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Interview | Beitrag vom 06.08.2019

Bundestagsabgeordnete Anna ChristmannGrüne wollen offene Debatte über neue Gen-Techniken

Anna Christmann im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Beim Start einer landesweiten Kampagne gegen Gentechnik steht 2007 der Landesvorsitzende der Grünen in NRW, Arndt Klocke in Borken mit einem Papp-Maiskoblben auf einem Acker. Unter dem Motto "Good Food statt Gen-Food" starteten die nordrhein-westfälischen Grünen die Kampagne, um auf Pläne der Bundesregierung für ein neues Gentechnikgesetz hinzuweisen. (Franz-Peter Tschauner/ dpa/picture alliance )
Seit Jahren setzen sich Grüne gegen Gentechnik ein, wie der Landesvorsitzende der Grünen in NRW, Arndt Klocke, im Jahr 2007. (Franz-Peter Tschauner/ dpa/picture alliance )

Die Grünen wenden sich unverändert gegen "Heilsversprechen" der Gentechnik, sagt die Abgeordnete Anna Christmann. Aber sie zeigt sich offen dafür, neue Verfahren dahingehend zu prüfen, ob sie Chancen für eine nachhaltige Landwirtschaft bieten.

Gentechnik in der Landwirtschaft abzulehnen, gehöre zu den unverrückbaren Dogmen der Grünen, kritisierte der Journalist Christian Schwägerl in unserem Radiofeuilleton. Doch von Dogmen werde keiner satt. Er plädierte deshalb angesichts von Bevölkerungsexplosion und Klimawandel für ein Umdenken. Der Grünen-Politiker Harald Ebner entgegnete dieser Sichtweise im Interview, dass Gentechnik das Welternährungsproblem nicht lösen könne, sondern zentrale Probleme der Landwirtschaft ignoriere.

Anna Christmann, Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen.| ( Michael Kappeler/dpa/picture alliance  )Die Grünen-Abgeordnete Anna Christmann, verteidigt ihre Partei gegen den Vorwurf des Dogmatismus. ( Michael Kappeler/dpa/picture alliance )

Seine Parteifreundin, die Bundestagsabgeordnete Anna Christmann, sagte, die Grünen seien sich einig, dass Heilsversprechen der Gentechnik nicht unbedingt haltbar seien. Die Probleme seien sehr komplex, sagte sie im Deutschlandfunk Kultur. Es sei aber richtig, sich neuere Entwicklungen in der Gentechnik sehr genau anzusehen und sie in Ruhe zu bewerten. "Dazu debattieren wir auch derzeit", sagte die Parlamentarierin über die Diskussion in ihrer Partei. 

Klare Position

Die Grünen hätten zu Recht immer eine sehr klare Position gegen die Gentechnik vertreten. So sei die "alte Gentechnik" in der Vergangenheit vor allem dafür genutzt worden, um die Geschäftsmodelle großer Konzerne zu fördern. Sie hätten vor allem herbizid-tolerante Pflanzen damit hergestellt, um noch mehr chemische Unkrautvernichtungsmittel einsetzen zu können und herzustellen. "Das hat eher zu einer Landwirtschaft geführt, die wir absolut ablehnen", sagte Christmann. Jetzt gelte es zu prüfen, inwieweit sich "neue Gentechnikverfahren" von diesen alten unterschieden und ob eine Chance bestehe, dass dort Anwendungen zustande kämen, die einen Beitrag zu nachhaltiger Landwirtschaft leisten könnten.

Zu dem Vorwurf von Schwägerl, ihre Partei sei dogmatisch, sagte Christmann: "Es ist eine Stärke unserer Partei, dass wir Diskussionen sehr ausführlich und gerne auch kontrovers führen." Die Grünen sähen sich die "neue Gentechnik" sehr genau an, um herauszufinden, wo die Unterschiede zur "alten Gentechnik" liegen könnten. Dabei gehe es auch darum, herauszufinden, wo Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien, die ähnliche Ziele wie die Grünen in der nachhaltigen Landwirtschaft verfolgten. "Wo können wir die unterstützen, auch weiter Forschung zu diesem Themengebiet zu betreiben?" So könne man herausfinden, ob die neue Gentechnik diese Chancen biete und welche Risiken damit verbunden seien.

(gem)

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