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Mittwoch, 12.08.2020
 
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Kulturnachrichten

Donnerstag, 2. Juli 2020

Bundestag beschließt Millionenförderung für Verlage

Der Staat fördert Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in den nächsten Jahren mit 220 Millionen Euro. Das beschloss der Bundestag mit dem zweiten Nachtragshaushalt. Das Geld ist für die digitale Transformation des Verlagswesens zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnementzeitungen, -zeitschriften und Anzeigenblättern gedacht. Das Ganze soll die Medienvielfalt und -verbreitung in Deutschland erhalten. Für dieses Jahr sind 20 Millionen Euro vorgesehen und in Folgejahren insgesamt 200 Millionen Euro. Eine genaue Verteilung und nähere Details blieben zunächst unklar. Ursprünglich war der Plan gewesen, speziell den Bereich der Zustellung von Zeitungen und Anzeigenblättern zu unterstützen. Diese Förderung entfällt.

US-Supreme Court beschäftigt sich mit Welfenschatz

In den jahrelangen Streit um den millionenschweren Welfenschatz wird sich jetzt das Oberste Gericht der USA einschalten. Das teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in Berlin mit. Der Welfenschatz gilt als einer der bedeutendsten Kirchenschätze des Mittelalters. Die Stiftung sieht keine Grundlage für eine Rückgabe und hält die Klage für unbegründet. In dem seit 2008 dauernden Restitutionsverfahren geht es um mehr als 40 Objekte des ursprünglich sehr viel umfangreicheren Schatzes, den das Welfenhaus 1929 verkauft hat. Einige Erben der jüdischen Händler, die 1935 den Schatz weiter verkauften, halten den Verkauf für NS-verfolgungsbedingt. 2015 reichten sie eine Klage auf Herausgabe des Schatzes bei einem US-Gericht ein. 2019 wandte sich die Stiftung an das Oberste Gericht mit der Frage, ob die Klage gegen sie in den USA überhaupt zulässig ist.

Kunstmuseum in Aahus plant unterirdische Erweiterung

Das Kunstmuseum Aros im dänischen Aahus plant einen Erweiterungsbau unter der Erde. Museumsdirektor Erlend Høyersten präsentierte das Projekt, das den Titel The Next Level trägt. Der Erweiterungsbau, der in Zusammenarbeit mit den Architekten Schmidt Hammer Lassen entwickelt wurde, besteht demnach aus mehreren Elementen: einer unterirdischen Galerie auf 1000 Quadratmetern, einer halbunterirdischen Kuppel namens The Dome des amerikanischen Künstlers James Turrell und einem temporären Pavillon für Ausstellungen und Konzerte. Die Baukosten werden auf knapp 200 Millionen dänische Kronen (knapp 27 Mio Euro) geschätzt und zu mehr als der Hälfte mit privaten Mitteln finanziert, wie es hieß. Die Eröffnung ist den Angaben zufolge für 2023 geplant.

Serebrennikow nach Urteil: Kann Geldstrafe nicht zahlen

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow kann nach eigenen Angaben die von einem Gericht wegen angeblichen Betrugs verhängte Geldstrafe nicht aus eigenen Mitteln zahlen. Er könne das Land nicht verlassen, bis er dem Kulturministerium das Geld gezahlt habe, das er definitiv nicht habe, sagte Serebrennikow in einem Interview mit "The Hollywood Reporter". Zahlreiche Kulturschaffende unter anderem aus Deutschland, Österreich und Frankreich hätten ihm Unterstützung angeboten. Das Gericht hatte Serebrennikow und drei Mitarbeiter vergangene Woche schuldig gesprochen, 129 Millionen Rubel (1,6 Millionen Euro) an staatlichen Fördergeldern veruntreut zu haben. Der auch in Deutschland bekannte Film- und Theatermacher bekam eine Bewährungsstrafe. Zudem sollten er und sein Team die angeblich veruntreute Summe zurückzahlen. Der Regisseur hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Pinakotheken sollen Raubkunst-Gemälde zurückgeben

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sollen ein von den Nationalsozialisten geraubtes Gemälde an seine rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Das hat die Limbach-Kommission entschieden. Die Staatsgemäldesammlungen teilten auf Anfrage mit, dass die Begründung nun intern ausgewertet werden solle. Nach Empfehlung der Kommission soll das Gemäldes "Das Zitronenscheibchen" von Jacob Ochtervelt an die Erben eines Berliner Bankiers zurückgegeben werden. Sollten die Erben das Gemälde innerhalb der kommenden zehn Jahre verkaufen, soll der Freistaat Bayern zur Hälfte am Erlös beteiligt werden. Das Gemälde ist um das Jahr 1667 entstanden und war im Besitz der jüdischen Familie, bis das Bankhaus von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde.

Gedenkstättenleiter nach NS-Vergleich unter Druck

Wegen umstrittener Äußerungen auf Twitter gerät der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, zunehmend unter Druck. Nach Politikern von Linken und Grünen brachte auch Landeskulturministerin Barbara Klepsch (CDU) ihr Befremden zum Ausdruck. Reiprich hatte am Montag mit Blick auf die Ausschreitungen gegen Polizisten und Plünderungen in Stuttgart am vorletzten Wochenende getwittert: "War da nun eine Bundeskristallnacht oder 'nur' ein südwestdeutsches Scherbennächtle?" Tags darauf sorgte er auf derselben Plattform weitere Irritationen, in der er weiße Menschen als bedrohte Minderheit darstellte. Reiprich war bereits früher wegen seiner Amtsführung in die Kritik geraten. Die Stiftung hatte vergangene Woche sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt noch in diesem Jahr bekanntgegeben.

Schausteller demonstrieren gegen Einschränkungen

Mit einer Kundgebung und einem Fahrzeugkorso haben Schausteller aus ganz Deutschland in Berlin für die Aufhebung von Corona-Beschränkungen demonstriert. Zur Kundgebung am Brandenburger Tor kamen laut Polizei 1600 Teilnehmer, die auch um die 1000 Fahrzeuge dabei hatten. Das Verbot von Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober komme faktisch einem Berufsverbot gleich, argumentierten die Schausteller und beklagten eine Ungleichbehandlung bei den Lockerungen. Wenn Restaurants wieder offen seien und Fußgängerzonen voll, müsse auch das Kirmesgeschäft an der frischen Luft wieder erlaubt werden. Ihre letzten Einnahmen hätten sie auf den Herbstkirmessen oder Weihnachtsmärkten 2019 erzielt, so die Schausteller. Nun seien mehr als 5000 Familienunternehmen massiv in ihrer Existenz bedroht.

Corona: Berliner Philharmoniker sagen USA-Tournee ab

Die Berliner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Kirill Petrenko sagen eine weitere Tour wegen der Corona-Krise ab. Wegen der andauernden Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr und Schließung einiger Konzertsäle sei das Orchester gezwungen, die für November geplante USA-Tournee abzusagen, hieß es in einer Mitteilung. Geplant waren zehn Konzerte in sechs verschiedenen Städten, darunter in der New Yorker Carnegie Hall. Es wäre die erste USA-Reise der Berliner Philharmoniker mit ihrem neuen Chefdirigenten Petrenko gewesen. Zuvor hatten die Philharmoniker bereits ein Konzert in Tel Aviv und die anschließend geplante Europatournee absagen müssen.

Starmusiker: Rettet die britische Livemusik-Szene

Mehr als 1500 Musiker um Stars wie Paul McCartney und Ed Sheeran haben die britische Regierung zur Rettung der legendären Livemusik-Szene des Landes aufgerufen. Das Verbot von Massenevents zur Eindämmung des Coronavirus könnte "das Ende dieser weltweit führenden Branche" bedeuten, hieß es in einem offenen Brief, den auch die Rolling Stones, Rod Stewart, Coldplay, Little Mix und Dua Lipa unterzeichneten. Tatsächlich gelten vor allem die britischen Sommerfestivals als wichtiger Arbeitgeber und Geldmaschine. Doch sind sie in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden oder werden lediglich als Online-Events abgehalten. Die Regierung in London teilte mit, dass sie bereits Millionen von beurlaubten Arbeitern unter die Arme greife, darunter jenen im Kultursektor. Man prüfe, ob es Spielraum für weitere Hilfen gebe.

Theologe Heinrich Fink gestorben

Der evangelische Theologe Heinrich Fink ist tot. Wie die die Berliner Tageszeitung "junge Welt" unter Berufung auf Angehörige meldete, starb er im Alter von 85 Jahren. Fink war 1990 bis 1991 Rektor der Humboldt-Universität zu Berlin. Wegen des Vorwurfs, langjähriger inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen zu sein, wurde er entlassen. Fink war seit 1979 Professor für Praktische Theologie an der Humboldt-Universität. Er galt in der DDR als systemkonform und war unter anderem in der kommunistisch gelenkten "Christlichen Friedenskonferenz" aktiv. Von 1998 bis 2001 saß er als parteiloser Abgeordneter für die damalige PDS im Bundestag.

Elbphilharmonie startet am 1. September

Mit der neuen Hamburger Corona-Verordnung steht auch der Start in die diesjährige Konzertsaison der Elbphilharmonie endgültig fest. Das Haus kann vom 1. September 2020 an wieder vor Publikum spielen. Die Saison werde mit 620 Gästen im Großen Saal vom NDR-Elbphilharmonie-Orchester unter Alan Gilbert eröffnet, erklärte der Norddeutsche Rundfunk. Sie startet auch in der Elphi unter besonderen Bedingungen: Die Konzerte werden etwa eine Stunde dauern und es wird keine Pause geben. Dafür sollen die meisten zweimal hintereinander gespielt werden. Auf allen Laufwegen müssen Mund-Nasen-Masken getragen werden, auf den Plätzen und in den Foyers nicht.

London: Denkmal des äthiopischen Kaisers zerstört

Die Unruhen in Äthiopien haben offenbar Auswirkungen bis nach London. In der britischen Hauptstadt wurde ein Denkmal des letzten äthiopischen Kaiser Haile Selassie von einer Gruppe von ungefähr 100 Menschen attackiert und zerstört. Vermutet wird, dass der Vorfall im Zusammenhang mit Unruhen in dem ostafrikanischen Land nach dem gewaltsamen Tod des Sängers und politischen Aktivisten der Bevölkerungsgruppe der Oromo, Hachalu Hundessa, steht. Die Oromo sind die größte Bevölkerungsgruppe in Äthiopien, fühlen sich aber marginalisiert. Haile Selasse gilt ihnen als Symbol der Unterdrückung. Bis zur Beerdigung von Hachalu Hundessa heute, hat es in Äthiopien sind schon 90 Menschen ums Leben gekommen.

SWR-Dokufestival vergibt zwei Hauptpreise

Der Deutsche Dokumentarfilmpreis geht in diesem Jahr an zwei Hauptgewinner: Die Dokumentationen "Lovemobil" von Elke Margarete Lehrenkrauss über Prostitution am Straßenrand und "Eine Klinik im Untergrund - The Cave" von Feras Fayyad über eine geheime Klinik in Syrien teilen sich den mit 20.000 Euro dotierten ersten Preis, wie das SWR Doku Festival in Stuttgart mitteilte. Dies fand coronabedingt in diesem Jahr online statt.

"Beavis and Butt-Head" wird neu aufgelegt

Die Erfolgs-Zeichentrickserie "Beavis and Butt-Head" kommt zurück. Der US-Sender Comedy Central habe zwei neue Staffeln bestellt, berichtete das Branchenblatt "Hollywood Reporter". Außerdem solle es Ableger und Spezialsendungen geben. "Es hat sich wie die richtige Zeit angefühlt, wieder blöd zu werden", sagte "Beavis and Butt-Head"-Erfinder Mike Judge. Die Zeichentrickserie über zwei Freunde, die hauptsächlich Musik-Videos schauen, schimpfen und Unsinn reden, war ursprünglich in den 90er Jahren beim Musiksender MTV gelaufen und weltweit bekannt geworden.

Hesse-Preis für Adichie und Schwaab

Der Internationale Hermann-Hesse-Preis geht in diesem Jahr an die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie und ihre Übersetzerin Judith Schwaab. Das teilte die Calwer Hermann-Hesse-Stiftung mit. Gewürdigt wird der 2003 erschienene erste Roman Adichies, "Blauer Hibiskus", den Schwaab später aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte. Selten habe man einen so spannenden und ausgereiften Roman gelesen, in dem alles stimmte, begründete die Jury ihre Wahl. Die mit insgesamt 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird coronabedingt nicht wie sonst auf einem Festakt verliehen. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und würdigt laut Statut eine "schriftstellerische Leistung von internationalem Rang in Verbindung mit ihrer Übersetzung".

Türkisches Gericht berät über Hagia Sophia

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei prüft ab heute, ob die Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umgewandelt werden darf. Der imposante Kuppelbau war nach der Republikgründung 1923 in ein Museum umgewandelt worden. Seit dem Amtsantritt der islamisch-konservativen Regierung von Recep Tayyip Erdogan gibt es jedoch Bestrebungen, die Hagia Sophia wieder als Moschee zu nutzen.
Nicht nur die säkulare türkische Opposition, sondern auch Griechenland und die USA lehnen die Umwandlung aber entschieden ab. Die Hagia Sophia war im 6. Jahrhundert als Basilika errichtet worden. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 wurde die Kirche in eine Moschee umgewandelt.

Die Geigerin Ida Haendel ist gestorben

Die in Polen geborene britische Geigerin Ida Haendel ist tot. Sie sei in ihrem Haus im US-amerikanischen Miami in der Nacht zum Dienstag gestorben, teilte ihr Neffe auf Facebook mit. Zu ihrem Geburtsjahr gibt es unterschiedliche Angaben. Sie wurde jedoch über 90 Jahre alt. Haendel galt als eine der bedeutendsten Violinistinnen des 20. Jahrhunderts. Sie trat mehr als 60 Mal bei den "Proms" genannten Britischen Promenadenkonzerten auf und wurde 1991 mit dem "Order of the British Empire" ausgezeichnet. 2006 trat sie im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau für Papst Benedikt XVI. auf und spielte das "Dettinger Te Deum" von Händel.

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