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Interview | Beitrag vom 01.10.2018

Care-Nothilfekoordinator zu Indonesien"Ganze Regionen sind noch abgeschnitten"

Wolfgang Tyderle im Gespräch mit Julius Stucke

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Die Menschen waten durch ein überflutetes Gelände in der Stadt; im Wasser schwimmen Trümmer.   (Tatan Syuflana/AP/dpa)
30.09.2018, Indonesien, Palu: Menschen stehen in Trümmern nach den Erdbeben und dem Tsunami auf der Insel Sulawesi. (Tatan Syuflana/AP/dpa)

Nach dem verheerenden Tsunami vom vergangenen Freitag haben Hilfskräfte etliche Regionen und Dörfer noch gar nicht erreicht, sagt CARE-Nothilfekoordinator Wolfang Tyderle. Gleichwohl sei die Lage nicht hoffnungslos: Indonesien habe eine gute Infrastruktur.

Nach offiziellen Angaben sind bei der Tsunami-Katastrophe auf der indonesischen Insel Sulawesi 844 Menschen ums Leben gekommen. Dabei handelt es sich aber nur um die bereits identifizierten Opfer. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer soll nach Angaben einer indonesischen Hilfsorganisation beim mindestens 1200 liegen.

Am vergangenen Freitag hatte sich nahe der Insel Sulawesi ein Erdbeben der Stärke 7,5 ereignet, was eine Flutwelle von sechs Metern Höhe zur Folge hatte. Sie überschwemmte unter anderem die Stadt Palu und brachte zahlreiche Gebäude zum Einsturz.

Unter den eingestürzten Häusern warten immer noch zahlreiche Überlebende auf Rettung. Angesichts der katastrophalen Lage hat Indonesiens Präsident Joko Widodo das Ausland um Unterstützung gebeten.

"Indonesien hat eine gute Infrastruktur"

CARE-Nothilfekoordinator Wolfang Tyderle sagte im Deutschlandfunk Kultur zu der Situation vor Ort:

"Es gibt noch etliche Regionen und Dörfer, die noch gar nicht erreicht wurden. Der Flughafen von Palu ist zwar wieder erreichbar, aber die großen Maschinen können nicht landen. Ganze Regionen sind noch abgeschnitten."

Am wichtigsten sei jetzt: "Sauberes Trinkwasser, Notbehausungen, Nahrung und medizinische Versorgung. Die klassischen vier Sachen, die bei jeder Katastrophe absolut notwendig sind."

Trotz der momentanen schwierigen logistischen Lage glaubt Tyderle, dass die Hilfe zügig anlaufen kann:

"Indonesien hat eine gute Infrastruktur, das wird zu bewerkstelligen sein. Jetzt müssen wir erstmal logistische Probleme lösen."

"Ein Tsunami-Frühwarnsystem ist essenziell"

Nach der Flutkatastrophe von 2004 habe sich Indonesien gut aufgestellt, was die Katastrophenvorsorge angeht. Warum es zu einer frühzeitigen Abschaltung der Tsunami-Warnung kam, müsse in Ruhe analysiert werden, sagte der Nothilfe-Koordinator. Die Lehren aus der jetzigen Flutkatastrophe seien "Katastrophenvorsorge und eine stabile Bauweise an der Küste. Und ein Tsunami-Frühwarnsystem ist ganz essenziell."

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