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Kompressor | Beitrag vom 04.03.2021

"Chippendales"-PodcastMuskelmänner auf der Bühne, Geschäftsmänner dahinter

Fabian Dietrich im Gespräch mit Massimo Maio

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Drei Tänzer der Chippendales, getaucht in rote Lichtsäulen, performen 2017 in Hamburg im Mehr! Theater am Großmarkt.  (picture alliance / dpa / Markus Scholz)
Die Show der Chippendales: "Frauen kamen und schrien und mochten das", sagt unser Kritiker. (picture alliance / dpa / Markus Scholz)

Muskulöse Männer, die tanzen und sich nackt machen? Das Phänomen "Chippendales" geht weit darüber hinaus. Der Spotify-Podcast "Welcome to your Fantasy" bringt die Story der berühmtesten Männerstripgruppe ins Ohr.

Der Spotify-Podcast "Welcome to your Fantasy" erzählt über die "Chippendales", die berühmtesten Stripper der Welt. Muskulöse Männer, die tanzen und sich dabei ausziehen. Was gibt es da überhaupt zu erzählen und das auch noch über acht Folgen?

Die "Chippendales" seien ein ganz glattes Produkt der Unterhaltungsindustrie, berichtet Kompressor-Redakteur Fabian Dietrich über die Erkenntnisse, die er beim Hören erlangt hat. Sie seien seit über 40 Jahren auf dem Markt und sie tourten noch heute mit Shows wie "Get naughty!" um die Welt.

Komplett irre Anfänge

Die Anfänge Ende der 1970-er seien aber komplett irre gewesen, so Dietrich. Steve Banerjee, ein indischer Einwanderer in Kalifornien, machte damals einen Strip-Club für Männer auf, der nicht recht laufen wollte. "Dann kommt ein etwas zwielichtiger Zuhälter aus Kanada zu Banerjee und sagt: Lass doch mal Männer sich ausziehen." Das Duo benennt dann den Club um in "Chippendale", also nach englischen Möbeln aus dem 18. Jahrhundert, vollkommen ohne Bezug zu Sex, Nacktheit oder Männlichkeit.

Die "Chippendales" seien also ein Zufallsprodukt. "Doch sie trafen damals einen Nerv. Frauen kamen und schrien und mochten das und es wurden immer mehr", sagt Fabian Dittrich. 

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An dem vermeintlichen Feminismus sei allerdings nichts dran, berichtet Dietrich: "Das war von Anfang an pures Marketing." Die Macher seien keine Feministen gewesen. "Sie haben geschickt ausgenutzt, dass diese Erzählung in der Luft lag", meint Dietrich. "Sie haben das Outfit der Chippendales an die Playboy Bunnies von Hugh Hefner angelehnt, um das umzudrehen nach dem Motto: 'Jetzt können die Frauen mal die andere Rolle einnehmen.' In Wahrheit ging es aber immer nur darum, maximal Geld zu machen."

Sie hätten auch selber Skandale inszeniert, sich selber bei der Polizei angezeigt und dann die TV-Sender angerufen. "Die haben ihr Bild in den Medien sehr schickt gesteuert und diese pseudofeministische Erzählung in die Welt gesetzt."

Nick Denaoia ist der Mann mit der großen Vision

Die Anfänge der "Chippendales" seien bescheiden gewesen, erläutert Dietrich. "Das war eigentlich nur ein lokaler Stripclub." Im Grunde sei das ziemlich primitiv gewesen: Bodybuilder von den Stränden werden rekrutiert, um ein bisschen nackt auf der Bühne rumzuhüpfen und Küsse für Trinkgeld zu geben.

Dann sei mit Nick Denaoia ein ehrgeiziger Regisseur von der Ostküste aufgetaucht: "So ein Künstlertyp, ein Schinder, der das Maximum aus den Leuten rausholen will – und der eine ganz, ganz große Vision hat."

Denaoia, der zuvor eine psychedelische Kinder-TV-Serie gemacht hat, kümmert sich um die Choreografie und drillt die Leute. "Die Chippendales werden weltberühmt." Der Geschäftssinn des Mannes habe dann letztendlich auch zu immer neuen Produkten geführt, die immer mehr Geld abgeworfen hätten, unter anderem auch ein Fitness-Video, das Richtung Softporno ging.

Die "Chippendales" seien dabei im Prinzip eine gesichtslose Truppe, mein Dietrich weiter. Die Männer würden auch ständig ausgetauscht: Interessant sei, dass Männer auch unter dieser Arbeit gelitten hätten. "Einer berichtet zum Beispiel, wie erniedrigend es für ihn war, für Trinkgeld Frauen küssen zu müssen."

Mord und Drogen, klug erzählt

Dietrich lobt die Produktion: "Es geht auch noch um einen Mordfall, um Drogen, um Kriminalität, um Rassismus – es steckt sehr, sehr viel drin." Er sei zudem sehr einfühlsam und klug erzählt. "Ich glaube, dass dieser Podcast einen ganz anders auf diese Männer und ihre seltsame Show blicken lässt."

(mfu)

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