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Lesart / Archiv | Beitrag vom 28.12.2017

Climate FictionDer Klimawandel ganz realistisch in Romanen

Martin Zähringer im Gespräch mit Frank Meyer

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Der Klimawandel ist in der Sahelzone deutlich spürbar (dpa / Bothma)
Der Klimawandel ist in der Sahelzone deutlich spürbar (dpa / Bothma)

Inspiriert von neuerer wissenschaftlicher Forschung, schreiben derzeit vor allem US-Autoren fiktionale Texte, in denen der Klimawandel eine zentrale Rolle einnimmt. Der Journalist Martin Zähringer hält viele von diesen "CliFi"-Bücher für realistische Romane.

Der Klimawandel ist in der Literatur angekommen. Allerdings werde man im Buchhandel das Regal mit der Rubrik "Climate Fiction" wohl nicht finden, meint der Journalist und Kenner des Genres, Martin Zähringer, im Deutschlandfunk Kultur. Das Genre gelte als nicht besonders marktgängig.

"Climate Fiction" oder "CliFi" ist dennoch ein Stichwort, das im vergangenen Jahr verstärkt in den Feuilletons und in der literaturkritischen Diskussion auftauchte - zum Beispiel im Zusammenhang mit Omar El Akkads vielbeachteten Roman "American War". Der kanadische Autor entwirft darin unter anderem ein Zukunftsszenario, in dem ein strenges CO2-Verbot in den USA zu einem neuen Bürgerkrieg führt.

Ökologische Themen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Muster aus dem Science-Fiction-Genre kommen in Climate-Fiction-Romanen zusammen und verbinden sich zu einer neuen Art von Literatur, die beides will: Engagement und starkes, realistisches Erzählen. 

"Was früher Science-Fiction-Fantasy war, ist heute schon fast der realistische Roman"

Inspiriert seien die Autoren von neuerer Forschung. So sei der Klimawandel in den USA in den "environmental humanities" seit etwa zehn Jahren Teil der Geisteswissenschaften. Erkenntnisse des Fachs würden in Creative-Writing-Kursen aufgenommen und würden so zu Literatur.

Zudem werde in Zusammenhang mit "Climate Fiction" viel über die "Petro-Kultur", die Kultur der Erdöl-Ausbeutung, diskutiert. "Dieses permanente Ausplündern - das Erdöl umwandeln in CO2 und in die Atmosphäre jagen - das steht in der Kritik", so Zähringer.

Die Autoren, die den Klimawandel zum Thema machen und Climate-Fiction-Romane schreiben, seien über die Sachlage sehr gut informiert, sagte Zähringer – anders als im literarischen Science Fiction seien die Werke durchaus realistisch. Man könnte von "Science-Fiction-Reality" sprechen, sagte Zähringer. "Und man könnte auch sagen, was früher Science-Fiction-Fantasy war, ist heute schon fast der realistische Roman."

Diese drei Romane stellt Martin Zähringer vor:

Omar El Akkad: American War
S. Fischer Verlag 2017
448 Seiten, 24 Euro

Dieser Autor verlegt seine Geschichte in die nähere Zukunft ab 2074. Die Südstaaten erheben sich gegen das CO2-Verbot der Nordstaaten.

Claire Watkins: Gold Ruhm Zitrus
Ullstein Verlag 2016
416 Seiten, 24 Euro

Die Autorin verlegt ihre Geschichte in eine nicht näher definierte Zukunft in Kalifornien, die Erderwärmung ist fortgeschritten. Es herrscht absoluter Wassermangel, der Staat ist zerfallen. Die Situation erzwingt eine Handlung, das ist die Flucht. Diese endet bei einer mystischen Düne, die alles überwuchert. Die Düne ist ein CliFi-Fetisch, das Motiv der undefinierbaren Gefahr.

Kim Stanley Robinson: Green Earth
Del Rey 2015,
1088 Seiten, 15.40 US-Dollar

Der Roman Green Earth ist eine Zusammenfassung der Klimatrilogie Science in the Capital, letzter Band 2005. Der Anstieg des Meeres ist weit fortgeschritten, Washington ist meterhoch überflutet. Der Roman entwickelt Problemlösungen von Wissenschaft und Politik, reale Lösungen.

(Deutsche Übersetzungen einiger Bücher von Kim Stanley Robinson sind im Münchner Heyne-Verlag erschienen.)

(huc)

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