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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 19.12.2013

ClubromanOberlippenbärte und schneller Sex

Oscar Coop-Phane: "Bonjour Berlin"

Besprochen von Gerrit Bartels

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Außenansicht des Clubs Berghain in Berlin (Promo)
Der Club Berghain in Berlin-Friedrichshain im Morgengrauen (Promo)

Einen Blick auf das hippe und nächtliche Berlin wirft dieser Szeneroman aus der Feder eines Franzosen. Oscar Coop-Phane erzählt von drei Männern, die dem Reiz des Bohème-Lebens und der Flucht in die Drogen erliegen. Dreh- und Angelpunkt ihrer Welt ist der Club Berghain.

Das Berghain, Berlins vielleicht weltberühmtester Club, der Überclub schlechthin, ist spätestens mit Helene Hegemanns Roman „Axolotl Roadkill“ zum Schauplatz in der Literatur geworden. „Strobo-Technoprosa aus dem Berghain“ hieß das Buch von einem gewissen Airen, das Hegemann seinerzeit mit den bekannten Folgen - Plagiatsdebatte und so weiter - inspiriert hatte.

Und ob es nun ein Thomas Meinecke ist, der sich am Sonntagmorgen den Wecker stellt, um den Club zu besuchen, ein David Wagner, der einmal durch das ehemalige Heizkraftwerk in der Nähe des Ostbahnhofs promeniert, oder andere Autoren, die Berliner Club- und Szeneromane oder Feuilletons schreiben: Das Berghain ist literarisch so gut vermessen, dass man es bestens kennen kann, ohne jemals dagewesen zu sein.

Was bislang fehlte: der Blick von außen, von den Menschen, die nicht zuletzt das Berghain und überhaupt viele Berliner Clubs füllen – von den ausländischen Szenetouristen. Diesen Blick liefert jetzt der 1988 geborene Franzose Oscar Coop-Phane mit seinem Roman „Bonjour Berlin“.

Der in Paris lebende Schriftsteller war ein Jahr lang in Berlin und erzählt nun von drei jungen Männern, Franz, Armand und Tobias, die sich im Berliner Nacht- und Clubleben befreunden und verlieren. Immer im Wechsel schildert er zunächst, wie es den Dreien in Paris (Tobias, Armand) und in Hannover und Lübeck (Franz) ergeht, bevor sie in Berlin landen: Drogen spielen bei allen bereits früh eine lebensbegleitende Rolle.

Berlin ist für sie dann die Stadt „für gewisse Lebenslagen“, ein Fest fürs Leben. Hier spürt man das „tosende Europa“, „das Durcheinander der verschiedenen Sprachen“, den Reiz des Bohéme-Lebens, das sich hier besser als anderswo führen lässt: „Diese Künstler sind zwar nicht künstlerisch aktiv, aber egal, sie leben in den Tag hinein, ziehen von einer Bleibe zur nächsten und sammeln ihre Möbel von der Straße auf.“

Eingeweihte und jede Menge Touristen

Und das In-den-Tag-Hineinleben ist das eine - das andere das Nachtleben: Drei Kapitel von „Bonjour Berlin“ sind mit dem Namen von Clubs überschrieben. Neben dem Berghain (und der sich hier ebenfalls befindlichen Panorama Bar) sind es die an der Spree gelegene Bar 25, die mindestens so berühmt ist wie das Berghain, aber nicht mehr existiert, und das Golden Gate, das mit seiner Lage unter dem S-Bahnbogen an der Jannowitzbrücke mehr ein Club für Eingeweihte ist, nichtsdestotrotz viele Touristen anzieht.

Coop-Phanes Blick auf die Läden ist nun nicht besonders außergewöhnlich: „Viel Leder und jede Menge Oberlippenbärte“ entdecken seine Protagonisten im Berghain; oder eine „überschaubare Szene“ und „eine Partygemeinde, Gleichgesinnte, die mit vollem Einsatz dabei sind und ordentlich auf den Putz hauen“ im Golden Gate. Trotzdem illustriert das Geschehen in den Clubs mit ihren vielen „Druffis“ schön Lebensgefühl und Lebensweise seiner Protagonisten: Drogen, schneller Sex, der Suche nach der einen großen Liebe, der immerwährende und stetig erfolglose Versuch, auszusteigen.

Nicht zuletzt gibt es bei Armand, dem mutmaßlichen Alter ego von Oscar Coop-Phane, das Bestreben, „ein wirklicher“ Künstler zu sein, ein Maler, der am Ende des Romans eine Art Entwicklung durchgemacht hat und erkennt: „Ich muss meine eigene Zeit besser einfangen, weil meine Bilder  hier und jetzt entstehen, und deswegen sollen sie auch meine Epoche widerspiegeln.“

Dem Schriftsteller Coop-Phane ist das mit seinem Roman leidlich gelungen, sieht man von der einen oder anderen Redundanz und einer gewissen stilistischen Schlichtheit ab. „Bonjour Berlin“ muss man nicht gleich zum Generationsroman erklären, zur „Entdeckung des Jahres“ gar, wie der französische Kollege Frédéric Beigbeder altväterlich meint. Aber das Dokument eines Berliner Lifestyles, eines von Neu- und Gelegenheitsberlinern geprägten Lifestyles ist es allemal.

 

Oscar Coop-Phane: Bonjour Berlinn
Aus dem Französischen von Christian Kolb
Metrolit Verlag, Berlin 2013
204 Seiten, 18, 50 Euro

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