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Tonart | Beitrag vom 20.07.2017

Carlos Santana wird 70"Wenn ich ein Solo spiele, bin ich ein Motherfucker"

Von Marcel Anders

(picture-alliance/ dpa /  Laurent Gillieron)
Carlos Santana während des 40. Montreux Jazz Festival (2006). (picture-alliance/ dpa / Laurent Gillieron)

Carlos Santana gilt als einer der besten Gitarristen der Welt: Ein Mann, der nie stehen bleibt, sich an immer neuen Klang-Fusionen versucht, dabei völlig allein auf weiter Flur steht. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag. Marcel Anders hat ihn getroffen.

"Ich bin auf diesem Planeten, um zu lernen. Mein Körper ist zwar schon 70, aber mein Geist ist der eines 17-Jährigen, der nach wie vor alles Mögliche ausprobiert."

Es spricht Carlos Santana – ein Ausnahmemusiker, der in seiner über 50jährigen Karriere fast 90 Millionen Alben verkauft hat, mit zehn Grammys ausgezeichnet wurde und den amerikanischen Traum lebt – vom Tellerwäscher zum Rockstar mit Welthits wie "Black Magic Woman", "Oye Como Va", "Hold On", "Smooth" oder "Maria Maria". Stücke, die auf einer einzigartigen Kombination aus Blues, Latin, Jazz und afrikanischen Einflüssen basieren, und nie einem festen Schema folgen. Das wäre dem gebürtigen Mexikaner zu langweilig.

"Vielfalt ist die Würze des Lebens, Mann. Ich könnte es nicht ertragen, immer nur Jazz, HipHop oder was auch immer zu machen. Ich möchte mich an allem versuchen. Und sei es nur, weil ich schnell unruhig werde und immer etwas Neues brauche. Wenn ich etwas höre, das nicht mehrdimensional und atmosphärisch ist, langweilt mich das."

Markantes Gitarrenspiel

Doch auch Santana schießt oft über den Geschmack seines Publikums hinaus, überfordert es mit Avantgarde-Jazz, geballter Esoterik oder endlosen Gitarrensoli - und erlebt gerade in den 80ern lange, kommerzielle Durstrecken. Was zwar für einen Popularitätsknick sorgt – ihm aber auch den Respekt und die Unterstützung vieler berühmter Kollegen verschafft, mit denen er auf der Bühne wie im Studio jammt. Darunter Eric Clapton, Stevie Ray Vaughn, Peter Green, John Lee Hooker, John McLaughlin oder Wayne Shorter. Alles bekennende Fans seines markanten Gitarrenspiels.

"Wenn ich ein Solo spiele, halte ich es mit Miles Davis – dann bin ich ein Motherfucker, aber auf eine süße Art und Weise. Nämlich wie es in den 60ern üblich war. Es bedeutet, dass du dein Letztes gibst, dass du quasi dabei stirbst und das Gesicht zur Grimasse verziehst – wie Stevie Ray Vaughan. Und wenn ich das tue, will ich dich zum Lachen, Weinen und Tanzen bringen. Zu einem spirituellen Orgasmus."

Ende der 90er, als ihn die Musikindustrie längst abgeschrieben hat, gelingt Santana ein sensationelles Charts-Comeback. "Supernatural", auf dem er sich Duette mit angesagten Rockmusikern aus dem Alternative-Bereich liefert, wird zum erfolgreichsten Album seiner Karriere, verkauft sich 20 Millionen Mal, beschert ihm acht Grammys und ermöglicht ihm Geschäftsprojekte, die sich als äußerst lukrativ erweisen: Eine Kette von mexikanischen Restaurants an der amerikanischen Westküste, aber auch eine Modelinie mit Handtaschen, Schuhen und Kleidern – bunte, teure Hippieklamotten, natürlich mit Mission.

"Ohne Frauen wärt ihr arm dran"

"Ich liebe es, Frauen glücklich zu machen. Und wenn sie Schuhe, Eau de Cologne und Kleider kaufen, kurbelt das auch die Wirtschaft an. Wenn sie losziehen und sagen: 'Ich kaufe jetzt dies oder das – und danach führst du mich zum Essen aus', dann ist das ein Motor. Dann sind auch die Restaurants voll. Und deswegen haben Frauen die Macht, die Welt zu ändern. Ich will jetzt nicht wer weiß wie clever oder witzig rüberkommen, aber das ist die Realität. Die meisten Männer glauben zwar, das liege in ihren Händen, aber ich habe Neuigkeiten für sie: 'Ohne Frauen wärt ihr arm dran.' Ich auch!"

Was Carlos verschweigt: Die Scheidung von seiner Ex-Frau und Managerin Deborah King hat ihn 2007 ein Vermögen gekostet. Deshalb muss er seinen Namen für alles hergeben, was ihm die Rente sichert, regelmäßig live spielen und immer neue Alben veröffentlichen.

Wie "Power Of Peace", das Ende Juli erscheint und auf dem er Stücke von Stevie Wonder, Muddy Waters, Curtis Mayfield und Billie Holiday interpretiert – unterstützt von den Isley Brothers und Neu-Ehefrau Cindy Blackman, einer berühmten Jazz-Schlagzeugerin. Seinen 70. Geburtstag begeht er indessen in seiner Wahl-Heimat Las Vegas. Mit einem netten Abend unter Freunden – sogar aus dem Jenseits.

"Ich habe oft Erscheinungen. Und zwar von Stevie Ray Vaughan, Miles Davis und B.B. King. Sie besuchen mich in meinen Träumen – und meistens an meinem Geburtstag, was seltsam ist."

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