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Kompressor | Beitrag vom 23.06.2020

Comedians in den USADie Welt lässt sich nicht mehr schönlachen

Martin Schlesinger im Gespräch mit Timo Grampes

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Comedian Trevor Noah in einem seiner Videos für die sozialen Medien. (Youtube/The Daily Show with Trevor Noah)
Rassismus und Polizeigewalt beschäftigen auch den Comedian Trevor Noah, den Host der "Daily Show". (Youtube/The Daily Show with Trevor Noah)

Der Ton von TV-Comedians wie Trevor Noah oder John Oliver ist ernster und noch politischer geworden. Sie seien auf der "Flucht nach vorne" und verweigerten ihrem Publikum die "komische Entlastung", sagt der Medienwissenschaftler Martin Schlesinger.

Trevor Noah, der Host der "Daily Show", klingt in diesen Tagen sehr ernst, wenn er aus dem Homeoffice Videos für die sozialen Netze macht: Die Kamera auf sich gerichtet, beginnt er zu reden. Noah spricht nach dem Tod von George Floyd von einem "gebrochenen Gesellschaftsvertrag", er analysiert, wie verschiedene "Dominosteine" zu den massiven Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt haben.

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"Man kann ihm da gewissermaßen beim Nachdenken zuschauen", sagt Martin Schlesinger, Medienwissenschaftler und Comedy-Autor. "Das hat wenig mit Comedy zu tun, sondern ist ein sehr ernster Kommentar."

Es ist nicht das erste Mal, dass Comedians auf dramatische Ereignisse reagieren. Nach dem 11. September oder nach Amokläufen hätten Comedians schon einmal eine Humorpause eingelegt, sagt Schlesinger. Rassismus und Klassenkampf seien jedoch ein "tiefsitzendes systematisches Problem, das nicht so einfach verschwinden wird." Die Konflikte würden heute zudem durch die Coronakrise verstärkt.

Comedy ohne "Comic Relief"

Auch Donald Trump könne man sich "durch die besten Gags nicht mehr schönlachen". Die zahreichen Handyvideos würden zudem die "systematische Polizeigewalt auf eine ganz neue Weise zeigen". Den Comedians bleibe jetzt nur "die Flucht nach vorne": "Man kann auf jeden Fall eine zunehmende Politisierung bei Comedians beobachten."

Auch die Sendung von John Oliver habe sich etwas verändert. John Oliver hat zum Beispiel eine 30-Minuten-Sendung zu institutionellem Rassismus gemacht und das letzte Wort der wütenden Schwarzen Autorin Kimberly Jones überlassen.

Oliver spreche zwar, anders als Noah, weiterhin in einem ausgeschriebenen Monolog in die Kamera, aber er wirkt – auch wegen des fehlendes Publikums – "ernster, wütender". Er verweigere den Zuschauern den "Comic Relief", also die komische Entlastung zum Schluss: "Das hinterlässt eben ein Gefühl: Da möchte man eher weinen als lachen nachher", sagt Schlesinger.

(sed)

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