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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.03.2018

BückebergVom Propaganda-Gelände zum Lern-Ort

Alexander Budde im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Ein Foto eines Modells aus dem Jahre 1934, zeigt das Gelände auf dem Bückeberg in Emmerthal bei Hameln, auf dem die Erntedankfeste der Nationalsozialisten gefeiert wurden. Auf einer Fläche so groß wie 25 Fußballfelder feierten die Nationalsozialisten hier auf dem Bückeberg bei Emmerthal von 1933 bis 1937 ihre Erntedankfeste. Bis zu eine Million Menschen aus ganz Deutschland kamen jedes Jahr in den Landkreis Hameln.  (picture-alliance / dpa / Peter Steffen / Bernhard Gelderblom)
Darf man auf einer ehemaligen Nazi-Kundgebungsarena ein Dokumentationsort bauen? (picture-alliance / dpa / Peter Steffen / Bernhard Gelderblom)

Beim "Reichserntedankfest" am Bückeberg bei Hameln jubelten Hunderttausende Adolf Hitler zu, jetzt soll dort ein Lernort entstehen. Doch es gibt starke Vorbehalte gegen die Pläne. Heute fiel die Entscheidung.

Auf den ersten Blick sieht der Bückeberg aus wie eine von Bäumen gesäumte Wiese. Das Gelände erstreckt sich in Hufeisenform den Hang hinauf und vermittelt das Gefühl, in einem Amphietheater zu stehen. Dieser Hügel bei Hameln, wo die NSDAP zwischen 1933 und 1937 mit ihren "Reichserntedankfesten" gewaltige Propagandafeiern abgehalten hat, wird nun in einen Lernort verwandelt. Das hat der Hamelner Kreistag beschlossen. 

Ein Wegenetz und Schautafeln

Der Initiator der Gedenkortes, der Historiker Bernhard Gelderblohm plant dort ein Wegenetz sowie Schautafeln mit Texten und Fotografien. Der 75-Jährige hat Zeitzeugen befragt und Dokumente ausgegraben. Für ihn ist das Projekt ein wichtiges Anliegen und der Bückeberg von nationaler Bedeutung:

"Hier ist der Ort, wo die Begeisterung für das Regime auch letztlich dann die Bereitschaft Hitler bis in Verbrechen hinein zu folgen, grundgelegt wurde."  

Nun sollen dort Schülerinnen und Schüler hinkommen und lernen, was es mit der Geschichte des Orts auf sich hat. Doch nicht alle halten das für eine gute Idee. Einige Anwohner aus der Gemeinde Emmertal protestieren gegen diesen bisherigen Entwurf und haben tausende Unterschriften gesammelt.

"Gedenktourismus für ewig Gestrige"

Als Grund werden die voraussichtlichen Kosten des Projekts genannt. Jedoch sollen die Kosten von 450.000 Euro auf mehrere öffentliche Geldgeber verteilt werden. Aber auch an der gewählten Form des Gedenkortes stoßen sich die Gegner. Diese sei "maßlos, altbacken und nicht zeitgemäß". Auch wolle man verhindern, dass die Gemeinde Emmertal zum "Schauplatz eines Gedenktourismus für ewig Gestrige" werden könnte. 

Jedoch gibt es auch viele Unterstützer des Projektes beim Land und Stiftungen sowie Historikern. Sie glauben, dass es den Kritikern gar nicht ums Geld gehe. Sondern das Verhalten erinnere an "klassische Abwehrreflexe der Zeitzeugen- Generation", so Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten.

CDU und AfD vereint dagegen

Aber auch CDU und AfD im Kreistag waren gegen das Projekt und die CDU stimmte der Forderung der AfD nach einer Bürgerbefragung vorab zu. Das führte zu Irritationen. Die FDP wollt ebenfalls lieber die Dokumente des Historikers Gelderblohm im örtlichen Museum ausstellen lassen, worauf dieses aber gar nicht vorbereitet ist.     

Somit war es nicht überraschend, dass es bei der Abstimmung nur eine Mehrheit von Rot-Rot-Grün mit der FDP zu einem abgeänderten Entwurf des Projekts gab. Ob aber nun wirklich Der Bückeberg vor einer Verwandlung steht oder aber das Projekt doch noch kippen könnte, ist nicht gewiß. 

(kp)

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