Voraussagen nicht zuträfen und die Zukunftsperspektiven unklar seien. Man wisse nicht, ob die Pandemie nur noch wenige Wochen, Monate oder bis in das Jahr 2022 dauern werde.

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Deshalb empfänden die Menschen die Bedrohungslagen unterschiedlich. Es hänge von ihren Zielen ab, ob sie sich für Öffnungen aussprechen, ihrer Frustration Ausdruck verleihen oder eher zu Vorsicht und Wachsamkeit tendieren. "Wir haben gesellschaftlich jetzt ein großes Spektrum auch widersprüchlicher Reaktionen", so der Psychologie-Professor. 

Klare Krisenkommunikation nötig  

In der Krisenkommunikation der Politik sei es wichtig, für Klarheit und Transparenz zu sorgen, aber auch für Zuversicht, sagt Echterhoff. Das werde auch versucht. "Allerdings haben wir kein autokratisches System, das ganz zentral gesteuert die Krisenbewältigung kommuniziert, sondern große Vielstimmigkeit." Damit umzugehen, sei eine große Herausforderung.

Jeder könne im Alltag nur begrenzt Informationen verarbeiten, so Echterhoff. Wichtig sei aus psychologischer Sicht deshalb, dass man sich Situationen schaffe, in denen man reflektiert und systematisch die wissenschaftlichen Informationen zur Kenntnis nehme. "Wir haben viele Kanäle, so viele wie noch nie in Krisensituationen, um sich auch über die wissenschaftlichen Einsichten zu informieren."

(gem) 
 

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