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Montag, 24.09.2018
 
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Kompressor | Beitrag vom 12.09.2018

"Café Deutschland" im Städel MuseumEine historische Aufgabe ignoriert?

Christoph Tannert im Gespräch mit Shanli Anwar

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Oberlichter für den neun unterirdischen Erweiterungsbau des Frankfurter Städel Museums in der Rasenfläche des Museums am am Mittwoch (22.02.2012). Mit dem Erweiterungsbau zur Präsentation der Gegenwartskunst hat das Städel die größte inhaltliche und architektonische Erweiterung seiner knapp 200-jährigen Geschichte vollzogen. Nach zahlreichen gewichtigen Sammlungszuwächsen wurde im Herbst 2009 mit der Errichtung des Erweiterungsbaus für die Präsentation der Gegenwartskunstl begonnen. Die unterirdische, lichtdurchflutete Halle bietet über 3.000 m² zusätzliche Ausstellungsfläche und verdoppelt damit die Größe der Sammlungspräsentation im Städel. Der Erweiterungsbau öffnet erstmals am 25. und 26. Februar 2012 mit Tagen der offenen Tür und einem großen Bürgerfest seine Pforten.  (imago stock&people)
Das Frankfurter Städel Museum (imago stock&people)

In einem Oral-History-Projekt mit zahlreichen Interviews spürt das Städel Museum in Frankfurt der westdeutschen Kunstszene nach. Die DDR-Szene wird nur gestreift. Für den Kunstexperten Christoph Tannert Vollkommen unverständlich und ein Zeichen von Arroganz

Unter dem Titel "Café Deutschland" blickt das Städel Museum in Frankfurt am Main auf die deutsche Kunstszene. Es ist ein Oral-History-Projekt, in dem 70 Künstler in Interview-Videos zu Wort kommen. Projektleiterin Franziska Leuthäußer hat die Gespräche mit der Crème de la Crème der Kunst geführt: Vertreten sind unter anderem Georg Baselitz, Gerhard Richter und Günther Uecker. Aber auch Wissenschaftler und Kunstkritiker wie Bazon Brock oder Armin Zweite.

Über "Café Deutschland" haben wir in unserer Sendung "Fazit" vom 12.09. mit der Leiterin des Projekts, Franziska Leuthäußer, gesprochen. Das Interview können Sie hier nachhören:

Für den Kunstexperten Christoph Tannert, Leiter des Berliner Künstlerhauses Bethanien, ist jedoch vollkommen unverständlich, warum das Frankfurter Projekt die DDR-Kunstszene fast komplett ignoriere, allenfalls nur streife. Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall  sollte es selbstverständlich sein, Ost- und West-Künstler gleichermaßen an einem solchen Projekt zu beteiligen, kritisiert Tannert.

DDR-Kunst - ein riesiges Sachgebiet

Arno Rink sei der einzige Kunstprofessor, der von DDR-Seite vertreten sei. "Vielleicht hat man ihn deshalb gewählt, weil er Vertreter der Leipziger Schule ist. Aber für dieses riesige Sachgebiet eines untergegangenen Staates hätte es einfach mehr Aufwand gebraucht, um dort einfach etwas weiter in die Tiefe zu gehen." So jedoch sein nur Platz "für ein paar persönliche Befindlichkeiten". Zudem seien Franziska Leuthäußer Fehler in den Interviews unterlaufen.

Den Hinweis von Franziska Leuthäußer, es habe keine wirkliche freie Kunstszene in der DDR gegeben und es könne ja von anderer Seite eine separate Ausstellung über Künstler in der DDR konzipiert werden, findet Tannert "furchtbar arrogant". Auch der Berliner Martin-Gropius-Bau habe vor Jahren in seiner "60 Jahre - 60 Kunstwerke"-Ausstellung nur Werke aus der alten Bundesrepublik ausgestellt.

"Es ist absoluter Unsinn zu sagen, in einem unfreien Staat gebe es überhaupt keine Kunst. All das, was in der DDR produziert worden ist, muss natürlich differenziert werden – in Bezug auf eine staatstragende und eine nicht oder wenig staatstragende Szene."

"Eine historische Aufgabe"

Der Verband der bildenden Künstler der DDR habe 6000 Mitglieder gehabt. Zumindest mit einigen ihrer Mitglieder, die heute zum Teil über 80 Jahre alt seien, Interviews zu führen "wäre doch eine historische Aufgabe gewesen".

Zudem, so Tannert weiter, nehme das Projekt in seinem Titel Bezug auf Jörg Immendorfs Zyklus "Café Deutschland". Immendorf sei die Auseinandersetzung mit der deutschen Teilung und der deutschen Frage immer wichtig gewesen. Umso unverständlicher sei es für ihn, dass das Städel Museum diesen Aspekt nicht aufgreife.

(mkn)

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