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Frühkritik | Beitrag vom 09.06.2017

Carol O´Connell: "Es geschah im Dunkeln"Ein Stück ermordet sein Publikum

Von Thomas Wörtche

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Buchcover von "Es geschah im Dunkeln" links vor rote Theaterstühle montiert. (btb Verlag / picture-alliance / dpa-ZB / Patrick Pleul / Collage: Deutschlandradio)
Carol O´Connells "Es geschah im Dunkeln" spielt in einem Broadway-Theater. (btb Verlag / picture-alliance / dpa-ZB / Patrick Pleul / Collage: Deutschlandradio)

Der elfte Band von Carol O´Connells Krimireihe rund um Detective Kathy Mallory ist ein klassischer "Mord-im-Theater"-Roman. Ein elegantes Mordpuzzle in Broadway-Manier auf doppeltem Boden und mit einem leichten Hauch von Nostalgie.

In Carol O´Connells elftem Roman um die geniale, exzentrische, blendend schöne und eiskalte Kathy Mallory, Detective bei der Special Crime Unit des New York Police Departments, spürt man einen leichten Hauch von Nostalgie. "Es geschah im Dunkeln" ist ein klassischer "Mord-im-Theater"-Roman, bei dem sich die Assoziation zu Agatha Christies "Die Mausefalle" automatisch einstellt.

In einem Broadway-Theater wird der Autor des aktuellen Stückes ermordet, man schneidet ihm im Dunkeln die Kehle durch; niemand hat etwas bemerkt, niemand etwas gesehen oder gehört. Und das ist nicht der einzige mysteriöse Todesfall rund um das Theater und rund um das Stück. O´Connell greift, um im Bild zu bleiben, tief in die Requisitenkiste des Theaters, mit verwinkelten Räumen, Garderoben, Bühneneffekten und andere einschlägigen Ingredienzien.

"Whodunnit" - Wer hat's getan?

Auch wenn der Roman hin und wieder um Drogenhandel, Hollywood und ein Familienmassaker im fernen Kentucky mäandert, bleibt er dennoch am Ende ein puristischer Whodunnit, mit dem ganzen Repertoire des Sub-Genres: Verwischte Spuren, falsche Fährten, abenteuerliche Plot-Wendungen und viele Figuren, die nicht sind, was sie zu sein scheinen. Allerdings plus phantastischem Gänsehaut-Quotienten: Zu den eindrücklichsten Passagen zählen die, in denen, auch nach der Ermordung des Stückeschreibers, ein "Ghostwriter", den niemand je zu Gesicht bekommt, Änderungen im Stück und andere, gar mörderische, Anweisungen auf einer Tafel im Theater, wie die berühmte Schrift an der Wand, auftauchen lässt. 

Dass eine Hauptfigur auch noch, wie ein echter, notorischer Frauenmörder, "Crippen" heißt, und zudem der Horror-Film-Klassiker "Theater of Blood" (von 1973, mit Vincent Price) aufgerufen wird, trägt zu dem Mordpuzzle vergnüglich bei.

Der Erzählton des Romans adaptiert Mallorys Sicht auf die Welt: unbeeindruckt, sarkastisch und eisig ironisch. Die Welt als Theater, auf dem Theater. Aufgezogen in guter, alter Broadway-Manier: elegantes Boulevard mit Mord, im besten Sinn.

Carol O´Connell: Es geschah im Dunkeln
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Judith Schwaab
btb Verlag, München 2017
478 Seiten, 9,90 EUR

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