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Im Gespräch | Beitrag vom 21.09.2019

Bürgerschaftliches EngagementWie wichtig ist Ehrenamt für unser Zusammenleben?

Carola Schaaf-Derichs und Chantal Munsch im Gespräch mit Gisela Steinhauer

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Zwei Jungen in Kinderuniform sitzen vor der ordentlich aufgehangenen Dienstkleidung der Freiwilligen Feuerwehr. (Picture Alliance / dpa / Patrick Pleul)
Die Freiwillige Feuerwehr hat mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. (Picture Alliance / dpa / Patrick Pleul)

Mehr als 31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich: in Vereinen, der Pflege, für Flüchtlinge, bei der Feuerwehr. Wie wichtig ist dieses Engagement für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft? Diskutieren Sie mit!

"Freiwilliges Engagement können wir gar nicht genug wertschätzen", sagt Carola Schaaf-Derichs, Geschäftsführerin der Landesfreiwilligenagentur Berlin. "Es ist ein unverzichtbarer Rohstoff für eine lebendige Bürgergesellschaft. Ein enorm wichtiger Beitrag in Zeiten, da sich die große Mehrheit der Bevölkerung um den Zusammenhalt sorgt." Die Psychologin engagiert sich seit mehr als drei Jahrzehnten für die Stärkung des Ehrenamtes und hat die Freiwilligenagentur mit aufgebaut: Hier finden Interessierte vielfältige Informationen, wo sie sich engagieren können; die Agentur ist auch Ansprechpartner für Vereine, Organisationen und Firmen, die Freiwillige suchen.  

"Im Ehrenamt geht es um mehr als um gute Taten"

Ihre Überzeugung: "Im Ehrenamt geht es um mehr als um gute Taten. Die vielen Formen des Miteinanders, wie sie etwa in den Vereinen und Initiativen gelebt werden, bilden ein Fundament. Mag Demokratie nicht groß draufstehen – es ist doch viel von den dafür erforderlichen Einstellungen und Verhaltensweisen enthalten: Respekt vor Anderen, Gleichberechtigung, Übernahme von Verantwortung." Ohne die millionenfache freiwillige Arbeit drohten viele Bereiche der Gesellschaft brachzuliegen.

"Wer soll und darf die Gesellschaft mitgestalten?"

"Bürgerschaftliches Engagement wird gern als sozialer Kitt gesehen, aber letztlich engagiert man sich mit Gleichgesinnten, mit Menschen, die so ticken, wie man selbst", sagt Chantal Munsch. Die Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Uni Siegen beschäftigt sich unter anderem mit der gesellschaftlichen Offenheit des Ehrenamtes.

Ihre Erfahrung: Es sind vor allem Menschen mit höheren Schulabschlüssen und einem guten Erwerbseinkommen, die sich freiwillig engagieren. Diese Gruppe glaube, dass sie offen für alle Menschen sei. Aber das stimme oft nicht. In Vereinen oder Initiativen suche man Erwerbslose oder Migrant*innen oft vergebens.

Auch für die Wissenschaftlerin hat das bürgerschaftliche Engagement eine starke politische Bedeutung: "Wer soll und darf die Gesellschaft mitgestalten? Will man für das Engagement nur die Menschen, die ebenso fit im Leben stehen, wie man es von der Erwerbsarbeit gewohnt ist – und die anderen lässt man außen vor?" Ziel müsse sein, wirklich alle Teile der Gesellschaft auch im Ehrenamt mitzunehmen.

Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement – Wie wichtig sind sie für unser Zusammenleben?
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer von 9.05 bis 11 Uhr mit Chantal Munsch und Carola Schaaf-Derichs. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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