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Studio 9 | Beitrag vom 21.01.2016

Bundestreffen in SenftenbergWarum die Jugend Theater macht

Von Vanja Budde

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Workshop im Jugendtheater in Senftenberg (Deutschlandradio Kultur / Vanja Budde)
Workshop im Jugendtheater in Senftenberg (Deutschlandradio Kultur / Vanja Budde)

"Nichtschubsen" - unter diesem Motto erforschen am Theater Senftenberg in der Brandenburger Provinz fast 200 junge Theatermacher die Zukunft ihrer Kunst.

Im Tanz-Workshop mühen sich zwei Dutzend Jugendliche, der Choreografie des Dozenten zu folgen. Der ist ein ausgebildeter Tänzer, das Tempo ist rasant.

Der Körper ist das wichtigste Werkzeug auf der Theaterbühne und den einzusetzen, das fällt heute Jugendlichen immer schwerer, hat Elisabeth Schröder  beobachtet. In einem Kellerraum der Neuen Bühne Senftenberg unterrichtet sie Clownerie:

O-Ton Clownin Elisabeth Schröder:

"Sie twittern, sie sitzen am Computer. Sie können natürlich die Fernsehserie ausschalten, wenn ihnen das nicht mehr gefällt. Und diese Geduld zu haben, etwas anzuschauen, ruhige Momente, lustige Momente, auch durchaus traurige Momente auch selber erleben zu können, erleben zu dürfen: Das können manche Kinder in der jüngeren Generation heute nicht mehr."

In allen Ecken des verwinkelten Theatergebäudes von Senftenberg üben sich die Theatermacher von morgen im kreativen Schreiben, in Performances oder im Puppentheater.

Am Theater reize ihn, dass man sich zeigen müsse und es Mut erfordere, auf die Bühne zu gehen, sagt ein junger Mann mit Rauschebart:

"Das ist auch das Besondere am Theater, das ändert sich nicht: Dass Theater nach diesen uralten Prinzipien funktioniert. Und das ist halt durch keine Digitalisierung zu ersetzen, dieser unmittelbare Moment."

Das Gegenteil von Selbstoptimierung

Man kann auf der Bühne zu Fall kommen, den Text vergessen, keinen Zugang zum Publikum finden: Theatermachen ist quasi das Gegenteil von angesagter Selbstoptimierung.

"Grad das ist das Geile daran (lacht) Dass genau das halt immer passieren kann, weil man damit immer wieder umgehen muss, auch mit seiner eigenen Fehlbarkeit. Das hat man im Theater in so einer ganz komprimierten Form, dass man vor sein eigenes Menschsein gestellt ist, mit dem man irgendwie umgehen muss und mit dem man irgendwie arbeiten muss."

Mai-An Nguyen ist Theaterpädagogin an der Neuen Bühne Senftenberg. Alltags ist sie in Schulen und Kindergärten unterwegs, um die Kinder in den Dörfern rund um die Kleinstadt ins Theater zu locken, über Pflichtveranstaltungen wie Schulvorstellungen hinaus:

"Theaterspielen bringt den Jugendlichen auch wahnsinnig viel. Es bringt neues Selbstvertrauen. Man lernt sich selbst besser kennen und auch andere, und ja, das stärkt die Jugendlichen, das stärkt dann wiederum auch das Theater. Weil, das Theater lebt auch natürlich von den Seelen der Jugendlichen, die dann hier sind und das Haus beleben."

Gedanken auf die Bühne bringen 

Trotz der großen Konkurrenz von Videospielen, Youtube, Whatsapp und Co. werde es in jeder Generation immer einen festen Kern von Jugendlichen geben, die sich für das Theater begeistern, meint ein junger Theaterpädagoge aus Niedersachsen:

"Weil es nach wie vor ein Mittel ist, um seine eigenen Gedanken irgendwie auf die Bühne zu bringen. Und gerade im Jugendalter passiert natürlich ganz viel im Kopf und verändert sich die Sicht auf die Welt. Dass dann ein Bedürfnis ist, das nach außen zu bringen, ist eigentlich auch klar. Da eignet sich Theater wunderbar für."

Max Kurt vom Jugendclub des Landestheaters Coburg will Schauspieler werden und bewirbt sich derzeit an Schauspielschulen. Am Max Reinhard Seminar in Wien hätte es fast geklappt, erzählt er:

"Mir persönlich macht es halt unglaublich viel Spaß. Theater ist irgendwie so was Direktes, das ist immer nur einmal da. Es ist irgendwie eine größere Spannung, auf der Bühne zu stehen und da was direkt oder unvermittelt rüberbringen zu können, dadurch hat man direktere oder stärkere Emotionen, die man auch dadurch ausdrücken kann, finde ich."

Pauline Friedrich vom Theater Marabu in Bonn sieht ihre Zukunft hinter den Kulissen, als Regisseurin:

"Das Schöne am Theater ist, dass man der Realität entfliehen kann. Man kann seine Träume auf der Bühne verwirklichen und man kann fast schon wie Gemälde schaffen und eigentlich ist es nicht real, aber für einen selber wird es real. Und man versucht auch, das dem Publikum beizubringen. Und uns befriedigt das sehr."

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