Dienstag, 16.10.2018
 

Im Gespräch | Beitrag vom 18.09.2018

Claudia Langer, Gründerin der Generationen Stiftung"Gehen Sie auf die Straße!"

Moderation: Britta Bürger

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Claudia Langer (privat / Claudia Casagrande)
Claudia Langer (privat / Claudia Casagrande)

"Vergessen Sie Online-Petitionen. Gehen Sie auf die Straße!" lautet eine der Empfehlungen der Aktivistin Claudia Langer. Politische Gestaltung dürfe man nicht denen überlassen, die Angst verbreiten, begründet sie ihr Engagement.

Claudia Langers Beruf: Weltverbesserin. Sie gründete die Internetplattform Utopia.de und die Generationen Stiftung. Früher glaubte sie, durch Selbstkasteiung werde die Welt besser. Heute sagt sie: "Ich genieße mein Leben in vollen Zügen, und dazu gehört auch die eine oder andere Sünde."

Klimawandel, vermüllte Meere oder unsichere Renten – Claudia Langer scheut sich nicht, Missstände zu benennen. "Ich finde, dass wir  – ich bin 53 – und unsere Elterngeneration, die wir nichts Besonderes geleistet haben, dass wir in den letzten Jahren in Rekordgeschwindigkeit sehr viel kaputt gemacht haben und im Prinzip den Generationenvertrag aufgekündigt haben", sagt die Mutter dreier Kinder. Sie gehört zu der ersten Generation, die meint, ihre Kinder würden es später schlechter haben. "Das ist total verrückt, aber niemand von uns entnimmt dem eine Handlungsaufforderung."

Sie will den Jungen eine Stimme geben

Claudia Langer schon, sie gründete daher die Generationen Stiftung, die sich als Lobby der kommenden Generationen versteht. "Wir versuchen den jungen Leuten eine Stimme zu geben, nicht: die Alten sagen wieder den Jungen, wie es zu laufen hat. Sondern die Alten geben den Jungen alles an Hilfe und Unterstützung, was sie brauchen, um selber aktiv zu werden."

Und aktiv werden sollten viel mehr Menschen: "Vergessen Sie Online-Petitionen. Gehen Sie auf die Straße!" Und sie wünscht sich, dass alle im Freundeskreis diskutieren und sich einbringen, "denn wir dürfen die Politik und die politische Gestaltung nicht denen, die Angst verbreiten, überlassen."

Claudia Langer wuchs in München-Neuperlach auf, Vater Pfarrer, Mutter Therapeutin. Dass die Starken den Schwachen helfen müssten, sog sie mit der Muttermilch auf. "Dafür wurde unendlich viel demonstriert. Ich habe meine Mutter – ich darf dieses Wort gar nicht sagen – aber ich hab sie wirklich manchmal zum Mond gewünscht. Jeden Samstag, über lange Zeit."

Irgendwann reichte es ihr. Aus Protest gründete sie eine Werbeagentur; ihre Eltern waren total verzweifelt, etwas Schlimmeres hätte sie ihnen nicht antun können. "Ich hab gedacht: 'Jetzt muss 'mal ein bisschen Spaß sein, wenn die Welt eh schon untergeht.' Das war damals mein fester Glaube: Wenn ich 40 bin, dass es dann keine Zukunft mehr gibt. Aber dann bin ich überrascht mit 40 aufgewacht und hab gemerkt, wie schön alles ist."

Durch Selbstkasteiung die Welt verändern?

Bis das schlechte Gewissen sie einholte. Die Folge: ihre Internetplattform Utopia.de mit Ökoprodukten für den gehobenen Mittelstand. Damals glaubte sie noch daran, dass die Verbraucher etwas ausrichten könnten. "Meine Idee war, dass wir durch Selbstkasteiung die Welt verändern können. Wir können sie marginal – um Promille – besser machen."

Obwohl sie selbst Unternehmerin sei, glaube sie an staatliche Regulierung. Trotzdem verhalte sie sich "gut", wenn auch mit Einschränkungen: "Ich genieße mein Leben in vollen Zügen, und dazu gehört auch die eine oder andere Sünde." Die Plattform ist mittlerweile verkauft, nun engagiert sie sich für die Generationengerechtigkeit.

Denkt Claudia Langer nicht manchmal, sie möchte etwas ganz anderes machen? - "Jede Woche!" Claudia Langer wünscht sich acht Enkel und träumt von einem Feinkostladen. "Weil ich mir vorstelle, dass ich da überall mit dem Löffel in die Lade greifen kann."

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