Seit 11:05 Uhr Tonart
Mittwoch, 14.04.2021
 
Seit 11:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.09.2020

Chinesisches Buchsortiment bei ThaliaRegalmeter für Propaganda?

Jörg Plath im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Bücherstapel der Exenplare von Xi Jinpings  "The Governance of China II". (imago images / Xinhua)
Ungewöhnlich sei für eine deutsche Buchhandlung, dass es bei Thalia nun viele Titel auf Chinesisch gebe, sagt Jörg Plath. (imago images / Xinhua)

Bücher aus China – das bietet Thalia neuerdings in einigen Filialen. Dass das Sortiment von Chinas Führung ausgewählt wird, sei ungewöhnlich, sagt unser Kritiker - und ein Versuch der chinesischen Machthaber, im hiesigen Buchmarkt präsent zu werden.

Die Buchhandelskette Thalia stellt dem Buchimporteur China Book Trading Regalflächen zur Verfügung. Dort soll das Unternehmen Bücher seiner Wahl ausstellen können. Aus kaufmännischer Sicht sei dies unproblematisch, sagt Literaturkritiker Jörg Plath. Doch auf Twitter werde vor allem kritisiert, dass Thalia nicht klarmache, "dass diese Titel von China ausgewählt worden sind", so Plath. Denn vieles deute darauf hin, dass die Buchgesellschaft von China aus gesteuert werde. 

Kinderbücher, Politik und Science-Fiction  

Bei seinem Besuch in der Thalia-Buchhandlung am Berliner Alexanderplatz habe es drei Regale gegeben, die ausschließlich mit chinesischen Büchern belegt gewesen seien: "Von Kinderbüchern über chinesische Kampfkunst und Gesundheitstechniken bis hin zur Politik und Wirtschaft. Zur Politik, da ist Xi Jinping vertreten, der Leiter der Kommunistischen Partei und der Präsident Chinas ist." Das Sortiment umfasse auch Themen zur Seidenstraße und zu den Schnellverkehrszügen. Neben deutschen Übersetzungen und Titeln auf Englisch gebe es auch chinesische Originalausgaben.

Thalia Filiale mit Büchern aus China (Jörg Plath)Bücher aus China: Jörg Plath hat die Thalia-Buchhandlung am Berliner Alexanderplatz besucht. (Jörg Plath)

Thalia beruhige in einer Pressemitteilung, dass dies auch ein Test für das Unternehmen sei: Ein Service für die wachsende chinesische oder an China interessierte Community in Deutschland. Zudem wähle China Book Trading – eine GmbH, mutmaßlich gegründet und geleitet von Chinas kommunistischer Partei – ein Sortiment aus, das von den Thalia-Buchhändlern geprüft und dann freigegeben werde.  

Kritisches als Feigenblatt?

Plath sagt, er habe in der Thalia-Filiale auch noch andere Bücher gefunden, mit denen "eine kritische Auseinandersetzung mit dem großen Land" möglich sei, etwa von Alexander Görlach oder Kai Strittmatter, aber auch Science-Fiction aus China. "Unverfängliches und Kritisches – vielleicht ein Feigenblatt der Thalia-Buchhandlung."

Bücher zum Thema China stehen auf einem Tisch bei Thalia (Jörg Plath)Auch kritische Bücher zum Thema China hat Jörg Plath bei Thalia gefunden. (Jörg Plath)

Für das Engagement Chinas hat Plath eine Erklärung: "Die chinesischen Machthaber versuchen, auch im Buchmarkt hier präsent zu werden. Und dass sie das sonst nicht schaffen, ist, glaube ich, unmittelbar einsichtig."

(mle)

Mehr zum Thema

Eileen Chang: "Die Klassenkameradinnen" - Langsame Entfremdung im Exil
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 16.06.2020)

Chinesische Propaganda im Internet - Die Naivität des Westens
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 12.06.2020)

Fang Fang: „Wuhan Diary. Tagebuch aus einer gesperrten Stadt“ - Völker, schaut auf diese Stadt!
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 29.06.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur