Donnerstag, 29.10.2020
 

Kulturnachrichten

Mittwoch, 17. Juni 2020

Corona beschleunigt Digitalisierung der Kirche

Die evangelische Kirche in Deutschland hat ein positives Fazit ihrer digitalen Aktivitäten in der Corona-Krise, in der keine gewohnten Gottesdienste möglich waren, gezogen. Laut einer Studie wurde ein Digitalisierungsschub ausgelöst. Demnach erreichten die digitalen Formate der teilnehmenden Gemeinden rund 6,5 Millionen Nutzer. 81 Prozent der knapp 900 befragten Gemeinden haben während des Lockdowns digitale Gottesdienste und vor allem Andachten angeboten, die meisten von ihnen (78 Prozent) erstmals. Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer (72 Prozent) wollen die digitalen Formate auch nach der Krise fortführen. Es sei damit zu rechnen, dass es in Zukunft häufiger sogenannt hybride Gottesdienstformate geben werde, die sowohl analog als auch digital mitgefeiert werden könnten, heißt es. Der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, sagte, der Gottesdienst sei spürbar facettenreicher geworden. Allerdings könnten die digitalen Feiern nicht die Präsenzgottesdienste ersetzen, so Bedford-Strohm.

Praemium Imperiale wird verschoben

Wegen der Corona-Pandemie fällt die Vergabe des Kultur-Preises Praemium Imperiale in diesem Jahr aus. Die aktuellen Preisträger sollen nun ein Jahr später im September 2021 verkündet werden. Das teilten die Veranstalter mit. Die traditionell in Tokio von der Japan Art Association ausgerichtete Verleihung wird auf den Oktober des kommenden Jahres verschoben. Die Vorjahres-Preisträgerin Anne-Sophie Mutter sagte, sie unterstütze die konsequente Haltung der Veranstalter. Niemand dürfe gefährdet werden. Sie freue sich auf die Bekanntgabe der nächsten Preisträger, so die Violinistin.

Ministerpräsidenten für erhöhten Rundfunkbeitrag

Die Ministerpräsidenten geben grünes Licht für die Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 86 Cent. Bei ihrer Sitzung in Berlin machten damit alle 16 Bundesländer den Weg frei für die noch nötigen Abstimmungen in den Landtagen. Damit der Staatsvertrag für die Erhöhung in Kraft treten kann, muss das Gesetz von allen Länderchefs und allen Länderparlamenten ratifiziert werden. Die Anhebung des Rundfunkbeitrags von 17,50 Euro auf 18,36 Euro könnte dann zum Januar 2021 in Kraft treten. Der Rundfunkbeitrag würde damit seit 2009 erstmals wieder steigen. Die Erhöhung ist eine Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF). Ob alle Landesparlamente zustimmen, ist ungewiss.

Auer und Król gewinnen Deutschen Fernsehpreis

Die Schauspielerin Barbara Auer und ihr Kollege Joachim Król sind mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte damit ihre Leistungen im ZDF-Dreiteiler "Preis der Freiheit", einem Drama über die Wendejahre in der DDR. Die ZDF-Produktion wurde auch als "Bester Mehrteiler" ausgezeichnet. Ursprünglich war die Bekanntgabe der Gewinner als große Publikumsgala in Köln geplant gewesen. Wegen der Corona-Pandemie wurde sie allerdings abgesagt. Mehrere deutsche Fernsehsender wurden für ihre Berichterstattung über die Pandemie mit einem Sonderpreis geehrt. Die Jury zeichnete die verantwortlichen Journalisten von ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Sat.1 und n-tv aus. Man verstehe die Auszeichnung ausdrücklich als Verpflichtung zu Qualitätsjournalismus und als Ermutigung für verantwortungsbewusste Journalistinnen und Journalisten, sagte Jury-Vorsitzender Wolf Bauer.

PEN fordert Freilassung von Autor Ahmed Mansoor

Die Autorenvereinigung PEN hat den in den Vereinigten Arabischen Emiraten inhaftierten Blogger und Dichter Ahmed Mansoor als Ehrenmitglied aufgenommen. Mansoor sei 2017 zu zehn Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet rund 240.000 Euro verurteilt worden, teilte das deutsche PEN-Zentrum mit. Er habe kein Bett und keinen Zugang zu Wasser. Sein Gesundheitszustand habe sich stark verschlechtert. Das PEN-Zentrum fordert die Bundesregierung auf, sich für die sofortige Freilassung des Autors einzusetzen. Mansoor zähle "zu den wenigen unabhängigen Stimmen, die öffentlich die Menschenrechtsverletzungen im Land angeprangert haben". Die Vereinigten Arabischen Emirate werfen dem Blogger laut PEN Beleidigung und Rufschädigung des Landes sowie Verbreitung von Falschinformationen vor.

70 Jahre Taschenbuch in der Bundesrepublik

Die Taschenbücher feiern heute ihren 70. Geburtstag in Deutschland. Mit Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?" startete der Rowohlt-Verlag 1950 als erster das damals neuartige Format der Massenproduktion. Ab sofort gab es Weltliteratur zum Preis von 1,50 D-Mark. Zeitgleich erschienen „Am Abgrund des Lebens" von Graham Greene, „Das Dschungelbuch" von Rudyard Kipling und „Schloß Gripsholm" von Kurt Tucholsky. Jedes Buch startete mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren. Die Taschenbuchproduktion setzte sich nach und nach in den meisten deutschen Verlagen durch und blieb bis heute ein beliebtes Format.

Beirat für Mahnmal kommunistischer Gewalt gegründet

Zum 67. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 hat der Beirat zum Mahnmal für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft seine Arbeit aufgenommen. Das hat die Pressestelle von Kulturstaatsministerin Monika Grütters mitgeteilt. Der Beirat werde die Erstellung eines Konzeptes für das Mahnmal begleiten. Daran seien die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft beteiligt. Laut Monika Grütters soll das Mahnmal an die Menschen erinnern, die Opfer des Kommunismus, von Diktatur, von Willkür und Gewalt geworden sind. Dem Beirat gehören Zeitzeugen sowie Vertreter von Wissenschaft und Politik an. Er soll erste Eckpunkte für ein inhaltliches Konzept erarbeiten. Über die Kosten und den Standort für das Mahnmal wird der Bundestag entscheiden. Anschließend wird der Gestaltungswettbewerb ausgelobt.

Friedenspreis des Buchhandels für Amartya Sen

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020 geht an den indischen Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen Amartya Sen. Das gab die Jury heute in Frankfurt am Main bekannt. Der 86-Jährige habe sich seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandergesetzt und seine Arbeiten zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Gesundheit seien heute so relevant wie nie zuvor, begründete der Stiftungsrat seine Entscheidung. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wird traditionell am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Brief von Van Gogh und Gauguin versteigert

Ein gemeinsamer Brief der Künstler Vincent Van Gogh und Paul Gauguin von 1888 ist in Paris für 210.600 Euro versteigert worden. Der Brief, der im Auktionshaus Drouot unter den Hammer kam, befasst sich mit den regelmäßigen Bordell-Besuchen der beiden Post-Impressionisten - und mit ihrer Bewunderung füreinander. Van Gogh und Gauguin verfassten den Brief an den Künstler Emile Bernard. Beide betonen darin ihren Anspruch, die moderne Kunst zu erneuern. Es sei eine "gewaltige Renaissance" der Kunst im Gange, schreibt Van Gogh im November 1888, zwei Jahre vor seinem Tod im Alter von nur 37 Jahren.

Corona-Grenzzaun kommt ins Museum

Wegen der Corona-Pandemie war auch die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz wochenlang geschlossen - zwischen Konstanz und Kreuzlingen am Bodensee besonders deutlich sichtbar mit einem provisorischen Zaun. Nun kommt dieser Grenzzaun in die Sammlung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg. Direktorin Paula Lutum-Lenger nahm ihn vom Konstanzer Landrat Zeno Danner in der Straßenmeisterei Radolfzell in Empfang, wo er seit seinem Abbau am 15. Mai eingelagert war. Der Zaun symbolisiert trotz seiner trennenden Funktion die Verbundenheit von Schweizern und Deutschen. Anwohner hatten aus Absperrband in die Streben das Kunstwort "Kreuztanz" eingewebt - aus Kreuzlingen und Konstanz. Auf ein anderes Zaunstück montierten sie das Bild einer geöffneten Tür.

Humboldt Forum hält an Eröffnung im Dezember fest

Das Humboldt Forum in Berlin hält an einer ersten Teileröffnung noch in diesem Jahr fest. Das vor allem im Fassadenbereich rekonstruierte Stadtschloss werde baulich bis Ende 2020 fertig, teilte das Humboldt Forum nach einer Sitzung des Stiftungsrats mit. Die bereits mehrfach verschobene und zuletzt für September geplante erste Eröffnung war wegen coronabedingter Verzögerungen bei den Arbeiten abgesagt worden. In den vergangenen Wochen und Monaten seien die Bauarbeiten in den Erdgeschossbereichen innen wie außen gut vorangekommen, hieß es. Auch in den Ausstellungsbereichen der Museen im zweiten und dritten Obergeschoss gehe der Aufbau der komplexen Vitrinenstrukturen gut voran. Das Humboldt Forum soll in drei Schritten bis Herbst 2021 komplett zugänglich sein.

Hannover und Gotha sind Bibliotheken des Jahres

Der Preis "Bibliothek des Jahres" geht in diesem Jahr nach Hannover und nach Gotha. Das teilten der Deutsche Bibliotheks-Verband und die Deutsche Telekom Stiftung mit. In Hannover wird die "TIB - Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitäts-Bibliothek" ausgezeichnet - unter anderem für die Arbeit in Bereich der digitalen Langzeit-Archivierung. Zum ersten Mal wird die Auszeichnung in kleinen Kommunen und Regionen verliehen - an die Stadtbibliothek in Gotha in Thüringen. Sie zeichne sich durch ihre hervorragende, auf sehr unterschiedliche Zielgruppen abgestimmte Bildungs- und Medienarbeit aus, heißt es. Dazu gehören demnach eine Kinder-Uni, eine Seniorenakademie und Erzählcafés.

Kritik an Entwurf zur Umgestaltung von Nazi-Denkmal

Ein Entwurf zur Umgestaltung eines Düsseldorfer Platzes mit Soldatendenkmal von 1939 erntete Kritik von prominenten Künstler*innen. Die Kunstkommission der Stadt Düsseldorf entschied sich in einem Wettbewerb für eine 50 Meter lange, begehbare Rampe, die das Kriegsdenkmal überragen soll. Gegen diese Entscheidung wehrten sich Künstler*innen wie Günther Becker, Gerhard Richter, Katharina Sieverding sowie die Schriftstellerin Ingrid Bachér. In einem Schreiben an den Düsseldorfer Stadtrat beklagten sie die "Hybris der Dominanz" des Siegerentwurfs. Der Wettbewerb sollte Ideen für eine pointierte und kritische Kommentierung des umstrittenen Denkmals hervorbringen. Dieses "39er Denkmal" wird von der Forschung vor allem als ein Dokument der nationalsozialistischen Erinnerungskultur gesehen.

Kulturstiftung des Bundes fördert mit 14,6 Millionen Euro

Die Kulturstiftung des Bundes will 14,6 Millionen Euro in Programme und Projekte stecken. Dazu gehört etwa ein "Jupiter" genanntes Programm zur Stärkung des Kinder- und Jugendtheaters. Mit 3,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2026 sollen innovative Produktionen, internationale Vernetzung, Austausch und Kooperation sowie Interesse am Kinder- und Jugendtheater gefördert werden, wie die Stiftung mitteilte. In Städten und Regionen ohne Häuser mit eigenen festen Theater- oder Tanzensembles sollen weitere 20 Gastspielkooperationen unterstützt werden. Dafür stellt die Stiftung 2,8 Millionen Euro bereit. Die künstlerische Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Ländern und Deutschland will die Stiftung bis 2024 mit vier Millionen Euro fördern. Für 29 weitere Projekte stehen 4,1 Millionen Euro bereit. Der alle drei Jahre an wechselnden Orten stattfindende Tanzkongress wird 2022 in Mainz ausgetragen.

Forschung ist Emotionen im Drama auf der Spur

Ein Algorithmus, der Emotionen in Dramentexten analysieren kann: Daran arbeitet eine Würzburger Literaturwissenschaftlerin mit Medieninformatikern aus Regensburg. 620.000 Euro Fördergelder bekommt das Projekt dafür von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In den kommenden drei Jahren wollen die WissenschaftlerInnen ergründen, wie Emotionen wie Angst, Leid, Freude und Liebe in verschiedenen Dramen auftauchen. Der Schwerpunkt dieser Untersuchung liegt auf Tragödien, Komödien und Opern aus dem 17. Jahrhundert. Die Projektleiterin Katrin Dennerlein wies auf kulturelle und historische Besonderheiten hin, die es bei der Arbeit zu beachten gelte. So sei etwas das Wort "blöd" im 18. Jahrhundert nicht negativ, sondern neutral verwendet worden um eine Person als "nicht gebildet" oder "einfach" zu bezeichnen.

Auch Baftas werden verschoben

Die British Academy Film Awards im nächsten Jahr sind um zwei Monate nach hinten verlegt worden. Das teilten die Organisatoren der Auszeichnungen mit. Die Entscheidung kam nach der Mitteilung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und des Senders ABC, dass die Oscars 2021 von Februar auf April verschoben werden. Grund seien die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Filmindustrie. Die British Academy teilte mit, die Preisverleihung werde am 11. April abgehalten und nicht wie zuvor angekündigt am 14. Februar. Die Akademie änderte auch die Regeln für die Teilnahme, damit Filme mit verkürzter Vorführungszeit im Kino oder einer Veröffentlichung nur im Internet ebenfalls berücksichtigt werden können. Kinos in Großbritannien sind seit dem 20. März wegen der Ausgangsbeschränkungen zur Bekämpfung des neue Coronavirus geschlossen. Wegen der Corona-Krise wurden Filmstarts auf Eis gelegt und wichtige Festivals gestrichen.

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