Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

Dienstag, 19.03.2019
 
Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.06.2018

Charles Gounods "Die blutende Nonne"Eine düstere Grusel-Oper wiederentdeckt

Von Franziska Stürz

Podcast abonnieren
Michael Spyres (Rodolphe), Marion Lebègue (la Nonne) und der chœur accentus in Charles Gounods Oper "La nonne sanglante" in der Pariser Opéra-Comique (Pierre Grosbois)
Michael Spyres (Rodolphe), Marion Lebègue (la Nonne) und der chœur accentus in Charles Gounods Oper "La nonne sanglante" in der Pariser Opéra-Comique (Pierre Grosbois)

Mit Mord und Geistern wartet die lange vergessene Oper "Die blutende Nonne" des Komponisten Charles Gounod auf, die nun in der Pariser Opéra-Comique zu sehen ist. Das 1854 uraufgeführte Singspiel gehört zu dem damals angesagten Genre der Grusel-Oper.

Zum 200. Geburtstag des Komponisten Charles Gounod hat die Pariser Opéra-Comique in Kooperation mit der Stiftung Palazzetto Bru Zane die 1854 uraufgeführte und vergessene Oper "Die blutende Nonne" wieder ausgegraben. Sie gehört in das zur damaligen Zeit sehr angesagte Genre der Grusel-Opern, in denen Geister eine wichtige Rolle spielen.

Ein hervorragendes, junges Solistenensemble

Die Dirigentin Laurence Equilbey und ihr Insula Orchestra legen stilecht sowohl die einfältigen Schwächen, als auch die grandiose emotionale Wucht von Gounods schillernder Musik offen und tragen ein hervorragendes, junges Solistenensemble. Angeführt wird es von Tenor Michael Spyres in der enorm fordernden Rolle des Rodolphe, der versehentlich nicht seiner Geliebten Agnes, sondern dem Geist der blutenden Nonne ewige Treue schwört. Aus diesem Dilemma kann er nur durch den Mord am eigenen Vater herauskommen.

Charles Gounods Oper  "La nonne sanglante" in der Pariser Opéra-Comique: Vannina Santoni (Agnès), Michael Spyres (Rodolphe), Marion Lebègue (la Nonne), chœur accentus (Pierre Grosbois) Vannina Santoni als Agnès, Michael Spyres als Rodolphe und Marion Lebègue als die blutende Nonne. (Pierre Grosbois)

Regisseur David Bobée betont das Düstere dieser Gruseloper, die im 11. Jahrhundert spielen soll, indem er auf der mit schwarzer Asche bestreuten, nachtschwarzen Bühne schwarz gekleidete Ritter in Zeitlupe kämpfen lässt. Dezente schwarz-graue psychedelische Videoprojektionen von José Gherrak unterstreichen im Hintergrund das Albtraumhafte der Geisterscheinungen. Marion Lebègue darf als blutende Nonne im weißen Schleier eindrucksvoll mit den toten Augen rollen und dem unglücklichen Rodolphe mit ihrem dunklen Mezzo drohen. Bei Vannina Santonis kraftvoller, jugendlicher Agnes sind es die weißblonden Haare, die einen weiteren Lichtblick ins von Lemurengestalten bevölkerte Dunkel bringen.

Eine durchaus lohnende Wiederentdeckung

Indem Bobée zur Ouvertüre zeigt, wie Rodolphes Vater eine junge Nonne ersticht, schließt sich mit dem befreienden Opfertod des Vaters am Ende des dreistündigen Abends eine erzählerische Klammer. Trotz mancher Schwächen im sich konsequent dahin reimenden Libretto und harten Brüchen in der musikalischen Struktur, ist Gounods "La Nonne sanglante" eine durchaus lohnende Wiederentdeckung – nicht nur für Liebhaber von Schauermärchen.

Mehr zum Thema

Der Komponist Charles Gounod - Rührseligkeit und Dramatik
(Deutschlandfunk, Historische Aufnahmen, 21.06.2018)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKein Bruderkuss für Russlands Schwule
Mauer-Graffiti des Lithauischen Künstlers Mindaugas Bonanu eines Bruderkusses zwischen Trump und Putin am Restaurant Keule Ruke in Vilnius, Lithauen (EPA)

Laut der Publizistin Masha Gessen kennt in Russland niemand einen Schwulen persönlich. Dies erzählt die lesbische Autorin im Interview mit der "SZ". Als Rache für das Konfiszieren eines ihrer Bücher hängt jetzt ein schwuler Papier-Putin in ihrer Küche. Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 12Von Wilmersdorfer Witwen und kämpferischer Kultur
Die legendären "Wilmersdorfer Witwen" im Musical "Linie 1" des Grips-Theaters. (David Baltzer / bildbuehne.de / Grips Theater)

Das Berliner Grips-Theater wird 50 Jahre alt. Ist sein Erfolgsmusical „Linie 1“ noch aktuell? Ein Selbstversuch mit drei Generationen. Außerdem: Lässt sich das Theater in einen von rechtsnationalen Kräften erklärten „Kulturkampf“ verwickeln?Mehr

Folge 11Von Vielfalt und Verstärkung
Ein Darsteller des Musicals "Miss Saigon" mit einem angeklebten kleinen Stirnmikrofon steht am 25.01.2019 in Köln bei einem Fototermin auf der Bühne. (imago / Horst Galuschka)

Wer spricht wie auf deutschen Bühnen? Es gibt zwar immer mehr Schauspieler*innen mit angeklebten Mikrofonen, aber noch zu wenige aus benachteiligten Gruppen. Um Diversity und Mikroports geht es in Folge #11 des Theaterpodcasts.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur