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Tonart | Beitrag vom 12.01.2021

Comeback von The KLFDie Antihelden der Musikindustrie

Oliver Schwesig im Gespräch mit Andreas Müller

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Bill Drumond und Jimmy Cauty stehen in der geöffneten Tür eines Polizeiautos, das in einer Naturlandschaft steht, und blicken ernst ins Off. (picture alliance / PYMCA/Photoshot/Laurence Watson)
Subversive Kunst oder Dada-Popkultur? In den 90ern legten Bill Drummond und Jimmy Cauty die Mechanismen der Musikindustrie offen. (picture alliance / PYMCA/Photoshot/Laurence Watson)

Das britische Dancefloor-Duo The KLF stand in den 90ern für Clubkultur und Subversion. Mit Aufsehen erregenden Aktionen zwischen Kunst und Pop sorgte es für Irritationen. Jetzt ist es wieder da - und erneut gibt es einen waghalsigen Plan.

In den 90er-Jahren machte das britische Projekt The KLF von Bill Drummond und Jimmy Cauty nicht nur mit mitreißenden Dancefloor-Tracks und aufwendigen Musikvideos von sich reden, sondern vor allem auch mit spektakulären Kunstaktionen.

So verbrannten die beiden Musiker auf einer schottischen Insel eine Million britische Pfund – bis heute hat die Band ihre an dadaistische Kunst erinnernde Aktion nicht näher erläutert. Immerhin eine Videoaufnahme gibt es.

Zwischen Clubkultur und subversiver Aktion

Daneben stehen ihre großen Rave-Klassiker, die den Sound der 90er-Jahre prägten: "3 a.m Eternal", "What time is love" oder "Justified & Ancient".

Nach einer subversiven Aktion bei den Brit Awards – die Band trat mit der Punkband Extreme Noise Terror auf, während Bill Drummond vorgab, mit einem Maschinengewehr ins Publikum zu schießen – löste sich die Band 1992 auf, löschte ihren Back-Katalog und verwahrte das Material sorgsam weggeschlossen.

Die Band öffnet ihr Archiv

Bis jetzt – überraschend melden sich The KLF zurück: Unter dem Titel "Solid State Logik 1" sind einige KLF Singles bei Streamingdiensten wie Youtube oder Spotify zu finden. Und es soll weitere Reissues geben.

"Ein spätes Festessen für die Fans der ersten Stunde", sagt dazu Musikjournalist Oliver Schwesig. Ob es auch Wiederveröffentlichungen auf physischen Medien oder vielleicht sogar ganz neue Musik geben werde, sei derzeit allerdings noch offen.

Nonsense mit Plan

Diese Verschwiegenheit passe zur Band: Drummond und Cauty mögen zwar eingängige Musik fabriziert haben, verorteten ihre Arbeit aber stets im Kunstkontext. "The KLF hat das Musikbusiness vorgeführt – den Kommerz, die Scheinheiligkeit."

Dazu gehörte auch ein nach Auflösung der Band veröffentlichtes Buch, in dem die Band versprach, sämtliche Regeln offenzulegen, die man befolgen muss, um garantiert an die Spitze der Charts zu kommen.

"Was immer sie gemacht haben, das war für mich eine Mischung aus Nonsense, bisschen Bürgerschreck, aber auch ziemlich klugen Ideen", sagt Schwesig. Hinter den zahlreichen, vermeintlich absurden Aktionen habe immer ein durchdachter Plan gestanden – und damit stehe das Projekt ziemlich einzigartig in der Geschichte der Popmusik da.

Als nächstes bauen sie eine Pyramide

Zum Comeback des Projekts gibt es nun auch einen Dokumentarfilm: "Welcome to the Dark Ages", mit dem The KLF erneut eine dadaistische Aktion planen. Demnach solle jeder Fan bei der Band einen Ziegelstein erwerben, in dem sich ein Loch befinde. In dieses Loch solle nach dem Ableben die eigenen Asche eingefüllt werden. Kommen auf diese Weise 34.000 Ziegelsteine zusammen, würde die Band daraus eine große Pyramide bauen, die auch seit jeher das Logo der Band ist.

Schwesig sieht darin auch eine Aktion, die zum Nachdenken über den Tod und die Sterblichkeit anrege. "So richtig toll" sei der Film allerdings doch nicht geraten, meint der Musikkritiker – nicht zuletzt, weil der Film auch handwerkliche deutliche Schwächen hat.

Hoffen auf das verlorene Album

Einen magischen Moment weist die Doku allerdings doch auf: An einer Stelle öffnen die Musiker den Container, in dem sie ihr Archiv eingelagert haben.

Darin kommen Unmengen an Studiobändern zum Vorschein. Und diese nähren immerhin die Hoffnung, dass die Band ihr bislang unveröffentlicht gebliebenes Album "The Black Room" von 1992 eines Tages vielleicht doch noch veröffentlichen, meint Schwesig.

(thg)

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