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Kompressor | Beitrag vom 11.06.2020

Comic ohne FestivalsChance für eine Selbstreflexion der Comicszene?

Johanna Maierski im Gespräch mit Massimo Maio

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Eine Wand bemalt mit Comicfiguren, ein Mann fotografiert sie. (Internationaler Comic-Salon Erlangen/Georg Pöhlein)
Das vielleicht wichtigste Comicfestival in Deutschland, der Comicsalon Erlangen, muss 2020 coronabedingt ausfallen. (Internationaler Comic-Salon Erlangen/Georg Pöhlein)

Heute wäre der Comicsalon Erlangen gestartet – derzeit wird ein Comicfestival nach dem anderen abgesagt. Die Verlegerin Johanna Maierski konstatiert ökonomische Probleme, sieht aber im Internet auch eine Chance für mehr Diversität.

Auf keinem Festival unterwegs sein können, nehme vor allem kleinen Verlagen die Sichtbarkeit, sagt Johanna Maierski, Verlegerin von "Colorama". Der ökonomische Aspekt treffe die Verlage stark. Durch die Coronakrise sind bisher viele Comic-Festivals abgesagt worden, so auch der Comicsalon Erlangen, der eigentlich heute begonnen hätte.

"Die andere Sache, die wegfällt, ist natürlich der Austausch", so die Verlegerin weiter. Gerade das Vernetzen zwischen Zeichnern und Verlagen würde fehlen.

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Auf der anderen Seite würden durch das Wegfallen der Festivals neue digitale Projekte und Plattformen entstehen. "Es ist ganz toll zu beobachten, wie es globale Dörfer gibt in der Comicszene", sagt Johanna Maierski.

Eroberung des digitalen Raums

Die Comicwelt verschiebe sich mehr ins Netz. "Ich hab' das Gefühl, die Comicszene war schon immer sehr solidarisch, denn niemand wird als Comiczeichner reich", sagt Johanna Maierski. Deswegen unterstütze man sich, mache sich gegenseitig sichtbar.

"Comic hat die Tradition, außerinstitutionell Gemeinschaften zu bilden. Und ich finde, dass man merkt, dass Festivals, die früher sehr die großen Stimmen betont haben, jetzt auch langsam merken, man muss die leiseren mitziehen. Ob dass jetzt mehr Frauen sind, die man einlädt oder mehr PoC oder Zeichner, die keine traditionelle Ausbildung haben", so Maierski.

Diversität ist möglich

Das Problem in Deutschland sei, dass es oftmals einen sehr traditionellen Weg der Ausbildung über Hochschulen gebe, die "sehr wenig diverses Lehrpersonal" hätten.

Johanna Maierski sieht nun eine Chance der Reflexion, wie man außerhalb alter Strukturen wie Festivals und Kunsthochschulen Zeichner und Zeichnerinnen zusammenbringen und fördern könnte. Größere Diversität sei möglich, man müsse nur aktiver nach Zeichnern suchen, "die man nicht auf den ersten Blick gleich findet".

(nho)

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