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Lesart / Archiv | Beitrag vom 14.03.2018

Bücher über MännlichkeitWie funktioniert heute Mann-Sein?

Sieglinde Geisel im Gespräch mit Andrea Gerk

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Symbolbild: Vater und Sohn (imago/Westend61/Kniel Synnatzschke)
Symbolbild: Vater und Sohn (imago/Westend61/Kniel Synnatzschke)

In der Literatur waren Männer immer das normgebende Geschlecht. Heute sehen sie sich aber zunehmend als das "andere", das verunsicherte Geschlecht. Für viele Männer sei es ein Problem, dass ihnen niemand mehr sage, wie ein Mann zu sein habe, meint die Journalistin Sieglinde Geisel.

Wenn man die Titel der Neuerscheinungen anschaut, scheint es ein Frühjahr der Männerbücher zu sein: "Was ein Mann ist", "Männer mit Erfahrung", oder gar "Die Herzen der Männer", fallen als Titel auf.  Nun sind männliche Hauptfiguren nichts Neues, doch dass der Mann bereits im Titel angekündigt wird, ist doch etwas Besonderes. Zeichnet sich da ein Trend ab?

Die Journalistin und Buchautorin Sieglinde Geisel meint: So lange sie denken könne, seien Männer in der Literatur das normgebende Geschlecht gewesen. Obwohl diese Tatsache nach wie vor nicht zugunsten der Frauen ausgeglichen sei, habe sich gesellschaftlich in den letzten Jahren doch so viel geändert, dass sich nun viele Männer – frei nach Simone de Beauvoir -  selbst wie "das andere Geschlecht" fühlten. Und viele Neuerscheinungen der letzten Jahre bildeten dies ab.

Keine Helden mehr

Fest steht: Die Protagonisten dieser Männerbücher "sind keine Helden. Ich finde das sehr interessant, weil die Etymologie des Wortes ´Held` auf ´Mann` zurückgeht. Im Althochdeutschen hieß ´Held` einfach ´Mann`. Doch damit scheint es vorbei zu sein. Man begegnet in diesen Büchern Männern, die (…) unter ihrem Versagen leiden, die nicht kriegen, was sie wollen, die sehr auch über sich selbst nachdenken."

Dies sei ein Abbild der Gesellschaft: Nicht nur in den Chefetagen seien mehr Männer als Frauen vertreten, sondern auch am unteren Rand: mehr Alkoholiker, mehr Obdachlose, mehr Selbstmörder.

Was Männer Männern antun

Und: Frauen seien für diese Männer nicht oder seltener das Problem, sondern vielmehr andere Männer. Bücher wie "Die Herzen der Männer" von Nickolas Butler zeigten deutlich, "was Männer einander antun".

Auch spiegele die Literatur wider, dass Männlichkeit heute kein festgefügtes Bild mehr sei, sondern Männer hätten "ein größeres Angebot, sich zu verhalten". Ein Problem sei aber für viele Männer, dass ihnen heute "niemand mehr sagt, was ein ´ordentlicher Mann` ist".

(mkn)

Männer-Bücher zum Nachlesen (eine Auswahl):

Nickolas Butler, "Die Herzen der Männer", Klett-Cotta, 2018, 477 Seiten, 22 Euro
Garth Greenwell, "Was zu Dir gehört", Hanser Berlin, 240 Seiten, 22 Euro
David Szalay, "Was ein Mann ist", Carl Hanser Verlag, 2018, 24 Euro
Eckart Hammer, "Männer altern anders. Eine Gebrauchsanweisung", Mabuse, 2017, 219 Seiten, 9,95 Euro
Maxim Leo & Jochen Gutsch, "Es ist nur eine Phase, Hase", Ullstein extra, 144  Seiten, 12 Euro

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