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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.01.2020

"Charlie Hebdo" fünf Jahre nach dem Anschlag"Ich bin immer noch Charlie"

Romy Straßenburg im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Eine Rose und Kerzen stehen auf der Straße, darunter der Schriftzug "Je suis Charlie" (imago / IP3press / Aurelien Morissard)
Zeichen des Gedenkens vor der ehemaligen Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris. (imago / IP3press / Aurelien Morissard)

Vor fünf Jahren wurde die Redaktion von "Charlie Hebdo" Ziel eines Anschlags - zwölf Menschen starben, ganz Frankreich stand unter Schock. Die Ex-Chefin der deutschen Ausgabe von "Charlie Hebdo" sieht das Magazin auf dem Weg zu einer neuen Identität.

Keine zwei Minuten dauerte die Schießerei am 7. Januar 2015 in den Pariser Redaktionsräumen der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo". Zwölf Menschen waren tot und Frankreich stand in den Tagen und Wochen danach unter Schock.

Anderthalb Millionen Menschen gingen auf die Straße und trauerten um die Opfer. Es gab eine mächtige weltweite Solidarisierungswelle. Leuten schrieben "Je suis Charlie" – Ich bin Charlie – auf Poster oder hefteten sich diese drei Worte auf ihre Jacken. 

Leben in permanenter Gefahr

Romy Straßenburg war Chefredakteurin der inzwischen eingestellten deutschen Ausgabe von Charlie Hebdo und lebt in Paris. Sie berichtet von der wechselnden Stimmung der Mitarbeiter der Zeitschrift: "Die Sicherheitsvorkehrungen und die Polizei erinnern immer wieder daran, dass man in einer permanenten Gefahr lebt. Es ist trotzdem eine Arbeit, die man jeden Tag machen muss." So gewöhne man sich auch an die Absurdität der Situation.

Durch den Anschlag sei eine Generation der Pressezeichnung verloren gegangen, sagt Straßenburg und: "Es hat sehr lange Zeit gedauert, bis man junge Zeichner in die Zeitung zurückbekommen hat."

Inzwischen gebe es aber junge Figuren, die sich ihren Stil erarbeiten. "So versuchen sie, sich eine Identität neu zu erobern."

Annäherung an den digitalen Zeitgeist

Nach dem Attentat hatten viele Leser aus Solidarität die Zeitung abonniert. Die Verkaufszahlen seien inzwischen zurückgegangen, sagt Straßenburg: "Auch weil die Leute vielleicht den Eindruck haben, Charlie hat jetzt genug Geld." Aber: "Es ist auch heute noch  sehr viel von dem Spirit 'Je suis toujours Charlie', also, ich bin immer noch Charlie, zu sehen."  

Seit 50 Jahren besteht die Satirezeitschrift und sie versuche, sich dem digitalen Zeitgeist anzupassen, so Straßenburg: "Mittlerweile haben sie einen Newsletter, eine Online-Ausgabe." Ob dieser Prozess bei der neuen Lesergeneration gelingt, werde sich noch zeigen:

"Ich habe die Hoffnung, dass (Charlie Hebdo) so eng an Frankreichs Kultur gebunden ist, dass sie überleben wird."

(beb)

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