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Kompressor | Beitrag vom 23.01.2018

China verbietet Hip-Hop Bloß keine "Bitches" im Reich der Mitte

Fabian Peltsch im Gespräch mit Max Oppel

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Der chinesische Rapper Bridge bei einem Konzert in Peking, Dezember 2017 (dpa / picture alliance / Cao Ji/Imaginechina/dpa)
Der chinesische Rapper Bridge bei einem Konzert in Peking, Dezember 2017 (dpa / picture alliance / Cao Ji/Imaginechina/dpa)

Chinas Medienbehörde hat ein Hip-Hop-Verbot verfügt - gerade, als das Genre immer beliebter wurde. Das ist eine echte Kehrtwende zum Kurs der letzten Jahre in Richtung westlicher Kultur. Der Musikjournalist Fabian Peltsch schätzt ein, was dahinter steckt.

Chinas Regierung verbannt die Hip-Hop-Kultur von den Bildschirmen: Die Medien-Regulierungs-Behörde hat verfügt, dass künftig nur noch Rap-MusikerInnen im Fernsehen auftreten dürfen, die bestimmten Standards entsprechen. Und die legt die kommunistische Partei fest – keine Tattoos zum Beispiel, keine unangemessene Kleidung, keine Skandale nach Möglichkeit. Was ist los mit Chinas Sittenwächtern?

"Was Popkultur in China angeht, kann man sagen: Alles ist so lange okay, bis es nicht mehr okay ist", sagt Musikjournalist und Sinologe Fabian Peltsch. Er ist derzeit in Peking und kennt sich mit der chinesischen Musikindustrie aus. Hip-Hop wurde erst kürzlich populär in China - durch die Sendung "Rap of China", die durchschnittlich zweieinhalb Milliarden Menschen gesehen haben. Daraufhin schaltete sich die Regierung ein. "Hip-Hop ist ein Genre aus dem Westen und man merkt auch, dass die Regierung damit nicht vertraut ist", meint Peltsch. Einer der Rapper habe das Wort "Bitch" benutzt, das habe die Regierung sehr irritiert. Dabei gehöre der Begriff zum "Einmaleins des Hip-Hops", meint Peltsch, jedoch: Er "ist nicht auf einer Linie mit den harmonischen Kernelementen, die China gern für seine Kultur hätte", erklärt er. Um das in den Griff zu bekommen, musste die Regierung also schnell handeln.

"Es ist unverständlich und auch ein bisschen ein Trauerspiel", meint Peltsch. Denn seit Jahren bemühe China sich auch durch "Soft Power", also durch Kunst und Kultur, in der Welt sichtbar zu sein. So habe man auch versucht, amerikanische Schauspieler wie Matt Damon für chinesische Filme zu casten. Rap hingegen habe sich verselbständigt, "es ist sozusagen ein 'Soft-Power-Motor' geworden", meint Peltsch, doch dem schiebe man jetzt einen Riegel vor. Offenbar konnten sich Hardliner und Reformer in der Regierung nicht auf eine Linie einigen, vermutet er. 

Die Künstler müssten nun sehr aufpassen. "Das macht das Ganze natürlich uncool", sagt der Musikjournalist. Und es könnte auch dazu führen, dass sie sich international nicht werden behaupten können, wie es kurz aussah - entweder würde nun alles etwas steifer oder wandert in den Untergrund ab, meint Peltsch.

(inh)

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