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Lesart / Archiv | Beitrag vom 03.01.2017

Bücher und digitale Medien "Wir lesen so viel wie noch nie"

Simone Ehmig im Gespräch mit Joachim Scholl

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Ein junges Paar sitzt an einem See und liest.  (imago/Westend61)
Ob nun digital oder auf Papier, das Lesevergnügen scheint dieses Paar auf dem Bootssteg am See zu verbinden (imago/Westend61)

Lesen Kinder und Jugendliche heute weniger als früher? Dieser weit verbreiteten Sorge tritt die Lese-Expertin Simone Ehmig entschieden entgegen. Gerade wer digitale Medien nutze, lese so viel, wie noch nie in der Geschichte vorher.

Der Anteil der Bevölkerung, der in Büchern lese, sei seit Ende der 1990er stabil geblieben, sagt Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung bei der Stiftung Lesen im Deutschlandradio Kultur. Alle Studien zeigten, dass es da nur geringe Schwankungen gegeben habe. Das gelte auch für Kinder und Jugendliche. "Egal welche Altersgruppe man betrachtet, es ist ungefähr ein Drittel, die das täglich oder mehrfach in der Woche tun." Etwa die Hälfte der Erwachsenen, Kinder und Jugendlichen läsen irgendwann mal. Daran habe auch die Nutzung digitaler Medien nichts verändert.

Lesekompetenz ist heute noch wichtiger  

"Die digitalen Medien gehen nicht auf Kosten der Nutzung von Büchern", sagte Ehmig. Wer früher gelesen habe, lese auch heute. Was sich etwas verändere sei die Lesedauer, die bei den Printmedien ein wenig zurückgehe. Wer digitale Medien nutze, lese sehr viel, sei es bei Facebook oder anderswo im Internet. "Das bedeutet, dass wir, wenn wir digitale Medien nutzen, erstens wahrscheinlich so viel lesen wie noch nie in der Geschichte vorher und das wir auch lesen können müssen, um digitale Medien zu nutzen." Bei den meisten Anwendungen sei Lesekompetenz notwendig.

7,5 Millionen Bundesbürger verstehen Texte nur schwer  

Das zentrale Problem ist aus Sicht der Expertin vielmehr, dass es leider auch eine stabile Zahl von Nichtlesern gebe. Es gebe in Deutschland bei den Erwachsenen mindestens 7,5 Millionen Menschen, die nicht oder nur schwer Texte verstehen könnten.  Das gelte selbst für Texte sehr einfacher Art. "Darin liegt ein großes Problem, das wir lösen müssen." Dabei sei die Lesesozialisation ein entscheidender Faktor, sagte Ehmig. Es sei entscheidend, dass Kindern früh mit dem Lesen in Berührung kämen und ihnen regelmäßig möglichst früh mindestens 15 Minuten am Tag vorgelesen werde. Auch das Vorbild lesender Eltern sei für Jungen und Mädchen wichtig.

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