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Rang I | Beitrag vom 22.02.2020

Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik Jury verteidigt sich gegen Vorwurf der "Vetternwirtschaft"

René Schmidt im Gespräch mit Susanne Burkhardt

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Der Berliner Autor Sören Hornung  (Arda Funda )
Der Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik geht nun zum zweiten Mal an den Berliner Autor Sören Hornung. (Arda Funda )

Die wiederholte Auszeichnung des Berliner Autors Sören Hornung wirft einige Fragen auf. Jury-Mitglied René Schmidt will in Zukunft die Zusammensetzung des Auswahlgremiums überdenken und erwägt ein anonymisiertes Verfahren.

Theater braucht Autoren – und Autoren müssen gefördert werden. Das war jahrelang Konsens und so entstanden diverse Förderprogramme, die Talente entdecken und unterstützen sollen.

Dazu zählt auch der Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik. Zum siebten Mal wurde diese Auszeichnung in diesem Jahr vergeben, und zwar an den Berliner Autor Sören Hornung, dazu gibt’s 5000 Euro und die Uraufführung des Stücks am Haus. "Arche Noa. Das Ende vom Schluss", so heißt Hornungs Theatertext. Darin lässt er den Weltuntergang in einem Supermarkt spielen.

Kritik an der Besetzung der Jury

Beim genaueren Blick auf die Jury des Preises reibt man sich dann allerdings die Augen. Darin finden sich unter anderem die Lektorin Andrea Czesienski vom Theaterverlag "Henschel Schauspiel" und der Schauspieldramaturg des Theater Chemnitz, René Schmidt.* Beide haben mit dem Autor zusammengearbeitet. Außerdem wurde der Dramatiker zum zweiten Mal mit diesem Preis bedacht. Es hagelte also Kritik an der "Vetternwirtschaft", unter anderem in zahlreichen Kommentaren auf dem Online-Portal "Nachtkritik".

"Wir haben die Jury bewusst so zusammengesetzt", sagt Schmidt . Es sollte möglichst breit auf den Text geschaut werden und die Perspektive des Hauses vertreten werden. Deshalb sei eine Schauspielerin dabei, der künftige Regisseur, der nicht vom Haus sei.  Außerdem der Chef des Theaterfördervereins, die Lektorin und er. Die Jury entscheide dann nach Mehrheit.

Nachdenken über Neuerungen

"Wir haben alle Texte ganz gleich behandelt", widersprach Schmidt dem Vorwurf, Hornung habe durch die Zusammensetzung der Jury Vorteile genossen. Es habe mehr als 30 Einreichungen gegeben. Jeder in der Jury habe zunächst unterschiedliche Favoriten gehabt, sodass es eine lange, intensive Diskussion gegeben habe, bei der Hornung dann als Preisträger hervorging. In Zukunft könne man aber auch darüber nachdenken, ob die Texte besser eingereicht werden sollten. Die Kritik nehme man auf und könne sich über die Zusammensetzung der Jury Gedanken machen. "Das nehmen wir jetzt mit, da sind wir jetzt im Prozess."

(gem)


*Das eingereichte Stück von Sören Hornung wird derzeit von keinem Verlag vertreten.

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