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Interview | Beitrag vom 16.10.2020

Computerspielen als Sportart400 Anschläge pro Minute

Hans Jagnow im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ein Mann spielt Computer. (picture alliance/ dpa-tmn / Zacharie Scheurer)
"Auch im Motorsport geht es darum, sich in einen Sessel zu setzen und mit präzisen Bewegungen eine Maschine zu steuern", sagt Hans Jagnow. (picture alliance/ dpa-tmn / Zacharie Scheurer)

Macht süchtig und lebensunfähig: Entgegen von Vorurteilen wollen einige Bundesländer den E-Sport fördern und als gemeinnützig anerkennen. Viel unterscheide ihn nicht vom Motorsport, meint Hans Jagnow, Präsident des Deutschen E-Sport-Bundes.

Während in Shanghai die E-Sport-Weltmeisterschaft in dem Computerspiel "League of Legends" läuft und das deutsche Team im Viertelfinale steht, diskutieren immer mehr Landesparlamente darüber, E-Sport zu fördern. Sie wollen sich auf Bundesebene dafür einsetzen, E-Sport als gemeinnützig anzuerkennen – wie andere Sportarten auch.

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Für Hans Jagnow eine gute Entwicklung. Er ist Präsident des E-Sport-Bundes Deutschland. Die Brache begeistere Millionen von Menschen, gerade in der Coronakrise. Drei Kriterien seien dafür ausschlaggebend, wer beim E-Sport vorne liege, meint Jagnow: die "meisterhafte Bedienung der Eingabegeräte", schnelle Reaktionen und die Taktik und Strategiekenntnisse des jeweiligen Spiels.

"Die Hochleistungsspielerinnen und -spieler schaffen bis zu 400 Tastenanschläge pro Minute. Das ist deutlich über dem, was wir im Zehnfinger-Schreibsystem im Sekretariat kennen. Das ist also eine Höchstleistung, die da erbracht wird – auch auf körperlicher Ebene", sagt Jagnow.

"Altbackene Argumente"

"Auch im Motorsport geht es darum, sich in einen Sessel zu setzen und mit präzisen Bewegungen eine Maschine zu steuern", vergleicht Jagnow. Sport sei eben mehr als Fußball und die klassischen olympischen Sportarten.

Die Bedenken, der E-Sport sei eine Einstiegsdroge für Jungs, die irgendwann nur noch zocken würden, wie sie etwa der Kriminologe Christian Pfeiffer äußert, hält Jagnow für nicht angemessen: "Wer seit 20 Jahren etwas ohne Evidenz behauptet, macht das Argument nicht richtiger, das macht es nur altbacken."

Die Suche nach dem "geordneten Rahmen"

Einer solchen Spielsucht im E-Sport würde auch die Struktur und Organisation in Vereinen entgegenstehen. Dort könnte man in einem betreuten Rahmen spielen und die eigene Persönlichkeit entwickeln, sagt Jagnow.

Natürlich müsse man zum E-Sport auch Ausgleichssport betreiben, um sich genug zu bewegen. Doch junge Menschen würden Videospiele spielen, "egal ob wir sagen, das ist gut oder das ist schlecht", so Jagnow. Es sei wichtig, das Spielen "in einen geordneten Rahmen zu bringen" und gemeinsam einen "vernunftbasierten Umgang" zu finden.

(sed)

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