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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 22.04.2018

Claudio Monteverdis Achtes Madrigalbuch"Es sind die Gegensätze, die unser Gemüt aufs heftigste bewegen."

Gast: Silke Leopold, Musikwissenschaftlerin; Moderation: Ulrike Timm

Portrait von Claudio Monteverdi (1567-1643) (imago / Leemage)
Priester und Pionier: Claudio Monteverdi, überragender Komponist zwischen Renaissance und Barock (imago / Leemage)

Liebe und Krieg statt Liturgie und Kirche: Im 17. Jahrhundert entdeckte die Musik den Menschen. Ausgerechnet ein älterer Geistlicher wurde dabei zum Vordenker – Claudio Monteverdi.

Madrigale über Krieg und Liebe – oder, im barock ausschweifenden italienischen Original: "Madrigali guerrieri et amorosi con alcuni opuscoli in genere rappresentativo che saranno per brevi episodi fra I canti senza gesto. Libro ottavo". So der Titel des Achten Madrigalbuchs von Claudio Monteverdi. Es erschien 1638, gewidmet wurde es dem habsburgischen Kaiser Ferdinand III., obwohl der Inhalt dieser umfangreichen und heterogenen Sammlung aus heutiger Sicht nicht eben staatstragend anmutet. Monteverdi schrieb eine Musik voller Konflikte und krasser Gegensätze; eine Musik, die keine höheren Ordnungen als gottgegeben besingt, sondern die den Menschen als leidenschaftliches, in durchaus irdische Dinge verstricktes Wesen zeigt.

Im Zeitmaß der Seele

Ein Jahr zuvor, 1637, war an Monteverdis Wirkungsstätte Venedig das erste öffentliche Opernhaus der Musikgeschichte eröffnet worden. Der erregte, wortbetonte Gestus des frühen Musikdramas beherrscht auch Monteverdis Madrigale, die oft wie Miniaturopern wirken und machmal tatsächlich aus auskomponierten Szenen bestehen. Etwa der bereits 1624 geschriebene, dann im Achten Madrigalbuch gedruckte "Combattimento di Tancredi e Clorinda" nach Torquato Tasso. Oder das "Lamento della Ninfa", für dessen Aufführung Monteverdi außergewöhnliche Vorstellungen hatte: Die Rahmenhandlung soll im "tempo della mano" wiedergegeben werden, also in einem exakten, mit der Hand geschlagenen Takt. Die Klage aber, das eigentliche Lamento, soll im "tempo dell'affetto dell'animo", dem "Zeitmaß der seelischen Befindlichkeit" dargeboten werden. Die treffende Übersetzung dieser epochal bedeutsamen Vortragsbezeichnung stammt aus der Feder von Silke Leopold: Die Musikwissenschaftlerin ist eine Koryphäe in der Erforschung der Barockoper und hat Claudio Monteverdi jüngst eine anschauliche Biografie gewidmet.

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