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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 18.05.2010

Chancen der Forschung

Bachl/Vogl: "Der Mensch von morgen", Ueberreuter Verlag, 192 Seiten

In dem Buch gibt es auch einen Blick in die Labore. (Gene Art)
In dem Buch gibt es auch einen Blick in die Labore. (Gene Art)

In ihrem Buch "Der Mensch von morgen" zeigen der österreichische Journalist Erich Vogl und der Sportmediziner Norbert Bachl, welche Auswirkungen die medizinische Forschung künftig auf den Alltag der Menschen hat. Sie blicken hinter die Türen von Gentechnik-Firmen, Universitätslaboren und Pharmaunternehmen und zeigen, welchem High-Tech-Tuning der menschliche Körper bereits unterworfen wird und was die Zukunft an Optimierungsmethoden noch bereit hält.

Mit getrockneten Pilzen und Kokablättern versuchten schon die antiken Olympioniken, ihre Körper auf Hochtouren zu bringen. Nach heutigem Standard hätten die tapferen Athleten die Zielgerade trotzdem nur als lahme Enten erreicht, so sehr hat der Hochleistungssport die menschliche Leistungsfähigkeit an ihre Grenzen getrieben. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

In ihrem Buch "Der Mensch von morgen" blicken der österreichische Journalist Erich Vogl und der Sportmediziner Norbert Bachl hinter die Türen von Gentechnik-Firmen, Universitätslaboren und Pharmaunternehmen, um zu zeigen, welchem High-Tech-Tuning der menschliche Körper bereits unterworfen wird und was die Zukunft an Optimierungsmethoden noch bereit hält.

Da ist zum Beispiel das menschliche Wachstumshormon hGH: Es wird von der Hirnanhangdrüse des Menschen natürlicherweise in Kindheit und Jugend produziert. Seit einigen Jahren lässt es sich gentechnisch herstellen und soll Wachstumsstörungen behandeln.

HGH fördert das Längenwachstum der Muskeln, greift aber auch tief in die Körperchemie ein, mit Wirkungen auf Knochen und innere Organe. Bis heute verfügen Dopingjäger nicht über ein standardisiertes Nachweisverfahren, um hGH-Sündern auf die Spur zu kommen. Und genau das macht das Hormon für Sportler so interessant.

Das Buch fächert die komplexen Hintergründe des künstlichen Körper-Tunings auf. Nicht allein die Sportler sind dafür verantwortlich, sondern auch Pharmafirmen. Substanzen, mit denen sich dopen lässt, werden massiv überproduziert - in dem Wissen, dass der Löwenanteil in dunklen Kanälen landen wird. Und schließlich trägt auch das Publikum mit dem Wunsch nach immer härter erbrachten Leistungen seinen Teil bei.

Schwerpunkt und Kompetenz des Buches liegen beim Sport, doch auch Randgebiete werden gestreift. Wie lässt sich das Gehirn optimieren? Welches Höchstalter kann man dem Körper entlocken? Werden Organe in der Transplantationsmedizin demnächst in gentechnisch veränderten Schweinen produziert? Jedes Kapitel leiten die Autoren mit einer Fantasiegeschichte ein. Darin stellen sie uns einzelne Sportler, Ärzte, Wissenschaftler vor und illustrieren ihre Sehnsüchte und Grenzüberschreitungen.

Leistungssport, Grenzen sprengen, Jagd auf Dopingsünder, brodelnde Labore - das sind hochspannende Themen, die von den Autoren umfassend und gut recherchiert aufgefächert werden. Der Blick hinter die Kulissen gelingt wohl deshalb so gut, weil Norbert Bachl in internationalen sportmedizinischen Kommissionen tätig ist und sich an vorderster Front mit Fragen des Doping und der Leistungsoptimierung auseinander setzt.

Hier liegt auch die Stärke des Buches. Etwas unklar und zu lang präsentieren sich die fiktiven Erzählungen. Sie verwischen die Unterschiede zwischen Zukunftsszenarien und Einblicken in jetzige Möglichkeiten des Körper-Tunings und sorgen auf diese Weise leider für einige verwirrende Passagen.

Besprochen von Susanne Billig

Norbert Bachl, Erich Vogl: Der Mensch von morgen. Was die Wissenschaft mit uns vor hat
Ueberreuter Verlag, gebunden, 192 Seiten, 19,95 Euro

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