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Kompressor | Beitrag vom 12.07.2018

Choreographin Hashemian über das Tanzen im IranEin Verbot, das keines ist

Moderation: Timo Grampes

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Frauen tanzen auf einer Veranstaltung in Teheran (imago stock&people)
Frauen tanzen auf einer Veranstaltung in Teheran (imago stock&people)

Wer tanzt, wird verhaftet! Was sich wie ein Satz aus einem Science-Fiction-Film anhört, ist Realität im Iran. Genauer: Frauen, die tanzen, können verhaftet werden. Die Choreographin Modjgan Hashemian erklärt die kleinen und großen Symboliken im Umgang mit dem Tanz im Iran.

"Tanzen im Iran - das ist Widerstand", sagt die Tänzerin und Choreographin Modjgan Hashemian. Die Aktivistin beschäftigt sich intensiv mit der Tanzszene im Iran und beobachtet dabei die gesamte Palette der Ablehnung durch den Staat im Iran: vom Spott, über die Ausgrenzung bis hin zur Verfolgung. Tanz, vor allem tanzende Frauen, sorgen unter iranischen Staatsbeamten für Aufregung und veranlassen sie zu Willkür und Repressionen.

Hashemian: Tanz zeigt Freiheit über eigenen Körper

Eines der derzeit sehr prominenten Beispiele für den Umgang mit Tanz und Frauen, die dies öffentlich zeigen, ist Maedeh Hojabri. Sie stellte Videos ihrer Tänze ins Netz und wurde dann dafür angeklagt und musste sich öffentlich entschuldigen: "Maedeh Hojabri ist ein junges Mädchen, die wie alle anderen jungen Menschen jetzt über soziale Netzwerke hauptsächlich kommunizieren, und sie hat ihre Art von Widerstand gezeigt: Und zwar hat sie ihre Freiheit über ihren Körper und ihre Körpersprache ausgedrückt über die Netzwerke", sagt Modjgan Hashemian. 

Maedeh Hojabri sei ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Regierung des Iran funktioniere: "Und zwar werden junge Menschen, die sich derart äußern, verhaftet und öffentlich vorgeführt - etwa mit dieser Entschuldigung, mit dieser Reue, die sie öffentlich aussprechen musste." Dies sei Angstmacherei und Ablenkung von den tatsächlichen Problemen, die im Land herrschten, sagt Hashemian. 

Eine Zwischenwelt beim Tanz

Eine Chance der Darstellung für ihre Haltung seien nun die sozialen Medien, erklärt Hashemian. "Und dies nutzen die jungen Menschne im Iran und nicht nur im Iran, sondern weltweit, aber im Iran hat es noch einmal eine ganz andere Relevanz." Und mit dem Internet gebe es nun für Frauen auch eine eine gewisse Präsenz nach außen, die auch genutzt werde. Und wer dann, etwa für Aufnahmen von Tänzen im Netz, bestraft werde, sei auch absolut willkürlich.

Es existiere insbesondere beim Tanz eine nur schwer zu definierende Zwischenwelt, denn schließlich werde auch auf den öffentlichen Bühnen getanzt, allerdings würden hier die Aufführungen statt als Tanz etwa als "Bewegungstheater" deklariert. "Es ist alles eine Auslegungssache, und es ist tatsächlich völlig willkürlich und unberechenbar, was dann passiert, wenn Du Dich bewegst." 

Die Praxis und das Leben allerdings ist nach Überzeugung von Hashemian voller Tanz. Doch werde dieser dann auch nicht als solcher deklariert. So hieße eine Salsa-Vorstellung nicht Salsa, sondern "Lateinamerikanisch": "Es heißt nicht 'Flamenco', sondern 'Spanisch', oder: 'Arabisch' für 'Bauchtanz'. Es kann nicht unterbunden werden. Das schaffen sie einfach nicht."

(sru)

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