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Tonart | Beitrag vom 19.06.2019

CD-Box und Doku zur "Rolling Thunder Revue"Über Bob Dylans kreative Neugeburt

Fabian Wolff im Gespräch mit Martin Böttcher

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Der Musiker Bob Dylan, die Hände auf einer Tischplatte, mit weiß geschminktem Gesicht und dunklem Hut sowie mit einem Kaffeebecher vor und einem Putzeimer neben sich. (imago / Prod.DB)
In Martin Scorseses Dokumentation "Rolling Thunder Revue" werde das Spiel mit der Fiktionalität, für das Bob Dylan auch bekannt sei, gekonnt filmisch übertragen, meint Musikjournalist Fabian Wolff. (imago / Prod.DB)

Mitte der 1970er reiste Bob Dylan als Gastgeber eines musikalischen Wanderzirkus durch die USA. Seine "Rolling Thunder Revue" gilt als Höhepunkt seiner Karriere. Eine neue CD-Box und ein Netflix-Film erzählen die Geschichte dieser legendären Tour.

Kurz vor Beginn der "Rolling Thunder Revue" im Jahr 1975 veröffentlichte Bob Dylan das Album "Blood on the Tracks", das viele Fans für sein bestes halten. Dylan verarbeitet darauf die sich ankündigende Trennung von seiner damaligen Ehefrau Sara Lowndes. Die Zeit sei Dylans "kreative Neuerfindung" gewesen, sagt Musikjournalist Fabian Wolff im Deutschlandfunk Kultur. Die "Rolling Thunder Revue" sei geprägt gewesen von einer elegischen Qualität. Man könne die Tour als Abschied von den 60er-Jahren verstehen.

Die neue 14-teilige CD-Box beinhalte unter anderem fünf komplette Live-Konzerte der Tour. Die Box sei gut für ein kursorisches Eintauchen, sagt Wolff. Immer wieder würde man schöne kleine Details finden, etwa eine Ansprache von Dylan an Leonard Cohen, der bei einem Konzert in Montreal im Publikum war. Auch bei den seltenen Outtakes sei "wirklich Gold dabei", meint Wolff. Etwa eine Dylan-Version des The-Impressions-Klassikers "People Get Ready".

Auch die neue "Netflix"-Doku "Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story" von Martin Scorsese zeichnet die Zeit der Tour nach. Scorcese versammelt darin Archivmaterial und Interviews mit Zeitzeuginnen. Dazu kommen Interviews, die damals die Tour organisiert und begleitet haben. "Da zeigt sich der doppelte Boden der Dokumentation", sagt Wolff. "Wenn zum Beispiel der vermeintliche Regisseur Stefan van Dorp einfach ein Schauspieler ist, weil es ihn natürlich nicht gab, mit so einem lächerlichen Namen." Das Spiel mit der Fiktionalität, für das Bob Dylan auch bekannt sei, werde gekonnt filmisch übertragen, meint Wolff.

Müsste er sich zwischen CD-Box und Dokumentation entscheiden, würde Wolff die Box wählen. Denn ein Film zerfließe "wie Sand in der Zeit" und die Box sei wunderschön.

(chm)

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