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Lesart / Archiv | Beitrag vom 29.03.2017

Christina Weiss über BücherGrimmsches Wörterbuch in der Küche

Christina Weiss im Gespräch mit Frank Meyer

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Die ehemalige Kultur-Staatsministerin Christina Weiss, 2012. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Von 2002 bis 2005 war Christina Weiss Kulturstaatsministerin, heute lehrt sie Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlands. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Man muss sich die Wohnung der früheren Kulturstaatsministerin Christina Weiss so vorstellen: Bücher über Bücher - und dazwischen Zeitungen. Die Literaturprofessorin über geistigen Frühjahrsputz, Badewannenliteratur - und das Buch, das bei ihr einen Ehrenplatz innehat.

In Regalen, auf dem Schreibtisch, auf dem Boden und auf Stühlen: Christina Weiss lagert Bücher überall. Meist lese sie in ihrer "Bücherhöhle", umgeben von ihren Lieblingsbüchern, am Schreibtisch sitzend, "natürlich mit dem Bleistift in der Hand". Allerdings habe sie einmal auch die Kategorie "Badewannenliteratur" eingeführt: "Ich lese in der Badewanne sehr viel sehr lange - inzwischen auch schon mit dem Bleistift in der Hand."

Ein Ordnungsprinzip gebe es bei ihr nicht wirklich, zumindest kein streng alphabetisches: Es sei "ein Chaosproblem", entstanden durch mehrere Umzüge: "Ich habe alphabetische Blöcke - zumindest für die Belletristik. Die Umzugsleute haben zwar die Blöcke eingehalten, aber das Alphabet nicht. So steht dann halt K neben M. Und S neben B. Es ist schon sehr speziell - und ich glaube, ich bin die Einzige, die sich wirklich durchfindet."

Immer wieder neue kleine Bibliotheken

Frühjahrsputz bedeutet für sie: "das neue Thema". Soll heißen:

"Wenn ich mich mit einem Thema befassen muss oder will, dann wird die Bibliothek lebendig. Ich suche nach Büchern, ich erinnere mich manchmal nicht ganz genau: Habe ich das zu Hause oder nicht? Dann gehe ich an den Regalen entlang, und dann wird umsortiert und dann geht auch der Staub wieder weg - und dann stelle ich mir immer wieder neue kleine Bibliotheken zusammen zu einem Thema. Das ist eigentlich immer wieder der geistige Frühjahrsputz." 

Es gebe gerade noch einen Raum in der Wohnung, der nicht voller Bücher sei: das Esszimmer. Obwohl: Auch auf dem Esstisch lägen Bücher - und dazwischen Zeitungen. Und in der Küche sei das Grimmsche Wörterbuch.

Einen besonderen Bücherschatz bewahrt Weiss seit Jahrzehnten auf: ihr erstes Kinderbuch - "vollkommen abgegriffen, schmutzig  vollgekritzelt". Es sei ein kleines Buch mit Kinderreimen: "Das steht nun tatsächlich auf einem Sonderplatz im Schlafzimmer."

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