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Interview | Beitrag vom 13.09.2021

Bundesweite Impfwoche"Es ist eine Gesundheitsentscheidung"

Cornelia Betsch im Gespräch mit Ute Welty

Ein bunt beklebter Bus mit der Auffschrift "Impfbus" steht auf einen Parkplatz. (picture alliance/dpa | David Inderlied)
Schnell noch impfen lassen: Die bundesweite Impfwoche soll es Ungeimpften so einfach wie möglich machen. (picture alliance/dpa | David Inderlied)

In dieser Woche kann man sich an vielen Orten in Deutschland spontan impfen lassen. Eine gute Idee, sagt die Psychologin Cornelia Betsch. Etliche Ungeimpfte würden aber trotzdem weiter unerreichbar bleiben.

Ob in Bussen, Baumärkten oder Bibliotheken: Menschen, die noch nicht geimpft sind und sich spontan für eine Immunisierung entscheiden, finden dazu bei der Aktion "Hier wird geimpft" viele Möglichkeiten. Tatsächlich könnten auf diese Weise viele erreicht werden, glaubt die Psychologin Cornelia Betsch.

Es braucht auch noch mehr Aufklärung

Das Aufsuchen der Menschen und Anbieten von Impfungen vor Ort sei auf jeden Fall eine "sehr gute Idee", so Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt. Gerade für Leute, die im Alltagsstress noch keine Zeit gehabt hätten, sich um eine Impfung zu kümmern, sei dies eine gute Möglichkeit.

Gleichzeitig brauche es aber auch gute Aufklärung, "weil wir sehen, dass gerade die Leute, die ein bisschen unsicher sind, noch die eine oder andere Information brauchen." Ungefähr 20 Prozent der Ungeimpften seien impfwillig, weitere 20 bis 24 Prozent zögerten aber noch aus Unsicherheit. 

Impfentscheidung als Ausdruck politischer Unzufriedenheit

Ganz wesentlich sei, "dass wir uns jetzt alle klar machen müssen, dass es keine politische Entscheidung ist", so Betsch. Ungefähr 20 Prozent der Ungeimpften wollten durch ihren Verzicht auf eine Immunisierung ihre Unzufriedenheit mit der Regierung ausdrücken.

"Da noch mal klar zu machen, es ist nicht eine Entscheidung, mit der ich der Regierung nachgebe, sondern eine für meine Gesundheit und eine solidarische Entscheidung für eine gesunde Gesellschaft – das ist sehr wichtig im Moment."

Höherer Druck ist ein zweischneidiges Schwert

Höheren Druck auf Ungeimpfte bewertet Betsch ambivalent. "Das kann für eine Übergangsphase etwas sein, das immer wieder vor Augen führt, wofür es gut ist", sagt die Psychologin etwa über das verstärkte Abfragen von Impfnachweisen. "Es wird aber auch dazu führen, dass die, die ungeimpft sind, sich mehr darüber ärgern und in ihrer Einstellung verhärten."

Nach wie vor gebe es eine Gruppe, die starke Sicherheitsbedenken gegen eine Impfung anführe. Diese trage auch weniger Masken und halte weniger Abstand.

"Ich bin mir nicht sicher, wie gut diese Gruppe erreichbar ist", so Betsch. "Die sehen einfach das Risiko nicht und haben deshalb auch weniger das Bedürfnis, sich zu schützen."

(ckü)

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