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Profil / Archiv | Beitrag vom 07.03.2014

Chor der WocheDabei das Herz nie verlieren

Soundshake aus Berlin

Von Dominik Wölm

Ein Mikrofon steht bei einem Showcase im la vie en rose im Rahmen der Popkomm auf der Bühne. (picture alliance / dpa /  Britta Pedersen)
Soundshake tritt mehrmals im Jahr in Berlin und Umgebung auf. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Sie suchen die Balance zwischen stressigem Alltag, musikalischem Anspruch und Spaß am Singen - und finden ihn bei jeder Probe. Gesungen wird, was die Mehrheit gut findet. In jedem Fall a capella. Unter den 25 Mitgliedern sind auch ein Physiker und ein Anästhesist.

Berlin, Prenzlauer Berg. Ein Klassenraum, fast so groß wie eine Sporthalle, im sechsten Stock der Heinrich-Roller-Grundschule, es liegen Musikinstrumente auf Tischen, auf einer Seite gibt es eine Bühne, in der Mitte Tische und Stühle. Draußen ist es dunkel, es regnet, drinnen finden sich hier an diesem Abend etwa 20 Mitglieder des Chors "Soundshake" zur Probe zusammen.

Die Chormitglieder trudeln nach und nach ein, unterhalten sich, essen Kekse – bis Chorleiterin Tanja Pannier in den Stuhlkreis bittet. Einsingen.

"Die wollen schon singen aus Leidenschaft. Aber eben auch son bisschen knifflige Sachen lösen. Das heißt, wir sind auch momentan dran, n bisschen komplizierte Arrangements mal zu singen und sich da mal auszutesten, wie weit kann man gehen, aber dabei natürlich das Herz nicht zu verlieren. Das heißt, es ist so: Herz und Kopf arbeitet da sehr gut zusammen bei dem Chor“

Tanja Pannier ist seit Juni 2013 Leiterin des Chors. Die 31-Jährige hat in Weimar und Berlin Jazzgesang studiert, währenddessen bereits ein Ensemble an der Uni geleitet und vor einigen Jahren die Berliner A-Capella-Band "Klangbezirk" gegründet. Neben der Leitung von Soundshake gibt sie Gesangsworkshops, ist mit "Klangbezirk" auf Tour und arbeitet als musikalische Leiterin bei Theaterstücken: eine Profi-Musikerin. Zum "Soundshake" kam sie über eine Ausschreibung.

"Tanja ist musikalisch sehr gut. Sie kann aber auch mit uns umgehen, sie ist nicht ungeduldig, wenn mal wieder doch n bisschen zu viel gequatscht wird. Sie kann Dinge aus uns rauskitzeln, wir haben die absolut richtige Wahl getroffen."

"Also abgesehen davon, dass sie Jazzgesang studiert hat und dass sie das musikalisch gut drauf hat, kann sie wirklich mit kleinen Tipps auch große Veränderungen bewirken."

Fetzig, verrückt, niveauvoll

Ärzte wie der 28-jährige Thorsten Henze, Studenten, Rechtsanwälte, Lehrer, Physiker. Sie alle singen hier zusammen. Ein bunter akademischer Haufen also. Die Sänger und Sängerinnen wirken vertraut miteinander, obwohl viele von ihnen noch gar nicht so lange dabei sind. Wie zum Beispiel die 25-jährige Veronika Mercks, erst seit einem Monat bei Soundshake.

„Ich find's total super, ich hab ziemlich lange mir vorgenommen, in einen Chor wieder einzutreten, weil ich eigentlich schon seit meinem sechsten Lebensjahr singe und bin total froh, dass ich jetzt bei Soundshake mitsingen kann.“

"Von der Musik her fetzig, 'n bisschen verrückt und trotzdem niveauvoll."

Was gesungen wird, entscheidet der Chor ganz demokratisch per Abstimmung. Raus kommen dabei Stücke wie "Enjoy the Silence" von Depeche Mode, "Man in the Mirror" von Michael Jackson oder auch "Der letzte Tag" von Peter Fox. In den Proben wird dann mit Tanja Pannier an den A-Capella-Arrangements gearbeitet.

"Also, die Ziele, die ich habe, sind: 'n schöner angenehmer Sound, schöner Klang, Ensembleklang, gleichzeitig 'n guter Groove und eben trotzdem zu berühren.“

Die wöchentliche Probe soll vom Niveau her anspruchsvoll sein und die Sänger herausfordern, aber für die Chorleiterin ist es wichtig, dass der Spaß nicht auf der Strecke bleibt.

"Also man versucht, so'n bisschen die Waage zu finden zwischen kompliziert, aber gleichzeitig auch mal abschalten, weil die meisten kommen eben auch, um 'n bisschen abzuschalten neben dem Berufsleben und das find' ich auch total wichtig und richtig"

Freude trotz Müdigkeit

Auch nach den Proben begleitet ihn das Singen durch die Woche, sagt der 28-jährige Physiker Christoph Martens:

"Ganz oft mit so 'nem Gefühl, ja es war Arbeit und es ist anstrengend, also es ist herausfordernd. Es geht nicht einfach so von den Lippen, aber die Lieder sind auf jeden Fall noch im Kopf und dann summ ich's vor mir her."

Für Anästhesist Thorsten Henze, selbst fast von Anfang an dabei, lohnt sich die Überwindung gegen die Anstrengungen des Alltags immer wieder:

"Manchmal hat man natürlich keine Lust, manchmal bin ich hundemüde abends und will einfach nur schlafen gehen und bereue es eigentlich nie, wenn ich trotzdem hinkomme und dann man schaltet einfach n bisschen ab vom Alltag und singt zusammen und hat Spaß dabei."

"Also Singen macht Spaß und gut singen macht Spaß, mit netten Leuten gute Sachen singen macht noch viel mehr Spaß."

Mehrere Male im Jahr tritt Soundshake in Berlin und Umgebung auf. Im letzten Sommer waren sie etwa beim Fête de la musique dabei. In der Winterzeit singen sie auf Weihnachtsmärkten. Wichtiger als musikalische Perfektion sind dem Chor aber das wöchentliche Zusammenkommen und die gemeinsame Freude am Singen.

"Das find ich halt so schön, weil wenn die Leute zusammen singen spielt das keine Rolle mehr. Wer sie sind, woher sie kommen, da zählt nur das Musikmachen."

 

Deutschlandradio Kultur stellt jeden Freitag um 10:50 Uhr im "Profil" Laienchöre aus der ganzen Republik vor. Im "Chor der Woche" stehen nicht die großen, bekannten Chöre im Vordergrund, sondern die Vielfalt der "normalen" Chöre in allen Teilen unseres Landes, jeden Alters, jeder Formation und Größe oder Stilrichtung, seien sie Mitglied eines Chorverbands oder auch nicht.

Mit freundlicher Unterstützung des  Deutschen Chorverbands

 

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