Samstag, 08.08.2020
 

Interview | Beitrag vom 18.05.2020

Corona auf SchlachthöfenArbeitsschutzdumping auf Kosten von Mensch und Tier

Anne-Monika Spallek im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Schweine in einem Schlachthof, die in einer Reihe von der Decke hängen. (picture alliance/agrar-press)
Dicht an dicht: Auf Schlachthöfen werden offenbar Vorsichtsmaßnahmen missachtet, das Coronavirus kann sich dadurch leicht ausbreiten. (picture alliance/agrar-press)

In der deutschen Fleischindustrie herrschen teils menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Viel zu enge Unterkünfte begünstigen die Ausbreitung des Coronavirus. Anne-Monika Spallek von den Grünen fordert ein Verbot von ausbeuterischen Werkverträgen.

Jetzt ist Corona auch in der Fleischindustrie in Niedersachsen angekommen. Nach mehreren Fällen in anderen Bundesländern musste gestern ein Fleischbetrieb in Dissen im Landkreis Osnabrück den Betrieb einstellen. 92 Mitarbeiter haben sich mit Corona infiziert.

Unter den Betroffenen sind zahlreiche Arbeiter, hauptsächlich aus Osteuropa. Sie sind bei Subunternehmen angestellt. Zum Teil leben sie in engen Sammelunterkünften, zum Teil wurden diese Werkvertragsarbeiter auch zwischen verschiedenen Betrieben hin- und herverlegt.

Wegen des Preis- und Lohndumpings werden offenbar Vorsichtsmaßnahmen beim Arbeitsschutz missachtet. Dies sei ein Skandal, findet die nordrhein-westfälische Grünen-Politikerin Anne-Monika Spallek. In ihrem Landkreis Coesfeld gab es die ersten Coronafälle in einem Fleischbetrieb. In dieser Branche mit Werkverträgen zu arbeiten, müsse so schnell wie möglich verboten werden, sagt die Expertin für Tierschutz und Landwirtschaft.

Werkverträge verbieten

Brauchen wir also dringend höhere Preise für Fleisch? "Wir brauchen vor allem faire Preise", sagt Spallek. "In dem Sinne, dass die Sozialstandards eingehalten werden." Es dürfe nicht auf Kosten der Menschen und nicht auf Kosten der Tiere gewirtschaftet werden.

Doch genau das geschehe auch in Niedersachsen: Zu viele Arbeiter würden in den renovierungsbedürftigen Häusern untergebracht – und in engen Kleinbussen zur Arbeit gebracht. Damit werde regelmäßig gegen alle Vorschriften verstoßen, das müsse unterbunden werden.

(mkn)

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