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Lesart | Beitrag vom 03.12.2018

Chris Kraus: "I Love Dick"Die Illusion einer erfüllten Sehnsucht

Von Wiebke Porombka

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"I love Dick" von Chris Kraus (Deutschlandradio/ Matthes und Seitz)
Heute in unserem Adventskalender: "I love Dick" von Chris Kraus (Deutschlandradio/ Matthes und Seitz)

Merkwürdig und wahrhaftig erzählt Chris Kraus über die Liebe und das Begehren: Das macht ihr Buch "I Love Dick" zum passenden Geschenk für all die besten Freundinnen, mit denen man sich abendelang den Kopf über das Leben zerbricht.

"I love Dick" der amerikanischen Autorin und Filmemacherin Chris Kraus ist ganz sicher das merkwürdigste und zugleich wahrhaftigste Buch über die Liebe, das ich bislang gelesen habe: Die Filmemacherin Chris und ihr Mann, der Kulturwissenschaftler Sylvere, verbringen einen Abend mit Dick, einem Kollegen Sylveres. Man trinkt, isst, plaudert über postmoderne Theorie. Als das Radio heftigen Schneefall auf dem Highway ankündigt, bietet Dick den beiden an, bei ihm zu übernachten.

Wenn zwei sich unmöglich machen

Am nächsten Morgen ist Dick verschwunden. Mit einem Schlag anwesend aber ist das Entflammtsein für ihn. Das gilt vor allem für Chris, aber auch Sylvere wird mehr und mehr in diese Obsession verstrickt.

Die Gespräche der beiden drehen sich in den kommenden Wochen und Monaten nur noch um Dick, sie schreiben ihm Briefe über Briefe, legen ihm ihr Innerstes und Intimstes zu Füßen. Sie machen sich unmöglich. Dick bleibt verschwunden und stumm.

Eine Geschichte über das große Begehren

"I love Dick" erzählt über die große Utopie, oder doch eher über die Illusion einer erfüllten Sehnsucht, über das große Begehren und über die Frage, nach wem oder was wir uns da verdammt noch mal verzehren, wenn wir zu lieben meinen? Nach dem oder der anderen? Oder womöglich doch nach dem haltlosen Schwärmen selbst?

"I love Dick" schenke ich – natürlich – meiner Freundin Angela. Liebe Angela, ein Buch für all die Abende, an denen wir nicht in Küchen, Kneipen oder unter den Pinien sitzen – noch ein Glas trinken und vielleicht noch eins, Du drehst Dir rasch noch eine Zigarette – und dabei über das Leben reden.

Chris Kraus: "I love Dick"
Aus dem Amerikanischen von Kevin Vennemann
Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2017
250 Seiten, 22 Euro

Lesart

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Nora Bossong über "Rapefugee" (unsplash.com/dpa)

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