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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.09.2016

"Comeback" an der Staatsoper BerlinMit nicht nachlassendem Sog

Von Uwe Friedrich

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Plakat zum 1929/30 gedrehten Film "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich und Emil Jannings (dpa / picture alliance / Nestor Bachmann)
Plakat zum 1929/30 gedrehten Film "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich und Emil Jannings (dpa / picture alliance / Nestor Bachmann)

Oscar Strasnoy erzählt in "Comeback" an der Staatsoper Berlin die Geschichten der Schauspieler Tilla Durieux und Emil Jannings, deren beider Karrieren durch das Dritte Reich eingeschränkt wurden: Durieux floh vor den Nazis, Jannings blieb in Berlin, doch wurde hinterher mit einem Auftrittsverbot belegt. Eine gelungene Inszenierung, die das Publikum mit lang anhaltendem Applaus belohnte.

Ein diffuses Heimweh nach einer Zeit, die es nie gegeben hat, bestimmt die Gedanken der Schauspielerin Tilla Durieux. Damit spielt der Librettist Christoph Hein auf Mascha Kalékos "Emigranten-Monolog" an, denn auch Tilla Durieux floh vor den Nationalsozialisten und konnte ihren Beruf 19 Jahre lang nicht ausüben. Nach ihrer Rückkehr trat sie zwar wieder in Berlin auf, musste jedoch feststellen, dass niemand auf die Emigrantin gewartet hatte.

Ihr gegenübergestellt ist in Oscar Strasnoys Kammeroper "Comeback" der Schauspieler Emil Jannings. Er blieb auch während der Diktatur in Deutschland und wurde nach dem Krieg mit einem Auftrittsverbot belegt. Den Vorschlag, sich einem Entnazifizierungsverfahren zu unterwerfen, wirft der Bühnen-Jannings schroff zurück, schließlich habe er ja alles gewusst, er müsste ja lügen, um sich als Mitläufer eingruppieren zu lassen. Dieser Stolz macht die Bühnenfigur des alternden Schauspielers ebenso faszinierend wie gruselig, auch sonst legt Christoph Hein ihm einige Selbstverliebtheiten in den Mund.

Voller Anspielungen auf Musik der 30er-Jahre

Seine Tilla Durieux ist stärker rückwärtsgewandt, melancholischer, reflektierter. Der Regisseur Ingo Kerkhoff lässt nur ihren Oberkörper aus dem Bühnenboden herausragen, sie redet sich wie Winnie in Samuel Becketts "Glückliche Tage" die Vergangenheit schön. Die ältere Tilla wird gespiegelt von einem jüngeren Alter Ego, um die beiden Schauspieler sind weitere Nebenfiguren gruppiert. Oscar Strasnoy schrieb ein Konversationsstück für zehn Orchestermusiker und sechs Solisten voller Anspielungen auf Musik der dreißiger Jahre, auf Varietéklänge und mit trocken-sarkastischem Witz.

Vor allem der Bassbariton Ralf Lukas fasziniert als zusammensackendes Kraftpaket Emil Jannings, der manchmal vor seiner eigenen Monstrosität zu erschrecken scheint. Die ältere Tilla von Maria Husmann harmoniert wunderbar mit der jüngeren der Josephine Renelt, der Countertenor Johannes Euler singt einen forsch-neugierigen Neffen, der dem Onkel unbequeme Fragen stellt.

Die rhythmisch vertrackte Partitur wird von Max Renne kompetent zusammengehalten und entwickelt einen nie nachlassenden Sog. Das eng eingepferchte Publikum in der Werkstatt des Schillertheaters dankte mit lang anhaltendem Applaus.

 

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