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Konzert / Archiv | Beitrag vom 14.07.2021

Christa Ludwig Die Herrlichste, die Beste

Mit Carola Malter

Christa Ludwig steht lächelnd in einem schwarzen Abendkleid und grauen Locken auf einer Bühne bei der Verleihung des MIDEM Classical Awards 2008. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Lionel Cironneau)
Die Mezzosopranistin Christa Ludwig verabschiedete sich 1994 mit einer großen Tournee von der Bühne. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Lionel Cironneau)

Christa Ludwig war eine grandiose Opernsängerin. Als Carmen, Marschallin oder Kundry berührte sie das Publikum auf der ganzen Welt. Ein wiederentdecktes Konzert von 1967 zeigt nun, wie großartig sie auch darin war, romantische Lieder zu interpretieren.

"She is simply the best and the best of possible human being": Kritik und Publikum lagen Christa Ludwig gleichermaßen zu Füßen.

Riesiges Rollenrepertoire

Ungezählte Momente des Glücks hat sie den Opernfans als Marschallin, Cherubino, Leonore, Brangäne, Färberin oder auch als Carmen geschenkt. Mit ihrem unvergleichlichen Timbre, ihrem wunderbaren Legato "lebte" sie ihre Rollen.

Ein halbes Jahrhundert stand die Mezzosopranistin auf allen Bühnen dieser Welt und feierte Triumphe, als Opernsängerin und als Lied- wie Konzertsängerin. Am 24. April 2021 starb Christa Ludwig im Alter von 93 Jahren. 

Ein Leben für die Bühne

"Sie wurde auf der Bühne verloren", sagte Christa Ludwig über sich selbst. 1928 in Berlin geboren, war ihr Vater Opernintendant und ihre Mutter eine gefeierte Altistin. Die Bühne war ihr "Spielplatz".

Schwarz-weiß-Foto von Christa Ludwig, die mit ihren modisch kurz geschnittenen, schwarzen Haaren und hellem Pailettenkleid 1966 auf der Bühne beim Prager Frühlings-Festival steht. (imago / CTK Photo)Christa Ludwig beschreibt in ihrer Autobiografie "Leicht muss man sein. Erinnerungen an die Zukunft" ihren Lebensweg. (imago / CTK Photo)

Sie war acht, als sie ihre Mutter als Elektra erlebte. Als diese dann die Marzelline sang, studierte Christa Ludwig zu Hause am Klavier die Rolle anhand der Partitur ein. Da war sie gerade einmal zehn Jahre alt.

Dass sie als Sängerin überaus begabt war, stand wohl keinen Moment außer Frage. Ersten Unterricht erhielt Christa Ludwig von ihrer Mutter, die für sie die einzige Lehrerin blieb - ein Leben lang.

Drei prägende Dirigenten 

1956 debütiert Christa Ludwig als Orlofsyk in Frankfurt. Danach ging sie über Darmstadt, Hannover und Hamburg nach Wien an die Staatsoper, deren Ensemblemitglied sie bis zu ihrem Bühnenabschied 1994 blieb. Sie wurde die große Mozart- und Strauss-Interpretin.

Christa Ludwig hält anklagend eine dicke Kette in den Händen. (picture-alliance / dpa)Christa Ludwig als Leonore in Beethovens Oper "Fidelio" zum 50. Jahrestag der Eröffnung der Charlottenburger Oper in Berlin am 7. November 1962. (picture-alliance / dpa)

1959 debütiert sie an der MET in New York. Zu den wichtigen Dirigenten zählte die Mezzosopranistin Karl Böhm, Herbert von Karajan und Leonard Bernstein.

"Von Karajan", sagte sie, habe sie "die Schönheit der Phrasierung" gelernt, von Bernstein die "Tiefe der Musik erfahren" und von Böhm "die Akkuratesse in der Musik".

Der Stimme treu geblieben

Christa Ludwig wäre gern eine Primadonna gewesen und hätte am liebsten alle wunderbaren Rollen des Sopranfaches gesungen. Doch ihre Stimme war eine andere. Sie hielt sich an die Regel, mit der Stimme zu singen, die ihr gegeben war.

Ihre Mutter hatte diese Regel nicht beachtet und sich damit ihre Stimme ruiniert, Christa Ludwig wollte daraus lernen. So hielt sie sich auf dem "Thron" der großen Sängerinnen. Auch heute noch berühren ihre Interpretationen. 

Historisches Konzert
Aufnahme vom 27. Februar 1967 in der Hochschule für Musik Berlin

Robert Schumann
Der Nussbaum op. 25, Nr. 7
Mondnacht op. 39, Nr. 5 
Stille Tränen op. 35, Nr. 10 

Johannes Brahms
Der Mond steht über den Bergen op. 106, Nr.1 
Sapphische Ode op. 94, Nr.1
Von ewiger Liebe op. 43, Nr. 1 

Hugo Wolf
Mögen alle bösen Zungen, HWW 129, Nr.2
In dem Schatten meiner Locke, HWW 129, Nr. 12
Bedeckt mich mit Blumen, HWW 129, Nr. 36
Geh', Geliebter, geh' jetzt, HWW 129, Nr.44

Max Reger
Volkslied op. 37, Nr. 2 
Maiennacht op. 76, Nr. 15 
Einen Brief soll ich schreiben op. 76, Nr. 8
Waldeinsamkeit op. 76, Nr. 3

Hans Pfitzner
Hast du von den Fischerkindern op. 5, Nr.1 
Venus mater op. 11, Nr. 4
Ist der Himmel darum im Lenz so blau op. 2, Nr. 3 
Gretel op. 11, Nr. 5

Richard Strauss
Du meines Herzens Krönelein Op. 21, Nr. 2
Schlechtes Wetter op. 69, Nr. 5
Cäcilie op. 27, Nr.2

Zugaben
Johannes Brahms
Vergebliches Ständchen op. 84, Nr.4
Och, Modr, ich wll en Ding han!
Hugo Wolf
Heimweh, HWW 119, Nr. 37

Christa Ludwig, Mezzosopran
Erik Werba, Klavier 

Produktion: RIAS Berlin, 1967

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