Seit 22:03 Uhr Literatur

Sonntag, 15.12.2019
 
Seit 22:03 Uhr Literatur

Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 21.09.2016

Bunt, schrill und hart umkämpft Auf dem Weg zum Star in Bollywood

Von Nicole Graaf

Podcast abonnieren
Sunny Leone (dpa/Foto: Sanjeev Gupta)
So berühmt werden wie Bollywood-Schauspielerin Sunny Leone, davon träumen viele in Indien. Hier 2014 während einer Pressekonferenz zu einem neuen Film. (dpa/Foto: Sanjeev Gupta)

Indische Blockbuster sind eine gnadenlose Attacke auf die Sinne: bombastische Musik, wilde Tänze, Action. Produziert werden die Filme in Mumbai. Aber von den Millionen, die jährlich von einer Karriere in der Traumfabrik hoffen, schaffen es nur wenige.

Nahaufnahme des Helden: Er springt aus einem Helikopter und rennt auf ein herrschaftliches Anwesen zu. Drinnen ist ein Fest im Gange. Tänzerinnen in bunten Saris wirbeln durch das Bild. Die Mutter des Helden steht mit einem Gabenteller vor einer Götterstatue. Plötzlich ein Windstoß, die Mutter dreht sich herum, ihre Haare fliegen in Zeitlupe mit der Bewegung. Da stürmt er herein, der lang vermisste Sohn. Mutter und Held liegen sich in den Armen, die Festgesellschaft wirbelt im Farbenrausch. 

Eine Szene aus dem Blockbuster "Kabhi Khushi Kabhie Gham", der auch in Deutschland ein Hit unter den Fans indischer Filme wurde. Emotional, bunt – und für westliche Begriffe oft überdreht. Das ist typisch für das Bollywood-Kino. Mehr als 1000 Streifen werden in den Studios der Filmmetropole Mumbai pro Jahr gedreht, doppelt so viele wie in Hollywood. Und sie ziehen hunderte, wenn nicht tausende junge Leute an, die ihr Glück als Schauspieler versuchen.

Das Herz von Bollywood liegt im Stadtteil Andheri im Norden Mumbais. In den engen, von Bäumen beschatteten Straßen reihen sich kleine ein- oder zweistöckige Häuser aneinander. Hier eine Schauspielschule, da ein Tonstudio oder eine Produktionsfirma. Schilder an den niedrigen Toren werben für klassische Gesangsausbildung, Sprechtraining oder Kampfsport – alles was ein Schauspieler für die Leinwand gut gebrauchen kann. Und natürlich gibt es Kurse für Bollywood-Dancing, denn Tanzszenen dürfen in kaum einem Film fehlen.

"Roshan Taneja" - die älteste Schauspielschule in Mumbai

In einem ganz in rot gestrichenen Haus liegt die Schauspielschule "Roshan Taneja". Sie zählt zu den ältesten in Mumbai. Taneja unterrichtet seit über 50 Jahren und hat bereits mehr als 1000 Schauspieler ausgebildet. Der kleine, gedrungene Mann mit kahlem Ober-kopf und längerem Nackenhaar hat die Aura eines Stars, auch wenn er selbst als Schau-spieler erfolglos war. Doch als Lehrer gilt er in der Branche als Institution.

"Als ich anfing, gab es nur drei Arten von Rollen: den Held, den Bösen und den Komiker. Der Held musste groß sein, aber das war ich nicht. Und der Böse musste dunkelhäutig sein, und durch und durch böse. Dieses Konzept gefiel mir nicht. Und Komödien, die kamen sehr platt daher. Das war auch nichts für mich. Anstatt also selbst zu spielen, habe ich angefangen Schauspieler auszubilden."

Heute sind die Figuren wesentlich vielfältiger. Aber auch die Konkurrenz ist größer geworden. Allein in Tanejas Kurs sitzen 37 Schüler, und es ist nur eine von hunderten Schauspielschulen allein in Mumbai.

In gebückter Haltung sitzt Taneja an einem Tisch und verfolgt mit strengem Blick seine Klasse bei einer Improvisationsstunde; er registriert jede Geste, jeden Wechsel in der Mimik und jede Unsicherheit. Gerade ist eine Anfang zwanzigjährige an der Reihe. Sie spielt eine Tochter, die ihren Vater davon abbringen will, sich scheiden zu lassen.

Schauspiellehrer Roshan Taneja (Deutschlandradio Kultur / Nicole Graaf)Schauspiellehrer Roshan Taneja unterrichtet seit über 50 Jahren. (Deutschlandradio Kultur / Nicole Graaf)
Mit dem leidenden, flehenden Blick, den man in indischen Liebesfilmen so oft wiederfindet, redet sie auf den Vater ein, gespielt von Tanejas Assistent. Der Schauspiellehrer lächelt wohlwollend, während er der Szene folgt. Der Kurs dauert vier Monate. Alle Teilnehmer sind mit großen Erwartungen hierher gekommen.

"Ich hatte das Gefühl ohne Schauspielen wäre mein Leben leer. Ich habe keinerlei Erfahrung, aber das war so ein Gefühl in mir drin. Das musste einfach raus."

"Hi, Ich bin Shaw Razeed aus Lucknow. Ich habe in der Schule Theater gespielt und ich singe und tanze gern. Schauspieler haben mich immer beeindruckt."

"Ich habe mir diese Schule ausgesucht, weil er einer der Schauspielgurus Indiens ist. Seine Schüler haben es sogar bis nach Hollywood geschafft."

"Sie wollen über Nacht zum Star werden"

Taneja findet, den Jungschauspielern von heute fehle die Ernsthaftigkeit.

"Heute wollen alle schnelle Erfolge. Sie wollen über Nacht zum Star werden. Aber das ist nicht möglich, man muss Ausdauer haben und viel Arbeit hineinstecken. Früher haben meine Kurse zwei Jahre gedauert, das war ideal. Aber so viel Zeit will heute niemand mehr investieren. Selbst ein Jahr ist ihnen zu viel. Schauspielausbildung ist zu einer Art McDonalds verkommen. Fast Food. Von diesen 37 Schülern hier werden es vielleicht zwei oder drei schaffen Fuß zu fassen, nicht mehr. Die meisten von denen sind erst halbgar."

Entlang des Treppenaufgangs zu Tanejas Büro findet sich seine persönliche Wall-of-Fame. Signierte Fotos zeigen jene seiner vielen Schüler, die es ganz nach oben geschafft haben. Unter ihnen Anil Kapoor, der Showmaster aus dem Film "Slumdog Millionaire". Und Jaya Bhachhan, die Frau von Altstar Amitabh Bachhan. Sie spielt die Mutter in der eingangs beschriebenen Szene. Viele dieser Stars stammen jedoch aus den Filmdynastien, die Bollywood bis heute beherrschen. Newcomer ohne solche Verbindungen haben es ungleich schwerer.

Auch Divinaa gehörte zu denen, die ziemlich blauäugig nach Mumbai kamen, ohne Kontakte oder Bühnenerfahrung.

"Ich wollte Schauspielerin werden, seit ich ein Kind war. Vor der Kamera zu stehen, gibt mir so viel Adrenalin."

Divinaa trägt ein trägerloses weißes Top und Jeans, dezentes Make-up und ein gewinnen-des Lächeln. Sie sitzt in einem der vielen Cafés im Filmviertel. Heute kann die 25-Jährige sich das leisten. Aber die ersten zwei Jahre waren sehr hart.

"Ich hatte kaum Geld. Ich lebte von einem Glas Saft und zwei Vada Pav am Tag, diese Brötchen mit frittierten Gemüsebällchen drin. Ich teilte mir ein Zimmer mit neun anderen Mädchen, total dreckig, in einer Art Slumgegend. Zum Glück ist  Mumbai eine sehr sichere Stadt."

Noch dazu musste sie zunächst ihre Eltern überzeugen. Das ist die erste und vor allem für Frauen vielleicht die größte Hürde auf dem Weg auf die große Leinwand.

"Ich stamme aus Indore, eine sehr konservative Gegend. Schauspielern gilt dort nicht als respektabler Job für eine junge Frau. Es hat mich einige Zeit gekostet, meine Familie zu überzeugen. Ich musste praktisch von zu Hause durchbrennen."

Viel Geld für einen Traum

Die ersten Monate hielt Divinaa sich mit einem Klinkenputzerjob über Wasser. Sie sammelte Spenden für eine Hilfsorganisation. Gleichzeitig besuchte sie Castings, um ihre erste Rolle zu bekommen. Doch außer ein paar Werbespots und Kurzfilmen passierte nicht viel. Divinaa hat bis heute nicht nur viel Zeit und Arbeit, sondern auch viel Geld in ihren Traum gesteckt.

"Ich habe alles verkauft, was ich besaß und es in diesen Beruf investiert, in Hautpflege, Make-up, Klamotten. Man kann nicht aussehen, wie jedes andere Mädchen, man muss immer up-to-date sein. Dann muss man eine Mappe mit Fotos anfertigen lassen. Ich habe gerade eine neue gemacht für 180.000 Rupien."

Das sind etwa 2400 Euro. Dafür muss ein Programmierer in Mumbai drei Monate arbeiten. Nach zwei Jahren endlich bekam Divinaa ein Angebot aus Hyderabad, einer der Filmmetropolen Südindiens. Neben den Bollywoodproduktionen, die im ganzen Land gezeigt werden, hat jede Region ihre eigenen Filme. Sie werden in den zahlreichen regionalen Sprachen gedreht. Viele junge Schauspieler versuchen, Hyderabad oder Chennai,  die Filmzentren des Süden, als Sprungbrett nach Bollywood zu nutzen, denn dort kommen sie leichter an Rollen, sagt Divinaa.

"Der Hauptdarsteller dieses Films war sehr bekannt. In Südindien ist das schon die halbe Miete für den Erfolg. Ich war sehr aufgeregt und dachte: wow, jetzt werde ich ein Star, bekomme tolle Rollen und verdiene viel Geld. Ich wartete ein Jahr auf den Kinostart und nahm keine anderen Rollen an. Man muss da aufpassen. Wenn man in unbedeutenden Filmen mitspielt, hat man bei den großen Regisseuren schnell einen Ruf als Schauspielerin für B-Produktionen weg. Aber der Film floppte. Ich war so enttäuscht, ich hatte so hart dafür gearbeitet."

Nach einem weiteren Flop hofft sie jetzt auf einen neuen Film, eine Adaption von Macbeth, in der sie die Lady Macbeth spielt. Der Alltag der meisten Jungschauspieler besteht vor allem daraus, präsent zu sein: sich immer wieder bei Produzenten und Castingagenturen zu melden, auf Parties und Branchenveranstaltungen gehen, Leute treffen. Und dabei immer eine gute Figur machen. Auch Harshada Patil kennt das. Die 23-Jährige hat ihren Job als Stewardess hingeschmissen, um Schauspielerin zu werden. Sie ist keine dieser glatten Schönheiten, sondern hat ein ausdrucksstarkes Gesicht mit großen Augen.

Kurzfristige Castings

Sie ist unterwegs zu einem Vorsprechen für die Hauptrolle in einem Marathi- Film. Marathi wird in der Region rund um Mumbai gesprochen. Auf dem Rücksitz ihres Autos liegen verschiedene Outfits bereit. Von den Castings erfährt sie häufig sehr kurzfristig. So auch dies-mal. Für die Rolle einer Bäuerin hat sie eine schlichte weiße Tunika und eine schwarze Hose angezogen. In dem Film geht es um die Mitgift, die Familien ins Elend stürzt und weibliche Nachkommen unbeliebt macht. So bunt und schrill indische Filme daherkommen: Oft greifen sie gesellschaftliche Probleme auf.

Das Studio, das die Firma zum Vorsprechen gemietet hat, liegt in einer heruntergekommenen Gegend des Filmviertels mit schiefen Häuschen und zusammengezimmerten Hütten. Die Mieten für ein solches Studio liegen selbst hier zwischen etwa 40 und 130 Euro – pro Stunde. Harshada stakst durch die vom Monsunregen schlammige Gasse und dann eine steile Eisentreppe hinauf zu dem Studio.

Casting für eine Rolle in einem Bollywoodfilm. (Deutschlandradio Kultur / Nicole Graaf )Harshada Patil beim Casting für die Rolle einer Bauersfrau. (Deutschlandradio Kultur / Nicole Graaf )
Die Castingcrew sitzt auf der engen Veranda unter einem Ventilator umringt von jungen Männern und Frauen, die ebenfalls zum Vorsprechen gekommen sind.

Drinnen im Castingraum, vielleicht fünfzehn Quadratmeter groß, sitzen drei weitere Kan-didatinnen auf Stühlen hinter dem Kamerastativ und studieren ihren Text. Harshada setzt sich dazu; ein Assistent erklärt ihr die Szene.

Die Hauptfigur, eine Bauersfrau, macht ihrem Ehemann Vorhaltungen. Er wollte unbedingt einen Sohn, hat aber stattdessen drei Töchter bekommen. Nun solle er sehen, wie er die Mitgift auftreibt, um sie zu verheiraten. Gerade spricht ein junger Mann für die Rolle des Bauern vor. Er wirkt extrem unsicher, verhaspelt sich bereits, als er dem Castingregisseur seinen Namen nennt.

Sein Spiel ist ohne jeden Ausdruck, seine Arme hängen schlaff an den Seiten herunter. Der arme Junge hat kaum drei Sätze gesagt, da bricht der Castingregisseur ab und scheucht ihn mit einer unwirschen Handbewegung von der Bildfläche.

"Cutt!! Ok, reicht."

Er wirkt genervt. Bei diesen offenen Castings bekommt er dutzende Bewerber vor die Linse, die nichts taugen. Harshada macht eine gute Figur.

Vor der Kamera verwandelt sich die schicke Großstädterin in eine wütende Bäuerin. Sie  kneift die Augen zu Schlitzen zusammen und zurrt zur Betonung ihren Schal fest, den sie nach Art der Landfrauen um die Hüfte geknotet hat. Nur 50 Sekunden hat sie, um den Castingregisseur zu überzeugen.

"Cut!! Thank you"

Der scheint zufrieden, fragt nach ihrer Emailadresse und Telefonnummer und erkundigt sich nach früheren Rollen. Ein gutes Zeichen. Wieder draußen ist Harshada euphorisch:

"Das Vorsprechen ist super gelaufen. Das hätte ich nie erwartet, denn es war ziemlich schwierig; ich musste mit einem Akzent vom Dorf sprechen. Und es hat ihnen wirklich gefallen. Ich bin so glücklich. Ich hoffe, sie werden mich in die engere Auswahl nehmen."

Hoffen, warten, Enttäuschung

Sie wird die Rolle am Ende nicht bekommen. Hoffen, warten, Enttäuschung, sich aufraffen und es wieder probieren. Das kennen alle, die versuchen, in Bollywood nach oben zu kommen.

Das hat auch Saurabh Goyal erfahren müssen. Der 30-jährige ist ein sehr ernsthafter junger Mann und seit sechs Jahren in Mumbai. Man würde ihn als sehr gut aussehend bezeichnen, einsfünfundsiebzig groß, breite Schultern, ein markantes Gesicht, aber Saurabh weiß um die Konkurrenz.

"Wenn ich zu einem Casting gehe, dann sitzen da Kerle, über einsachtzig, perfekter Kör-per, perfektes Gesicht. Sobald ich reinkomme, denke ich, o.k., ich bekomme die Rolle sicher nicht, gegen die bin ich gar nichts. Es geht meistens erst einmal ums Aussehen. Das schauspielerische Talent kommt erst danach."

Die Wand in seinem WG-Zimmer zieren farbige Ölbilder mit Motiven seiner Lieblingsfilme und Serien, wie Fargo, Breaking Bad und Sherlock. Er hat sie selbst gemalt.

"Ich schaue gern westliche Filme. Leonardo di Caprio, Tom Hanks, Daniel Day-Lewis.  Sie spielen einfach phantastisch. Sie transformieren sich selbst, um eine Figur zu werden. Bei uns gibt es so etwas nicht oft. Die meisten verkörpern immer denselben Typ, nur die Geschichten sind unterschiedlich.  Aber das ändert sich langsam. Es kommen jetzt mehr Filme mit Charackterrollen heraus, tolle neue Geschichten. Wir werden mehr Gelegenheit bekommen, verschiedene Arten von Rollen zu spielen. Deshalb versuche ich, an mir zu arbeiten. Ich beobachte die Leute, ihre Körpersprache. Damit ich, wenn ich in Zukunft eine solche Person spielen muss, ihr gerecht werde."

Schauspielschule in Mumbai (Deutschlandradio Kultur / Nicole Graaf)Improvisationsstunde in der Schauspielschule "Roshan Taneja". Die Schülerin will ihren "Vater" davon abbringen sich scheiden zu lassen. (Deutschlandradio Kultur / Nicole Graaf)
Saurabh hat keinen Schnellkurs belegt, sondern zwei Jahre an einer renommierten Filmakademie studiert und spielt in einer Theaterkompanie. Er hat bereits in einigen Filmen mitgewirkt, aber lange darauf gewartet, dass es einer auf die Leinwand schafft. Denn eine Rolle zu erhalten, heißt noch lange nicht, dass der Film auch tatsächlich fertig gestellt wird, erzählt er.

"Wenn es keine große Produktion ist, kann man nie sicher sein, ob sie jemals in die Kinos kommt. Jeden Freitag bringt eines der großen Studios einen neuen Film heraus und die versuchen, die Konkurrenz zu behindern."

Mancher greift auch zu abenteuerlichen Mitteln, um seinen Film zu finanzieren, erzählt Saurabh.

"Einmal rief mich dieser neue Regisseur an. Er habe mich spielen sehen, und ich sei phantastisch. Er sagte: ´Hör zu, wir haben ein neues Projekt. Ich möchte dich casten.` Er sprach von großen Stars in den Hauptrollen. Ich dachte, cool, endlich ein schönes Projekt. Aber dann sagte er: ´Schau, mir fehlt noch ein Teil des Budgets. Ich würde erwarten, dass du investierst, sagen wir eine halbe Million Rupien. Dafür machst du dann Karriere.` Ich war schockiert."

Die berüchtigte "Casting Couch"

Solche Erfahrungen machen viele Neulinge. Inzwischen weiß Saurabh, dass ein seriöser Produzent oder Regisseur sich nie so verhalten würde. Und er würde auch nicht versuchen, einen jungen Schauspieler auf die berüchtigte "Casting Couch" zu locken. Anders als man vielleicht erwarten würde, bekommen männliche Schauspieler häufiger sexuelle Avancen, als weibliche.

"Das ist mir passiert, als ich ganz neu in Mumbai war. Da gab es diesen Typen, der behauptete ein wichtiger Produzent zu sein. Er lud mich zu einem Casting bei sich zu Hause ein. Ich hatte keine Ahnung und war wohl ein bisschen naiv. Also bin ich hingegangen. Er sagte: Wenn du in diesem Geschäft arbeiten willst, dann musst du auch bereit sein, Gefallen zu tun. Ich fragte, welche Art von Gefallen? Und er sagte: na komm, du bist alt genug, das zu verstehen. Heute lache ich über so etwas, aber damals dachte ich: Was ist denn hier los? Warum treffe ich auf solche Leute? Inzwischen weiß ich Bescheid. Bevor ich zu einem Vorsprechen gehe, informiere ich mich: mit wem habe ich es da zu tun? Ist der seriös?"

Nach diversen kleineren Rollen in TV-Serien, bekam Saurabh endlich die Chance, mit einem sehr bekannten Regisseur zu arbeiten, in einem Film über eine unangepasste junge Frau, die sich mit kriminellen Polizisten anlegt. Geschichten über starke Frauen sind der neueste Trend in Bollywood. Nach Monaten des Wartens kam der Film "Akira" Anfang September endlich in die Kinos.

Saurabh spielt einen jungen Mann, der der Heldin dabei hilft, die Ganoven zur Strecke zu bringen. Sein Dialog dauert keine drei Minuten. Der Film machte Verlust und erhielt auch noch schlechte Kritiken für den dünnen Plot. Dennoch bekam der Streifen sehr viel Aufmerksamkeit, da die Erwartungen im Vorfeld hoch gewesen waren. In einem viel diskutierten Film eines bekannten Regisseurs mitzuspielen, ist für Saurabh ein Riesending. Er wagt es zu träumen.

"In drei, vier Jahren würde ich es schon gern schaffen, eine Hauptrolle zu bekommen, eine richtige Figur, die die Handlung vorantreibt. Ich denke, dass ich dem gewachsen bin."

Mehr zum Thema

Bollywood-Filme in Neu Delhi - Liebesschnulzen unter der Brücke
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 15.08.2016)

Neuer Spartensender - Bollywood kommt nach Deutschland
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 28.07.2016)

Berlin im Film - Streifzug durch die Filmgeschichte
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 09.02.2016)

Weltzeit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur