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Kompressor | Beitrag vom 07.02.2018

"Colorism" im PopWie ihre Hautfarbe Beyoncés Karriere beeinflusste

Dominique Haensell im Gespräch mit Timo Grampes

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Jay Z und Beyoncé Singer bei der Costume Institute Gala Benefit im Metropolitan Museum of Art in New York, Mai 2015 (dpa / picture alliance / Hubert Boesl)
Eines der Glamour-Paare der amerikanischen Gesellschaft: Beyoncé und ihr Mann Jay Z auf einer Benefiz-Gala in New York. (dpa / picture alliance / Hubert Boesl)

Wäre Beyoncé erfolgreicher, wenn sie eine hellere Hautfarbe hätte? Ganz sicher, meint ihr Vater. Das ist höchst spekulativ, entgegnet die Kulturwissenschaftlerin Dominique Haensell im Interview – doch es gebe Indizien dafür, dass er nicht ganz falsch damit liegt.

Beyoncé hätte weniger Erfolg, wenn sie eine dunklere Hautfarbe hätte – das behauptet ihr Vater Matthew Knowles in Interviews zu seinem kürzlich erschienenen Buch "Racism From the Eyes of a Child". Seine These klingt auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar: Beyoncé ist ein Superstar in dieser Zeit – und es ist rein spekulativ, darüber nachzudenken, ob sie vielleicht weniger erfolgreich gewesen wäre, wenn sie dunklere Hautfarbe gehabt hätte. Die Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Dominique Haensell sagt dazu:

"Natürlich ist das nur eine These: Aber es gibt schon allerhand Indizien dafür, dass an dieser Annahme etwas dran ist."

Kurzer Taumel in der "Post Race Era" 

Es gäbe einfach keine dunkelhäutigen Stars von ihrem Kaliber und ihre Kolleginnen von Destiny's Child – die Band, in der Beyoncé ihre Karriere begann – können nach dem Aus der Kombo keine vergleichbaren Erfolge nachweisen. "Ich erkläre mir das so, dass in den USA vor einigen Jahren die sogenannte 'post race era' ausgerufen wurde" – eine etwas vorschnelle Annahme im Taumel der Wahl von Barack Obama, dass es in den USA keinen Rassismus mehr gebe, erklärt Haensell.

"Ich glaube, es ist kein Wunder, dass Beyoncé gerade zu dieser Zeit unheimlich erfolgreich geworden ist."

Ihr 'multiethnischer Look' könne viele Menschen gleichzeitig abholen, glaubte man damals. 

Doch nicht nur in der Pop-Welt gebe es dieses weiße Schönheitsideal, sagt Haensell. Und wenn das innerhalb der schwarzen Community internalisiert werde, äußere sich das im sogenannten "Colorism":

"Es macht sich dort bemerkbar, wo innerhalb einer nicht-weißen Gruppe anhand von Hauttönen hierarchisch differenziert wird." 

Sichtbar wird das auch bei den weltweit erhältlichen Cremes und Tinkturen, die die Haut bleichen – schwer gesundheitsschädigende Stoffe kommen da zum Einsatz, in manchen Ländern sind sie deshalb auch verboten. Haensell sagt dazu:

"Das ist ein globales Phänomen und die Ursprünge liegen natürlich im Kolonialismus: Der hat dieses Schönheitsideal und das dazugehörige Machtgefälle in alle Ecken der Erde transportiert. Und heute machen das eben die Medien." 

Weil es in Deutschland aber eine viel kleinere schwarze Community gibt, sei das nicht so ein sichtbares Phänomen, aber greifbar sei es trotzdem. 

(inh)

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