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Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.02.2019

Christian-Dior-Ausstellung in LondonAlles Haute Couture

Von Marten Hahn

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Der französische Modeschöpfer Christian Dior mit seinen Models 1950. (dpa - Report / New York Times)
Der französische Modeschöpfer Christian Dior mit seinen Models 1950. (dpa - Report / New York Times)

Christian Dior erfand in den Nachkriegsjahren den "New Look" und eine weltweit erfolgreiche Marke. Und weil der Designer stets eine Vorliebe für alles Britische pflegte, widmet ihm das Victoria & Albert Museum in London jetzt eine opulente Ausstellung.

Eine Besucherin steigt vor den Türen des Victoria and Albert Museum noch schnell aus ihren schwarzen Ballerinas und schlüpft in knallrote Stilettos. Erst dann gesellt sie sich zum Rest der Journalisten im Museum. Ist das die Macht von Christian Dior? 

Oriole Cullen hat die neue Ausstellung über den berühmten französischen Designer kuratiert: "Das Ganze hat schon etwas Glamouröses. Es ist großartig, durch die Räume zu laufen und all diese wirklich wunderschönen Kleider zu sehen."

Die Geschichte von Mann und Marke

"Christian Dior – Designer of Dreams" erzählt die Geschichte des Mannes und der Marke. Die Ausstellung versammelt unzählige Kreationen Diors und der Designer, die nach seinem Tod 1957 die Leitung des Modehauses übernahmen.

Voluminöse Röcke, die an die Kuppeln von Paris erinnern. Bunt bestickte barocke Ballkleider. Und blumenhafte Entwürfe aus Seide und Federn. Alles Haute Couture. Alles von Hand gefertigt. Dazu finden sich hier Skizzen, Fotos und Videos aus den vergangenen 70 Jahren des Mode-Imperiums.

Oriole Cullen: "Dior ist nicht nur so wichtig, weil er die Mode revolutioniert hat, sondern auch wegen seines Geschäftsmodells. Schon sehr früh hat er über die weltweite Marke nachgedacht. Er reiste nach Australien und Japan, um dort Deals mit großen Kaufhäusern zu machen. Und er eröffnete Filialen in Städten wie Caracas, New York und London."

Romantischer Blick auf Großbritannien

Einen ganzen Raum widmet das Museum der Beziehung Diors zu Großbritannien. Der Designer ließ Teile seiner Kollektionen hier produzieren und pflegte gute Beziehungen zum Königshaus. Im Zentrum des Raums steht ein Seidenkleid, dass Dior für die 21-jährige Princess Margaret entwarf.

Kuratorin Cullen glaubt, Diors Faszination begann bereits in dessen Kindheit: "Er hatte einen sehr romantischen Blick auf das Vereinigte Königreich. Er wuchs in der Normandie in Nordfrankreich auf. Die beiden Länder trennte nur der Kanal. Seine Mutter hatte einen englischen Garten. Später sprach er davon, wie sehr er englische Frauen in Tweed und ihren Ballkleidern liebte. Und die Aristokratie und das Königshaus faszinierten ihn."

Museumsdirektor Tristram Hunt erklärt Diors Liebe für die Briten in seiner Eröffnungsrede dann gleich zum Ausstellungsschwerpunkt. Er zitiert den Designer mit den Worten:

"'Es gibt kein Land, neben meinem eigenen, dessen Lebensweise ich so sehr mag. Ich liebe englische Traditionen, englische Höflichkeit, englische Architektur. Ich liebe sogar die englische Küche' – und das sagte Dior in den 1950ern."

Eskapismus im Museum

In Zeiten der chaotischen Brexit-Verhandlungen wirkt eine solche Message schon fast trotzig: Immerhin Christian Dior liebt uns. Ist das beabsichtigt?

"Einige Leute haben gesagt, die Show ist eine nette Pause von der Schwere des Brexit und der Welt da draußen. Sie können hierher kommen und sich verlieren, in einer etwas positiveren Zeit. Die 1950er waren für alle, die das Trauma des Kriegs erlebt hatten, ein Jahrzehnt, in dem man nach vorn geschaut hat", sagt Oriole Cullen.

Und so verlässt man "Christian Dior – Designer of Dreams" mit zwei Gedanken: dass Dior dank eines ausgeklügelten Geschäftsmodells auch Jahrzehnte nach dem Tod seines Gründers so relevant ist, wie nur wenige traditionelle Modemarken. Und dass in Zeiten politischer Ungewissheit auch Museen zu Orten des Eskapismus werden können.

Info:
"Christian Dior – Designer of Dreams"
Ausstellung im Victoria & Albert Museum London
bis zum 14. Juli 2019

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