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Lesart | Beitrag vom 02.06.2020

Christine Paxmann: "Olaf Hajeks Buch der Blumen"Faszinierend schöne Welt der Pflanzen

Von Kim Kindermann

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Buchcover von Christine Paxmanns "Olaf Hajeks Buch der Blumen". (Prestel)
Olaf Hajeks magische Illustrationen von Heilpflanzen sind vielen Erwachsenen bekannt - jetzt können sie auch Kinder entdecken. (Prestel)

Der bekannte Berliner Maler Olaf Hajek hat ein großartiges Kunst-Sachbuch über Blumen und Heilpflanzen geschaffen. Eigentlich ist es für Kinder ab acht Jahren gedacht. Doch der Zauber dieses Buches wirkt weit über dieses Alter hinaus.

Es gibt einfach Bücher, die glücklich machen: "Olaf Hajeks Buch der Blumen" ist so eins! Von berauschender Schönheit erzählt es für Kinder ab acht Jahren die kleine Kulturgeschichte von jeweils siebzehn unterschiedlichen Blumen und Heilpflanzen - und entführt so in fremde Länder, in blühende Wiesen und strahlende Gärten. Ein Fest der Sinne!

Betörend schöne Bilder

Das liegt zum einen natürlich an den betörend schönen Bildern von Olaf Hajek selbst. Wer den Künstler kennt, weiß um seine große Kraft, in der er farbgewaltig und fantasievoll großartige Bilder malt. Bilder, von denen er selbst sagt, sie wären eine Mischung aus Folk Art, Renaissancemalerei und Märchenillustration.

Da ist zum Beispiel das Bild zur Passionsblume. Um den hoch hinaufragenden Zylinder eines edelgekleideten Mannes mit Monokel rankt sich diese Pflanze, die ursprünglich aus den tropischen Zonen Ozeaniens stammt, mit ihren weiß-lilafarbenen Blüten und ihren gelben Blütenstempeln und sattrotem Blütengrund. Neben den Blüten hängen auch Früchte an den Ranken: prächtige Maracujas. Umflattert wird die Passionsblume von bunten Kolibris, die ihren Saft aufsaugen, und von Schmetterlingen. Gemalt vor grünblauen Hintergrund stechen die Blüten umso mehr ins Auge.

Siebzehn Blumen und Heilpflanzen

Insekten und vor allem Vögel finden sich in fast allen der 17 Bilder, die man sich am liebsten an die Wand hängen möchte: Eine riesige Meise etwa trägt eine buntgekleidete feenhafte Frau, die eine zarte Glockenblume auf dem Kopf in weite Höhen trägt. Neben dem Ingwer mit seinen schilfartigen Blättern und seinen fetten Wurzelknollen steht ein stolzer Fischreiher, der ebenso wie die auf dem Bild zu sehende Inderin im wallenden Sari auf einem Bein steht. Und neben der sperrigen Mariendistel mit ihren lilafarbenen Blütenkopf und dem stacheligen Stängel hockt ein Wiedehopf – dessen Kopffedern wunderbar steil in die Luft ragen.

Kurzweilige Kulturgeschichten

Jedes Bild ist so fein, so detailliert, dass man das Gefühlt hat, die Blumen würden direkt aus ihnen herauswachsen – der Betrachterin, dem Betrachter entgegen. Genauso wie die Texte von Christine Paxmann. Sie sind kleine Kulturgeschichten der jeweiligen Blume. Erzählen etwas über ihre Herkunft, ihr Aussehen und vor allem über ihre Heilwirkung. So dienen die Samenkapseln der Mohnpflanze zur Herstellung von Schmerzmitteln, die der Pfingstrose helfen bei Zahnweh und Ingwer ist gut zur Behandlung von Bauchschmerzen, Husten und Gliederschmerzen.

Kleine Denkmäler

Jeder dieser Texte ist eine Seite lang – und wie die Bilder setzen auch sie den Pflanzen ein kleines Denkmal. Denn obwohl grundsätzliches erklärt wird, mäandern sie wunderbar von einem Thema zum anderen und geben so tolle Einblicke in für Kinder unbekannte Fakten: wer Hildegard von Bingen oder Christoph Kolumbus waren, wozu Klostergärten dienten und welche der Blumen zu welcher Zeit besonders beliebt war.

Diesem Buch kann man sich wirklich kaum entziehen, blättert vor und zurück, taucht ein in die Bilder und Texte und verweilt - hier wurde wirklich alles richtig gemacht. Glückwunsch!

Christine Paxmann: "Olaf Hajeks Buch der Blumen"
Prestel Verlag, München 2020
40 Seiten, 22 Euro

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