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Lesart / Archiv | Beitrag vom 31.03.2015

Buenos Aires Sounds (2)Das Büchertheater − die Buchhandlung El Ateneo

Von Dirk Fuhrig

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Blick in die Buchhandlung El Ateneo in Buenos Aires; Aufnahme aus den 1980er-Jahren
Blick in die Buchhandlung El Ateneo in Buenos Aires; Aufnahme aus den 1980er-Jahren

Der Originalton kommt diese Woche aus Buenos Aires. Unser Kollege Dirk Fuhrig ist auf seinem literarischen Streifzug durch die argentinische Hauptstadt durch die größte Buchhandlung der Stadt geschlendert. Sie heißt "El Ateneo Gran Splendid", liegt auf einer der großen Flanierstraßen, der Avendia Santa Fé - und ist eine "Libreria" der ganz besonderen Art.

"El Ateneo Grand Splendid. Das ist die größte Buchhandlung nicht nur von Buenos Aires, nicht nur von Argentinien, sondern wahrscheinlich von ganz Südamerika. Es war früher ein Theater, und so sieht es hier auch noch aus, mit einer Bühne, einem roten Vorhang und einem wunderbaren Deckengemälde, einem Fresko. Rechts und links umlaufend sind die Balkone, die Logen. Und überall stehen Bücher;  Bücher aus aller Welt, Bücher zu allen Themengebieten. Es ist ein riesiges Buchkaufhaus in einem Dekor vom Ende des 19. Jahrhunderts, neobarock. Ein wahrer Tempel des Buches. Und die Leute laufen hier herum auf den Galerien, man kann schlendern, man kann sitzen, man kann Kaffee trinken, auch  ohne ein Buch zu kaufen. In den Logen kann man sich hinsetzen. Mman sitzt ganz zurückgezogen und blickt auf die Menge der Bücher, blättert in seinem Buch, schaut auf die Kulisse, die noch mehr oder weniger so erhalten ist wie vor 100 Jahren.

Zwischenzeitlich war das Gran Splendid auch ein Kino, dann rottete es eine Weile vor sich hin. 2002 wurde es in eine Buchhandlung umgewandelt, und seitdem ist es also dieses Theater der Bücher.

Es gibt natürlich schöne Literatur, Belletristik aus aller Welt und aus Argentinien natürlich. Ganze Stapel liegen gerade hier von Büchern über Fidel Castro. Wieder sehr aktuell geworden nach der Aufhebung der Blockadepolitik durch die USA. "La vida occulta de Fidel Castro", das geheime, das dunkle Leben des Fidel Castro, in großen Stapeln liegt das hüfthoch auf dem Boden.

Es gibt auch einen Aufzug. Der  ist allerdings nicht aus der Entstehungszeit 1903, als das Theater für 900 Besucher eingeweiht wurde – el Teatro Nacional.

Hier ganz oben im dritten Stock schaut man runter durch runde Öffnungen bis ganz nach unten. Hier laufen auch die Gänge um und es gibt Marmorsäulen … das Theater erinnert an einen griechischen Tempel, mit Kuppeln, barockisierend, ein bisschen antikisierend, ein grandioser Stilmix.  

In den 20er-Jahren wurde das Gebäude zur Szene für die "neuen" Künste, für das Kino, für Radio. Und hier oben im zweiten Rang, hier knarren die Dielen, und hier  erinnert noch sehr viel an die Musiktradition des  Hauses. Denn hier sind die CDs untergebracht und die DVDs.

Es ist kein Wunder, dass Buenos Aires eine so schöne Buchhandlung hat, immerhin ist es ein der Städte weltweit mit den meisten und begeistertsten Lesern. Es gibt kaum eine Stadt auf der Welt, die so viele Buchhandlungen hat. Hier in der Avenida Santa Fé ist eine an der anderen, auf der Avenida Corrientes gibt es noch viele mehr und dazu sehr viele Antiquariate. Argentinier lesen extrem viel, man sieht es in den Cafés, in den U-Bahnen, in den Bussen. Hier ist noch eine große Begeisterung für das Lesen – trotz alle Mobilgeräte, die es hier natürlich auch gibt.

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(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 30.03.2015)

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