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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.10.2021

chor.com in HannoverMit Genuss zurück ins Chor-Geschehen

Moderation: Ruth Jarre

Eine junge Frau singt genüßlich mit halb geschlossenen Augen in einem Chor. (imago / ingimage)
Auf der chor.com-Messe endlich wieder möglich: gemeinsam singen und sich untereinander austauschen. (imago / ingimage)

Endlich wieder chor.com., das größte Branchentreffen mit Konzerten, Workshops und Diskussionen. Deutschlandfunk Kultur war mittendrin. Viel Chormusik gab es zu hören und Gespräche, die verraten, was Instant Choir music ist oder was in einem VoiceLab passiert.

Vom 23. bis zum 26. September fand in Hannover die chor.com statt, eine große Austauschplattform für alle Chorprofis und -liebhaber, wie Chorleiterinnen und Chorleiter, Sängerinnen und Sänger, für  Musikpädagoginnen, Veranstaltungsmanager und Verlage, die auf einer großen Messe ihre neuen Veröffentlichungen präsentieren konnten.

In Workshops und Diskussionsrunden wurden neue Konzert- und Probenformate vorgestellt, wie die Babykonzerte [AUDIO] oder das VoiceLab [AUDIO]. Ebenso konnte man die Arbeit der Audi Jugendchorakademie [AUDIO] näher kennenlernen und erfahren, was Vocal Painting ist und was man unter einem Intelligent Choir versteht [AUDIO]. Zudem gab es verschiedene Masterclasses.

Schwerpunkt auf den Norden

Zu Beginn kommt der neue künstlerische Leiter Stephan Doormann [AUDIO] zu Wort, der mit der Nordischen Chormusik zum ersten Mal einen Themenschwerpunkt gesetzt hat. Ebenso stand Christian Wulff zum Interview [AUDIO] bereit, der als Präsident des Deutschen Chorverbandes die chor.com eröffnete. 

Neue Werke mit Volksmusik verquickt

Das erste Konzert, das wir mit den Norwegian Soloists' Choir unter der Leitung von Grete Pedersen vorstellen, stand unter der Überschrift "Nordwind". Das Konzert bestand aus zwei Teilen, in denen die einzelnen Werke ineinander übergingen: Ausgangspunkt waren Volksmelodien, die sich immer weiter hin zu zeitgenössischen Klängen verschoben bis hin zu Auszügen aus den "Orphic Songs", die der Chor 2016 bei Örjan Matre in Auftrag gegeben hatte.

Mit dem Chor war der Geiger und Folkmusiker Gjermund Larsen gereist, der unter anderem die sogenannte Hardangerfidel spielt. Sie ist nach der Region im Süd Norwegens benannt, in der sie viel gespielt wird. Zudem hat sie neben den üblichen vier Saiten, die mit einem Bogen gespielt werden, vier weitere Saiten, die einfach mitschwingen. Dadurch entsteht der besondere, schnurrende Klang des Instrumentes.

Ein Geiger steht neben Sängerinnen in roten Kleidern, im Vordergrund steht die Dirigentin, die nur als Schattenriss erkennbar ist. (chor.com / Rüdiger Schestag)Grete Pedersen leitet den Norwegian Soloists‘ Choir, der mit dem Geiger Gjermund Larsen anreiste. (chor.com / Rüdiger Schestag)

Der zweite Teil des Konzertes schlug die umgekehrte Richtung ein. Bevor die Alte Musik wieder Überhand gewann, präsentierte der Chor ein Werk von Eivind Buene, ebenfalls ein Auftragswerk für den Chor aus dem Jahr 2019. "Schubert singt II" ist der Titel – geschrieben für Chor und Plattenspieler, auf Textfragmente aus Franz Schuberts Tagebüchern und Goethes "Gesang der Geister über den Wassern".

Blüte der Renaissance

Ausgehend vom 500. Todestag des Renaissancemeisters Josquin des Préz ließ sich das Calmus Ensemble ganz auf den faszinierenden Klangreichtum des 16. Jahrhunderts ein. Die Renaissance war eine Blütezeit der Vokalmusik. Werke von vier spannenden Komponisten dieser Epoche wurden vom Chor ausgewählt. Natürlich stand Josquin des Préz an erster Stelle, der Vielen Vorbild und Wegbereiter war. 

Dem folgen Kompositionen von Orlando di Lasso, der mit seinen hochdramatischen "Klageliedern" das zerstörte Jerusalem betrauert. Als Leonhard Lechner seine deutschen Motetten komponierte, schuf er erste protestantische Meilensteine. Zum Schluss fiel die Wahl auf sacrale Werke von Carlo Gesualdo da Venosa, der mit seiner Musik voller Dissonanzen die Regeln seiner Zeit überdehnte.

Chor.com
Neustädter Hof- und Stadtkirche, Hannover
Aufzeichnungen vom 23.- 25.09.2021

Programm "Nordwind"

Ørjan Matre (*1979)
Hypnos and Rite aus: "Orphic Songs"

Eivind Buene (*1973)
Schubert singt II

Gjermund Larsen (*1981)
Improvisationen über norwegische Volksmusik von Larsen, Pedersen und Eriksson

Gjermund Larsen, Violine und Hardangerfidel
Norwegian Soloists' Choir
Leitung: Grete Pedersen

Konzert "Klangmeister – auf den Spuren der Renaissance"

Josquin des Préz (um 1450/55 - 1521)
De profundis clamavi
Salve Regina
Gaude virgo, mater Christi (Motetten à 5)

Orlando di Lasso (1532 - 1594)
Lamentatio Prima, primi diei
Lamentatio Secunda, primi diei
Lamentatio Tertia, primi diei
(aus: Lamentationes Hieremiae Prophetae à 5)

Leonhard Lechner (1553 - 1606):
Nackend bin ich aus meiner Mutter Leib kommen
(aus: Newe Teutsche Lieder mit vier und fünff Stimmen)
Herr, decke mich in deiner Hütte
Gott gibt, Gott nimmt, wie’s ihm geliebt
(aus: Neue Geistliche und Weltliche Teutsche Lieder mit fünff und vier Stimmen)

Carlo Gesualdo da Venosa (1566 - 1613)
O vos omnes
Maria, mater gratiae
Domine, ne despicias
(aus: Sacrae cantiones)

Calmus Ensemble

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