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Lesart | Beitrag vom 17.03.2020

Bücher über Hans Christian Andersen und Ida PfeifferWenn zwei auf Reisen gehen

Von Sylvia Schwab

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Buchcover: "Hans Christian Andersen" von Heinz Janisch/Maja Kastelic und "Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf" von  Linda Schwalbe (NordSüd Verlag)
Heinz Janisch lässt Andersen sein Leben wie ein Märchen erzählen. Knallig und bunt kommt dagegen Linda Schwalbes Bilderbuch daher. (NordSüd Verlag)

Gleich zwei Bilderbücher erzählen von historischen Reisen, die von großer Bedeutung waren: Heinz Janischs von Hans Christian Andersen und Linda Schwalbe von Ida Pfeiffer. Und beide zeigen: Reisen öffnete den Blick auf die Welt.

Dass gleichzeitig zwei Bilderbücher zu einem ähnlichen Thema im selben Verlag erscheinen, ist wohl kein Zufall, sondern Programm, denn so lassen sich im Vergleich die jeweiligen Eigenarten und Stärken noch besser festmachen. Gemeinsam ist ihnen, dass eine historisch bedeutende Persönlichkeit des 19.Jahrhunderts und ihre Reisen im Mittelpunkt steht: der dänische Märchenschriftsteller Hans Christian Andersen und die deutsche Reiseschriftstellerin Ida Pfeiffer. Interessant ist aber, wie total unterschiedlich die Autorin und der Autor und die Illustratorinnen mit ihren Figuren und deren Geschichte umgehen.

Andersen Reise als Kutschfahrt

Hans-Christian Andersen war nicht nur der bekannteste Dichter und Schriftsteller Dänemarks, sondern auch ein großer Reisender, dessen Werk und Berühmtheit untrennbar mit seinen insgesamt 30 Reisen quer durch Europa zusammenhängen. Es ist darum eine hübsche Idee, ihn seine Lebensgeschichte selbst auf einer Kutschreise einem kleinen Mädchen erzählen zu lassen. In dem holpernden Wagen entsteht eine ideale Erzählsituation mit drei Generationen – dem alten Dichter, dem Kind und seiner Mutter. Das Leben des berühmten Mannes zieht so vorbei wie die Landschaft draußen an den Augen der Reisenden.

Ida Pfeiffers Sehnsucht nach der Ferne

Ohne distanzierende Rahmenerzählung und mit zupackendem Gestus steigt Linda Schwalbe in die Lebensbeschreibung der Weltreisenden Ida Pfeiffer ein. In nur wenigen Sätzen pro Doppelseite berichtet sie vom Fernweh der kleinen Ida, von ihrer konservativen Erziehung, vom konventionellen Leben der erwachsenen Frau, vom späten Aufbruch – Ida war schon über 40, als sie mit unbändiger Freude auf Reisen ging.

Und da zeigt sich: Wenn Andersens Aufstieg aus ärmsten Verhältnissen sicher schwierig war, so war Ida Pfeiffers Auflehnung gegen Rollenklischees ihrer Zeit mindestens ebenso herausfordernd!

Sehr unterschiedlich erzählt 

Heinz Janisch lässt Andersen sein Leben wie ein Märchen erzählen, der arme, begabte Junge findet das große Glück. Märchenhaft zart illustriert ist auch die Kutschfahrt und fröhlich bunt sind viele Episoden aus Andersens Leben und Märchen in Szene gesetzt. Deutlich abgesetzt gegen diese eher gefälligen Bilder sind dagegen die in braun-grau gehaltenen Szenen aus der Kindheit und Jugend des Dichters. Doch das Leichte, Hübsche, Niedliche in Text und Bildern überwiegt.

Knallig und bunt kommt dagegen Linda Schwalbes Bilderbuch über Ida Pfeiffer daher. Wie der knappe, bewusst sachliche Text wirken ihre Bilder mit den kindlich einfachen Formen, den klar gegeneinander abgegrenzten Flächen und den leuchtenden Farben fast plakativ und erinnern an den französischen Bilderbuchkünstlers Blexbolex. Was bei Andersen in Text und Bildern romantisch verklärt wird, kommt bei Ida Pfeiffer knapp und kraftvoll rüber. Beide Bücher haben einen informativen Anhang, meine Vorliebe liegt aber bei Ida – nicht nur, weil sie eine Frau ist.

Heinz Janisch/ Maja Kastelic: "Hans Christian Andersen. Die Reise seines Lebens" 
NordSüd Verlag, Zürich 2020
56 Seiten, 16 Euro
ab 4 Jahren

Linda Schwalbe: "Ida und die Welt hinterm Kaiserzipf"
NordSüd Verlag, Zürich 2020
64 Seiten, 18 Euro
ab 5 Jahren

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