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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 16.03.2015

CebitIndustrie 4.0 und die Folgen

Von Brigitte Scholtes

Eine Wand aus Tablet-Computern mit dem Schriftzug "Weltrekord 10Gbits/s" macht auf der CeBIT 2015 in Hannover Werbung für ein schnelleres Mobilfunk-Netz. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Eine Wand aus Tablet-Computern mit dem Schriftzug "Weltrekord 10Gbits/s" macht auf der CeBIT in Hannover Werbung für ein schnelleres Mobilfunk-Netz. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)

Auf der IT-Messe Cebit wollen deutsche Firmen lernen, das Schlagwort "Industrie 4.0" umzusetzen. Die anstehende Digitalisierung der Arbeitswelt und die künftige Datenflut muss zum Wohl der Menschen eingesetzt werden, fordert Brigitte Scholtes.

Trumpf setzt ein Zeichen. Der schwäbische Maschinenhersteller reist schon zur Cebit nach Hannover und wartet nicht auf die traditionelle Hannover-Messe im April. Denn die Trumpf-Manager wollen von den jungen, innovativen Unternehmen auf der IT-Messe Cebit lernen, wie man Industrie 4.0 umsetzen kann. Denn das soll nicht nur ein Schlagwort bleiben, die deutsche Industrie muss schnell daran arbeiten, die Maschinen zu vernetzen, damit etwa Ersatzteile automatisch bestellt werden, wenn sie zur Neige gehen, damit die Massenproduktion mithilfe der Maschinen und deren Datenaustausch individueller gestaltet werden kann.

Und Industrie 4.0. bedeutet schließlich auch, dass die Maschinen mit dem Menschen kommunizieren, der sie bedient. Industrie 4.0. ist die Anwendung des "Internet der Dinge" im Mittelstand. Noch so ein Schlagwort also, das die anstehende Digitalisierung unserer Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten zu beschreiben versucht. In fünf Jahren dürften 50 Milliarden Geräte vernetzt sein, also kaum ein Bereich frei davon bleiben.

Deutsche Standards durchsetzen

Und wo bleibt da der Mensch? Wo bleibt seine Rolle in dieser digital gesteuerten Wirtschaft? Den Menschen wird ihr tägliches Leben, auch ihre tägliche Arbeit erleichtert, aber wer hat dann noch Arbeit? Es kann sein, dass viele Jobs verloren gehen. Es kann auch sein, dass sich die Arbeit in vielen Bereichen einfach ändert, dass Jobs neu geschaffen werden. Das aber nur, wenn die deutsche Industrie es hier schafft, die Standards, die weltweit gesetzt werden, maßgeblich mitzubestimmen.

Klar ist bisher nur: Bestimmte Berufsgruppen werden es schwer haben, ihre Arbeitsplätze zu erhalten. All die nämlich, die nach standardisierten Vorgaben arbeiten. Sichere Jobs, das glauben Arbeitsforscher, dürften in zehn, zwanzig Jahren vor allem Menschen haben, die in ihren Berufen kreativ sind, die soziale Intelligenz benötigen oder die unternehmerisch denken.

Leid lindern durch Kreativität

Dennoch kann und darf die deutsche Industrie sich nicht herausziehen aus dieser Entwicklung, will sie nicht noch mehr aufs Spiel setzen. Denn wenn die Zukunft in der Vernetzung der Daten liegt, dann muss man zugleich mehr denn je für die Sicherheit der Daten arbeiten und hier Lösungen entwickeln. Und man muss auch versuchen, diese Datenflut zum Wohl der Menschen einzusetzen. Da geht es um andere Einsatzmöglichkeiten, wie man im Gesundheitsbereich, bei der Vorhersage von Katastrophen, bei Kriegen und Aufständen die Daten so auslesen und interpretieren kann, dass man damit schlimmes Leid für die Menschen lindert oder abwendet.

In solche Bereiche muss die Kreativität und der Erfindungsreichtum gelenkt werden, für den die Deutschen immer schon bekannt waren. Wenn das gelingt, dann sollte es uns um die Zukunft nicht so bange sein.

Mehr zum Thema:

"Work in Progress" - Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit
(Deutschlandfunk, Corso, 16.3.2015)

Digital Humanities - Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 5.3.2015)

Schule - Lehrerverband warnt vor "totaler Zwangsdigitalisierung"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 25.2.2015)

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